Diese Woche habe ich drei Reviews herausgesucht. Ende 2014 habe ich das Mini-Event Death of Wolverine verfolgt und mich mit den einzelnen Ausgaben eingehender beschäftigt. Als ich mir die Rezensionen nach so vielen Jahren mal wieder durchgelesen habe, war ich eigentlich recht positiv überrascht. Ich besprach nicht nur die Geschichte, sondern bin auch auf den Zeichenstil eingegangen und wie dieser zur Atmosphäre beiträgt.
Eine Sache, bei der ich mir bis heute etwas unsicher bin, wenn ich Bücher, Comics, Filme oder dergleichen textuell bespreche, ist, wie viel ich verraten soll. Eigentlich mag ich das Ganze vorsichtige Getue um Spoiler nicht. Natürlich gibt es Geschichten, die, sobald der Twist verraten wird, nicht mehr ganz so gut funktionieren. Dennoch sollte die Kenntnis darüber, wie etwas endet, die Reise dorthin nicht zunichtemachen können. Das macht gute Erzählungen aus. Und wenn ich wirklich gar nichts wissen möchte, kann ich die Rezension immer noch im Nachhinein lesen und die Meinung mit der Autor*in des Artikels vergleichen.
Womit ich allerdings nicht mehr ganz mit meinem vergangenen Ich übereinstimme, ist die Conclusio der Geschichte, was das Opfer von Wolverine betrifft. Aber so ändern sich eben Meinungen über die Zeit. Gerade deshalb empfinde ich es als interessant, alte Artikel Revue passieren zu lassen.
Wie immer werden die Texte in nicht editierter Originalform wiedergegeben. Das Erscheinungsdatum steht bei der jeweiligen Rezension dabei.
Death of Wolverine #1
Veröffentlicht am 12.10.2014
Dieses Jahr scheint geradezu in Events zu ersticken! Bei DC Comics laufen parallel mehrere Events, bei Marvel ebenso. Würde ein normalsterblicher alle Events verfolgen wollen, müsste er wahrscheinlich seinen Job kündigen und sehr viel Geld und Zeit investieren…
Ich habe für mich den Entschluss gefasst, Death of Wolverine ist das letzte Event, welches ich mit einzelnen Comicheften verfolgen werde. Früher oder später erscheint sowieso eine Collected Edition oder eine Omnibus Version, mit deren Hilfe nicht nur Geld gespart, sondern das Event auch in kürzerer Zeit gelesen werden kann.
Dies ist auch der Grund, warum ich vom Spider-Verse Event nurmehr die Hefte Reviewn werde, die ich zu Hause liegen habe. In ein paar Monate erscheint nämlich bereits ein Hardcover Buch mit allen wichtigen Heften. Death of Wolverine besteht lediglich aus vier Heften und seit den X-Men Filmen, in denen Hugh Jackmann den Mann mit Adamantium-Skelett, Selbsheilungskräften und Krallen hervorragend in Szene setzt, wie es kein zweiter schaffen wird, bin ich ein großer Fan des Charakters. Also lasst uns beginnen und erforschen, wie Wolverine stirbt.
“Half those guys took each other out trying to get at me. And the rest … decided they’d rather fight than have a conversation.” – Logan
Das Heft beginnt mit den in großen Buchstaben gedruckten Worten “THE END” und das ist es auch, was die gesamte Ausgabe hindurch spürbar ist – es gibt kein zurück, kein Happy End. Dies ist die Geschichte vom Tod von Wolverine. Auch wenn in Comics natürlich nie jemand wirklich für immer stirbt (Ausnahmen bestätigen die Regel), ist die Atmosphäre die hier aufgebaut wird besonders.
Wir erfahren, das sich Logan bereits an einige der größten Genies gewendet hat, die ihm eventuell helfen können und Reed Richards ist der letzte auf seiner Liste. Doch auch er kann nur diagnostizieren, was Logan bereits wusste: Seine Selbstheilungskräfte funktionieren nicht mehr. Seine Krallen sollte er nun besser nicht mehr verwenden, denn jedes mal, wenn er diese wieder einfährt, fluten Bakterien seinen Körper. Dies ist ein Aspekt, an den ich bisher nicht gedacht hatte. Wolverine wird plötzlich menschlicher, verwundbarer und er muss sich an Dinge gewöhnen, an die er vorher wahrscheinlich nie gedacht hat.
