Gleich am Release-Wochenende bin ich in „Digger“ gegangen. Das Cineplexx Airport zeigte den Film im englischen Originalton um 14:30 Uhr im Dolby Cinema. Diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Wobei mir eine Sache etwas seltsam vorkam: Zwei Tage vor der Vorstellung habe ich mir ein Ticket reserviert und später gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch der Einzige. Der fette, große Saal war komplett frei. Ich weiß nicht, ob ich das schon jemals hatte. Kein gutes Zeichen für den Film. In der Vorstellung selbst waren wir insgesamt sieben Leute, wenn ich das richtig gezählt habe. Zwei davon sind allerdings in der Mitte des Films gegangen. Kein gutes Zeichen für den Film.
Ein YouTuber, den ich gerne schaue, hat es so ausgedrückt: Man kann schlecht über „Digger“ reden, ohne den Film zu spoilern. Zuerst wusste ich nicht genau, was er damit meint. Nachdem ich „Digger“ nun gesehen habe, kann ich dieses Statement besser nachvollziehen. Ich denke, es ist wichtig, in diesen Film eher ohne Erwartungen reinzugehen. Nichts über diesen Film zu wissen, ist auf eine einzigartige Weise äußerst angebracht. Selbst wenn einem der Trailer nur mäßig zugesagt hat, würde ich empfehlen, „Digger“ eine Chance zu geben. Mich hat er gut unterhalten und die zwei Stunden vergingen überraschend schnell. Von mir also an dieser Stelle eine klare Sehempfehlung. Besonders im Kino macht er Spaß.
Für diejenigen, die noch etwas mehr wissen wollen, versuche ich, so spoilerfrei wie möglich ein paar Gedanken aufzuschreiben:
Nach der ersten halben Stunde hatte ich genug vom Film. Wenn man den Haupttrailer gesehen hat, kannte man die wichtigsten Gags und Szenen. Diese sind in diesem Teil des Films noch ein bisschen mehr ausgeschmückt und in die Länge gezogen. Das beinahe Overacting von Tom Cruise macht Spaß, John Goodman als US-Präsident und satirische Version vom aktuellen König ist hervorragend. Aber auch der Rest ist wunderbar besetzt: Riz Ahmed (Ganesh), Sandra Hüller (Emma Rockwell), Michael Stuhlbarg (Vizepräsident), Jesse Plemons (Kenny), Sophie Wilde (Hannah) und mehr. Sie alle füllen ihre Rollen hervorragend aus und passen sich auf eine teils absurde Weise in diese Welt ein. Jedoch: Nach einer halben Stunde, in der sich diese satirischen Charaktere gegenseitig anschreien, ins Wort fallen und ein überraschend brachialer Soundtrack auf einen einhämmert, ist es genug. Wobei man sich den Soundtrack nicht dauerhaft so vorstellen darf, sondern er sehr zerstückelt zum Einsatz kommt. Dadurch bekommt er etwas Unvorhersehbares. Besonders in der zweiten Hälfte des Films kommt dies öfter zum Einsatz.
Die Satire ist überdreht, bewusst und gekonnt. Trotzdem reicht es irgendwann. Und genau zu diesem Zeitpunkt passiert plötzlich etwas mit dem Film, das ich nicht erwartet hatte. Es eröffnet sich eine zweite Ebene. Die komplette Welt, die der Film versucht aufzubauen, wird um ein Vielfaches komplexer und ist schwieriger zu durchschauen. Die Satire steht weiterhin im Mittelpunkt, aber auf eine völlig neue Art und Weise. Das macht den Film insofern spannend, weil man nun nicht mehr damit beschäftigt ist, über die vermeintlichen Witze und überdrehten Darstellungen unserer Welt zu schmunzeln, sondern versucht, den Film zu verstehen. Dabei kommt es mir immer wieder so vor, als nähme der Film seine Zuschauer*innen ernst. Es wird nichts übererklärt oder stetig wiederholt. Entweder man ist gewillt, sich mit „Digger“ auseinanderzusetzen, oder man lässt es eben.
Wer einen lustigen Film erwartet, der mit Schenkelklopfern aufwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Das ist nicht diese Art von Satire oder Film. „Digger“ ist absurd, grotesk, überdreht und laut. Ein audiovisuelles, vollumfängliches Erlebnis, das einen auffrisst und ausspuckt. Tom Cruise hat in der Mitte des Films einen schier endlosen Monolog, der einen rüttelt und schüttelt. Es ist genial. Ich hatte wirklich viel Freude im Kino. Dabei ist „Digger“ auch toll in Szene gesetzt. Durch die Ebenen, die sich im Laufe des Films auftun, ergibt manches plötzlich Sinn und sieht dabei auch noch cool aus. Ich mochte die Bilder und das Gesamtpaket. Tom Cruise endlich mal wieder richtig schauspielern zu sehen, nachdem er in den vergangenen Jahren einen deutlichen Fokus auf Actionfilme hatte, ist grandios. Der Mann kann es noch. Und ihn ausgerechnet in einem Film wie „Digger“ wieder so zu sehen, ist großartig.
Ich hoffe, der Film ist halbwegs erfolgreich und meine Kinoerfahrung mit einem fast leeren Saal nur die Ausnahme.
