Gerade ist mir wieder aufgefallen, dass ich immer etwas länger brauche, um die richtige Jahreszahl aufzuschreiben. Sei es in meinem Fünf-Jahres-Journal oder auch bei den ersten Entwürfen für die hier veröffentlichten Texte. Meine Hoffnung ist, da ich das Problem nun ausformuliert habe und es sich damit erledigt hat. Den Bann brechen, indem man es aktiv anspricht, sozusagen. Künftig bleibe ich bei der 24. Es ist auch die hübschere Zahl, immerhin verbirgt sich eine 42 darin. Soweit der unverfängliche Teil.
Ich nutze einen Urlaub wie den aktuellen gerne dazu, meine Tage mit einer entspannten Tasse Kaffee und einer Tageszeitung zu starten. Es hat etwas Beruhigendes an sich, die Geschehnisse des letzten Tages Revue passieren zu lassen und entsprechende Einordnungen und Analysen zu lesen. Man ist vorbereitet und informiert, was ja nie ein schlechtes Konzept ist.
In den vergangenen Tagen jedoch ist mir immer wieder ein Wort begegnet, welches sich schon jetzt als Unwort des Jahres relativ gut platzieren könnte: Superwahljahr. Es gibt dabei allerdings nicht nur einen Artikel jeden Tag in den Salzburger Nachrichten, und ich vermute einmal ganz stark bei den anderen auch, der sich damit beschäftigt, sondern immer gleich mehrere. Alle reden davon, dass ein entscheidungsträchtiges Jahr auf uns zukommt. Eine Zeit der Veränderung bricht an. Es wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.
Das erinnert mich interessanterweise an Marvel und DC. Die Comic-Verlage haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder mit großen Events geworben, die mittlerweile jedes Jahr stattfinden. Damit sollen neue Leser*innen angezogen werden, wobei solche Events, offen gesagt, meist nichts für frische Leser*innen sind, da sie oft viel Vorwissen voraussetzen. Die Rhetorik ist mittlerweile etwas zurückgeschraubt, aber es gab Zeiten, da wurde gefühlt jeden Monat etwas Bahnbrechendes, alles Veränderndes angekündigt, kein Stein bleibt auf dem anderen und so weiter. Am Ende war es, wenn man Glück hatte, ein interessantes und spannendes Event, wo viele Charaktere involviert waren, doch danach war alles beim Alten. Nur ein paar Details oder Positionen hatten sich verändert. Oder wenn es die großen Änderungen gab, wurden sie in den kommenden Monaten wieder revidiert und zurückgedreht, weil einfach der Mut fehlte, mal etwas wirklich Neues auszuprobieren. Die Krakoa-Ära von den X-Men, die sich über die letzten Jahre hinzog, war und ist eine willkommene Abwechslung gewesen, aber auch die scheint sich dem Ende zu nähern.
Aber ich schweife ab. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was mich genau an der Berichterstattung über das aktuelle Jahr stört, aber ich mag dieses künstliche Aufbauschen von Themen nicht. In der Vergangenheit hat sich das schon öfter als der falsche Weg entpuppt. Und aktuell kann man, denke ich, ohnehin nichts anderes tun als abwarten und sich informieren.
Und die Zeit bis zu den Wahlen könnte man doch viel produktiver nutzen. Denn viel interessanter als darüber zu berichten, es gibt ein Superwahljahr und wie sich etwas eventuell verändern könnte, wäre eine Vorstellung, wer zur überhaupt zur Wahl steht. Wer ist wie positioniert, welche Entscheidungen stehen in den Parteien selbst in den nächsten Monaten noch an. Wenn schon so viele Wahlen anstehen, warum nicht jeden Tag eine Partei, eine Person oder was auch vorstellen. Gewisse Positionen und Ideen gegeneinander aufstellen. Über die Ziele, Versprechen und Themen berichten, für die die jeweiligen Personen/Parteien einstehen und was sie erreichen wollen.
Das Jahr ist noch sehr jung und alle kommen aus den Feiertagen zurück, sind vielleicht noch etwas nervös oder aufgeregt. Deshalb hoffe ich, dass etwas mehr Ruhe in den nächsten Wochen einkehrt und über die Dinge berichtet wird, die tatsächlich zur Wahl stehen und nicht nur darüber spekuliert wird, was passieren könnte.
Natürlich passiert das schon zu einem gewissen Teil, doch die großen Artikel und Berichte sind für meinen Geschmack doch noch zu aufgeregt darüber, dass ein Superwahljahr stattfindet. Nutzen wir die Zeit doch bitte für etwas Besseres.