Es ist schon auf eine gewisse Weise beeindruckend, dabei zuzusehen, wie scheinbar mächtige Menschen, dabei meine ich genauer gesagt die Tech-Bros, vor einem Regime einknicken. Die wohl peinlichste Szene, die vor Fremdscham strotzt, war, als Tim Cook (sorry, Tim Apple) dem Präsidenten ein goldenes Geschenk überreichte. Wobei das nur davon getoppt wurde, als sie schön brav zur Premiere von »Melania« antraten, während in Minneapolis Menschen verfolgt und ermordet wurden. Der Spruch, man solle in spannenden/interessanten Zeiten leben, meint mit Sicherheit etwas anderes als den aktuellen Zeitgeist.
Was mich am meisten fasziniert, ist, dass es nicht nur einer oder zwei sind, die auf die Knie fallen und Geschenke überreichen. Es sind quasi alle. Die Chefs von Google, Amazon, Apple und Co. kriechen im Staub, als ob ihre Existenz allein vom Willen des Präsidenten abhängen würde. Dabei haben sie in den vergangenen Jahrzehnten Unmengen an Geld angehäuft. Apple hat im letzten Quartal einen Gewinn von über 40 Mrd. Dollar akkumuliert. Das sind 40.000.000.000 $. In einem Quartal. In einem Podcast hat das letztens jemand als „Fuck-you-Money“ bezeichnet. Ich finde das eine perfekte Beschreibung.
Wozu sammeln diese Männer (gendern ist hier wahrlich nicht notwendig) Abermilliarden an Dollar an, wenn sie sich dann weiterhin dazu genötigt sehen, dem aktuellen Regime vorständig zu werden und Geschenke zu überreichen? Sie haben ihr Geld in einem, vorsichtig ausgedrückt und mit ein paar Augen zugedrückt, liberalen System gemacht. Was bewegt sie dazu, jetzt plötzlich rechte und rechtsextreme politische Richtungen zu unterstützen? Mit diesem Fuck-you-Money kann man Jahre aussitzen. Man kann sich gegen solche Menschen wie dem aktuellen US-Präsidenten stellen und muss nicht die eigene Moral und Ethik über Bord werfen und goldene Statuen überreichen.
Und haben wir in den vergangenen Jahren nicht gelernt, dass die meisten solcher „Politiker*innen“ Dreck am Stecken haben? Wäre es da nicht praktisch, wenn man eine Zeitung besitzen würde, die einmal die besten investigativen Journalist*innen der USA hatte? Beispielsweise die Washington Post, nur um ein beliebiges Beispiel zu nennen. Könnte man das nicht zu seinem Vorteil nutzen? Was will denn Washington machen, wenn (fast) das gesamte Silicon Valley ihnen den Mittelfinger zeigt? Sollen sie sie besteuern? Geld haben sie schon angehäuft und steht ihnen zur Verfügung. Es ist peinlich. Wie wenig Rückgrat diese Bande an Feiglingen hat, im Angesicht dessen, wie viel Macht sie unter sich vereinen, ist beschämend. Wie es eine Journalistin vor einiger Zeit treffend gesagt hat:
“I knew one day I’d have to watch powerful men burn the world down – I just didn’t expect them to be such losers” – Rebecca Shaw | The Guardian
