Eine gute Art von Talkshow

Wenn man das Wort Talkshow erwähnt, dann hört man meist einen tiefen Seufzer in der Umgebung, ob der niveaulosen, clickbait-artigen Unterhaltung und der Assoziation mit nachmittäglichem Privatfernsehsender-Programm. Doch darum geht es mir heute nicht. Mir geht es um Talkshows in der prominente Gäste geladen werden und ihre Bücher, Filme, Serien, Musik, etc. bewerben. Typischerweise stößt man auf YouTube in solchen Fällen auf Spätabendprogramme wie Colbert, Meyers oder Fallon, die das mal mehr, mal weniger unterhaltsam machen.

Doch vor ein paar Jahren bin ich auf die Graham Norton Show gestoßen und bin seither großer Fan. Die Clips über Geschichten die dort zum besten gegeben werden sind legendär und beim Zuschauen hat man weniger das Gefühl als würde man keiner Promotion zusehen, sondern eher guten Freunden bei einer netten Unterhaltung lauschen. Die Atmosphäre ist entspannt, es wird sich gegenseitig zugehört, es geht auch mal um etwas völlig anderes als die beworbene Sache und man bekommt einfach einen netten kleinen Einblick, wie die Gäste ticken. Seit ich auch festgestellt habe, dass die kompletten Sendungen nur einen Tag nach der Ausstrahlung auf YouTube landen, ohne das der Sender sie runter nehmen lässt, schaue ich auch die kompletten Episoden, da es einfach interessant ist zuzuschauen und man immer wieder neue, faszinierende Persönlichkeiten kennen lernt.

So kam es unlängst nicht von ungefähr, dass ich nach der Sendung mit Arnold Schwarzenegger, Dame Judi Dench, Jay Blades und Jack Whitehall, die Bücher die ersten drei genannten Personen bestellt habe. Es ist einfach faszinierend.

Überhaupt gefällt mir an der Graham Norton Show die unfassbar positive Ausstrahlung von Graham Norton selbst, aber eben auch die positive, ansteckende Atmosphäre, die sich mit seinen Gästen entwickelt. Zu oft erlebt man wie sich auf negative Dinge konzentriert wird oder man auf jemanden verbal einschlägt, obwohl man als außenstehender unmöglich die gesamte Lage überblicken könnte oder wüsste was tatsächlich in den Menschen vorgeht. Da ist diese Show ein wirklich toller Lichtblick.

Ich mag ab und zu auch die weiter oben genannten Late Night Show Hosts, aber alle haben es irgendwie gemein, dass sie ihre Gäste nicht ausreden lassen, ihnen ins Wort fallen oder auf einem Fragenkatalog bestehen, der eigentlich unnötig ist und ein Interview sehr künstlich wirken lassen kann. Muss natürlich nicht immer so sein, aber immer lässt sich dieser Eindruck eben nicht vermeiden.

Ein vergleichbarer Show Host, der ebenso eine einzigartige Sendung auf die Beine gestellt hat wie Graham Norton ist Craig Ferguson, ehemaliger Host der Late Late Show. Zu Beginn eines jeden Interviews hat er seine Interviewkarte demonstrativ zerrissen und den Gesprächen einfach ihren Lauf gelassen. Wer noch nicht die legendären Interviews zwischen ihm und Robin Williams gesehen hat, sollte diese unbedingt nachholen. Etwas fantastischeres hat das Fernsehen nie produziert. So etwas kann nur entstehen, wenn die Verantwortlichen vertrauen in ihre Hosts haben und diese auch das nötige Selbstvertrauen, um auf vorgefertigte Interviewfragen zu verzichten. Es ist immer noch sehr schade, das Craig Ferguson aufgehört hat, aber zumindest bleibt uns hoffentlich Graham Norton noch für viele Jahre als herausragender Gastgeber einer Show erhalten, die es so kein zweites Mal geben wird.