Vor einiger Zeit habe ich das Buch Machen Sie doch, was Sie wollen von Maja Storch gelesen. Darin geht es um das Konzept des Strudelwurms, der als Sinnbild für das Bauchgefühl oder die (manchmal vielleicht fehlgeleitete) Intuition steht. Sie beschreibt, wie man die Vorhaben und Ideen des Verstandes mit den Vorstellungen und Entscheidungen, die der Strudelwurm treffen will, in Einklang bringt. Und zwar ohne sich durch selbst geißelnde Zwangskontrolle zu einer bestimmten Verhaltensweise zu zwingen – was der eigenen Psyche auf lange Sicht nicht guttut.
Es ist ein kompaktes, doch dicht gefülltes Buch. Storch schafft es darin, komplexe psychologische Zusammenhänge auf ihre grundsätzlichsten Prinzipien herunterzubrechen. Außerdem ist jedes Kapitel mit Beispielen angereichert, die die erklärten Konzepte verdeutlichen und nachvollziehbar machen.
Was ich besonders an der Autorin schätze, ist, dass sie nicht lange um den heißen Brei herum redet und auch deutliche Formulierungen und Worte findet, wenn es darum geht, mit im Volksglauben verbreiteten, teils falschen Konzepten aufzuräumen.
Beispielsweise hört man des Öfteren Aussagen, dass man den eigenen, inneren Saboteur bezwingen muss. Diesen überwinden, nicht auf ihn hören oder was auch immer. Unzählige Apps, Bücher und sonstige Selbsthilfe- und Motivationsschleudern wollen aufzeigen, wie man sich selbst manipuliert, austrickst oder sonstige hinterlistigen Dinge anstellt, um unseren ach so dummen Körper/Verstand/Geist zu einem „richtigen“ Verhalten zu bringen.
Das war mir alles schon immer sehr suspekt. Es hat einen negativen Hauch an sich, der mir nicht gefällt. Sich selbst manipulieren oder durch irgendwelche künstlich erzeugten Reize zu etwas überreden. Die eigene Produktivität erhöhen. Herr über die Zeit (sprich: den Kalender) zu werden. Und sonstige Unfassbarkeiten.
Da scheint mir das Konzept, meinen Strudelwurm (mein Bauchgefühl) und meinen Verstand in Einklang zu bringen, doch sehr viel sympathischer.
Denn dies führt im Grunde dazu, dass man sich selbst besser versteht – ja sogar besser verstehen muss, wenn man sich wirklich verändern will oder begreifen, warum man sich in gewissen Situationen so und nicht anders verhält. Denn das Bauchgefühl ist genau das: ein Gefühl. Etwas, das sich oft nur schwer in Worte fassen lässt, eine mag ich/mag ich nicht Bewertung (wie Storch im Buch schreibt). Es zwingt mich (im positiven Sinne) zu hinterfragen, Antworten zu finden auf Fragen, die ich mir vorher vielleicht noch nie gestellt habe oder gar zu stellen traute.
Es gibt keinen inneren Saboteur.
Werfen wir doch bitte diese irrsinnige Idee über Bord.
Oft ist es schwierig, herauszufinden, was man wirklich will. Dauernd sind wir fremden Ideen, Lebensentwürfen und Vorstellungen ausgeliefert. Dinge, die man tun sollte. Filme/Serien, die man schauen muss. Bücher, die man gelesen haben sollte. Länder, die man besuchen muss. Und wenn man x oder y nicht bis maximal Ende 20 gemacht hat, ist es ohnehin schon zu spät. Nicht zu vergessen, die tausenden möglichen Morgen-Routinen, die man jeden Tag machen sollte, 2–3 Stunden dauern und ganz sicher in den Alltag der meisten Leute passen.
Wenn es einen Saboteur gibt, dann ist dieses Monster extern zu finden. Wir selbst sind es uns nur schuldig, diese äußeren Einflüsse auszublenden. Raum und Zeit zu schaffen, in denen wir in Ruhe reflektieren können, nachdenken. Alles andere sind nur „Influencer“, die ihr Zeug verkaufen wollen.
Tatsächlich sind es drei Bücher, die ich kürzlich dicht hintereinander gelesen habe und in dieselbe Kerbe schlagen. Ich kann sie nur wärmstens empfehlen: storyworthy von Matthew Dicks, Machen Sie doch, was Sie wollen von Maja Storch und Be Useful von Arnold Schwarzenegger. Ich werde sicherlich noch öfter über diese Bücher berichten, vor allem auch da ich sie noch ein zweites Mal lesen will und mich wirklich mit den Konzepten auseinandersetzen.
Aber das Konzept, die Idee, einen inneren Saboteur überwinden zu müssen, das können wir gleich ad acta legen.