It moved, Jerry, it moved!

Ende Juni dieses Jahres erscheint oder wird erschienen sein (Zeit ist relativ, wenn man Texte vorproduziert) die 11. Edition von Warhammer 40k. Games Workshop rührt seit Monaten die Werbetrommel. Ich hatte mir kurz überlegt, ebenfalls zuzuschlagen. Die letzten zwei Boxen stehen bei mir herum und eigentlich war die Idee, quasi aus historischen Gründen, die jeweiligen Editionsboxen mitzunehmen. Alle drei Jahre kann man das machen. Aber irgendwie reizen mich die Figuren nicht wirklich. Ich sehe mich nicht in nächster Zeit Orks bemalen – sie waren noch nie wirklich meine Fraktion, auch wenn ich sie an sich ganz cool finde. Allerdings eben auf Distanz und wenn ich sie nicht selbst bemalen muss.

Die Trailer, die zur neuesten Edition erschienen sind, interessieren mich allerdings sehr. Denn wenn Games Workshop eines kann, dann ihre kleinen Plastikfigürchen episch inszenieren. Wenn ich mich recht erinnere, kommt mit jeder Edition eine neue Version ihres Einführungsabsatzes heraus, der mit der ikonischen Zeile endet: „In the grim darkness of the far future, there is only war.“

Der Cinematic Trailer fängt sehr gut ein, wie die allgemeine Atmosphäre in der Welt von Warhammer 40k ist. Vor allem die epilepsieauslösenden, schnellen Einblendungen und Übergänge stellen eine Reizüberflutung dar, die auf ihre Weise sehr gut gemacht ist. Dem Horror der Zukunft ist eine gewisse Coolness nicht abzusprechen. Man sieht auch den Imperator auf seinem goldenen Thron, dem jeden Tag Tausende Psioniker geopfert werden, nur damit sein Licht nicht erlischt, er weiter als Hoffnungsträger der Menschheit funktioniert und sein Astronomikon, eine Art Beacon, den Weg durch die Höllen des Warp etwas erträglicher macht. Aber etwas hat sich geändert?

Ich habe es selbst nur am Rande mitbekommen, aber es gibt offenbar die Bewegung unter Fans: »He moved«. Denn in einem der letzten Frames hat er doch tatsächlich ein Auge geöffnet. Hat es gezuckt? Hat sich der Imperator das erste Mal seit Tausenden Jahren bewegt? Sitzt er überhaupt noch auf dem Thron? Viele offene Fragen stehen im Raum und ich bin sehr gespannt, wohin die Reise führen wird.

Über viele Jahrzehnte war das Setting von Warhammer 40k statisch. Games Workshop hat mit den Editionen, Büchern und Spielen dieses Setting immer weiter ausgebaut, detaillierter gestaltet und so jedem Fan ermöglicht, ihr oder sein eigenes Eck in diesem grimdarken Universum zu finden. Doch seit ein paar Editionen geht die Geschichte voran. Natürlich nicht wie eine klassische Erzählung. Es ist immer noch Warhammer 40k und primär darauf ausgerichtet, Plastikfiguren zu verkaufen. Aber dass die Geschichte nun immer wieder an gewissen Punkten voranschreitet, ist als langjähriger Fan wirklich toll mitzuverfolgen. Ich beobachte gerne, wie ehemalige Helden zurückkehren, epische Schlachten ausgetragen werden und neue Höllenhunde dem Warp entsteigen.

Warhammer 40k ist einzigartig. So etwas gibt es kein zweites Mal. Und wenn der Imperator in den nächsten Jahren tatsächlich seinem Thron entsteigt oder diesem schon längst entflohen ist, dann bleibt nur noch eine Frage: Auf wessen Seite steht er? Bildet er eine neue Fraktion, abseits der Menschheit und der Chaosgötter? Ein Gott für sich, der das Universum in eine glorreiche Zukunft führt und es damit vielleicht näher an den Abgrund bringt als jemals zuvor? Ich kann es kaum erwarten.

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