Aber gleichzeitig mit der Diagnose ist ihm auch deutlich bewusst, dass er sich ein ruhiges Leben abschminken kann. Wenn der große Wolverine verwundbar ist, wird sich das herumsprechen und es werden Leute Jagd auf ihn machen. Er zieht sich auf eine Insel zurück. Diese ist bereits gespickt von den Leichen derer, die ihn töten wollten und vom Jäger Nuke, dessen Jagd Teil dieser Ausgabe ist, erfährt er, dass es eine Frau namens Viper ist, die ein Lösegeld auf ihn ausgesetzt hat.
Mich hat diese Ausgabe sehr begeistert. Die Geschichte von Charles Soule, gekoppelt mit den Illustrationen von Steve McNiven, Jay Leisten und Justin Ponsor, machen diese Ausgabe zu einem Genuss. Die Zeichnungen machen das Ende geradezu spürbar, denn sie sind schonungslos ehrlich, dreckig, roh, blutig und brutal. Es gibt hier keine Kompromisse und freue mich schon auf die Ausgabe.
Das besondere an dieser Ausgabe ist aber auch das Bonusmaterial. Es gibt ein ausführliches Interview über die Anfänge von Wolverine, einen Directors Cut und Kommentare zu verschiedenen Skizzen. Der Leser kann sich dadurch noch intensiver mit der Thematik auseinandersetzen und bekommt gleichzeitig einen kleinen Einblick, wie Comics entstehen.
Death of Wolverine #2
Veröffentlicht am 01.11.2014
Da mich die erste Ausgabe sehr begeistert hat, konnte ich es kaum erwarten die nächste in Händen zu halten und ich muss sagen die Autoren leisten eine hervorragende Arbeit. Es ist leider zu oft der Fall, dass solche Events bzw. Miniserien an sich, an Qualität verlieren. Dies ist hier allerdings nicht der Fall. Das Tempo wird etwas gedrosselt und das Team konzentriert sich auf eine Handvoll Charaktere, was der Geschichte eine andere dynamik verleiht…
“Hey, Darling” – Logan
Seit dem Handlungsbogen aus der vorherigen Ausgabe ist nicht viel Zeit vergangen. Es hat sich im letzten Panel bereits angedeutet, dass Viper einer der Drahtzieher zu sein scheint, die das Lösegeld auf Wolverine ausgesetzt hat und Logan macht sich natürlich auf den Weg zu ihr. Hier setzt die Geschichte nun auch an – er reist nach Madripoor, um durch das Einfädeln eines Deals (er möchte ihr einen Iron Man Helm verkaufen) an Viper heran zu kommen.
Wie gesagt, ist mir als erstes das Erzähltempo aufgefallen. Das Ganze scheint ruhiger abzulaufen und den wenigen Charakteren, die eine Rolle spielen, wird mehr Raum zugesprochen. Durch die hervorragenden, detaillierten Zeichnungen von Steve McNiven, Jey Leisten und Justin Ponsor ändert sich die Atmosphäre, so als sei dies die letzte Ruhe vor dem Sturm.
Natürlich kommt die Action auch nicht zu kurz. Es gibt einen wunderbaren Kampf zwischen Wolverine und Vipers Sklaven Sabretooth. Das Panel in dem er eingeführt wirkt strotzt nur so von Zeichen der Bedrohung. Dunkle Farben, eine aggressive, angriffslustige Haltung und die Tatsache, dass er aus dem Panel zu quillen scheint, treiben die Vorfreude auf die Spitze. Selbstverständlich gibts es zum Schluss noch einen Twist, den ich schon überraschend gefunden habe, außerdem weckt er das Interesse auf den dritten Teil.
Im Anhang finden sich auch wieder ein paar Bonusseiten. Auch wenn es diesmal nicht so ausführliches Material ist, wie im letzten Heft, bekommt man wieder einen netten Einblick in die Entstehungsgeschichte präsentiert.
Death of Wolverine #3 & #4
Veröffentlicht am 05.12.2014
Wie endet das Leben eines unsterblichen Mutanten, der seine Heilungskräfte verloren hat und auf dessen Kopf ein verlockend hohes Lösegeld ausgesetzt ist? In einem spektakulären Kampf? Still und Emotional? Diese Fragen habe ich mir oft gestellt, als ich die letzten beiden Teile gelesen habe und die Antwort war verblüffend…
“Sometimes I wonder if it might be better to find some place where I can watch the sun set, then just…” – Logan
Leider habe ich die X-Men Comics nie wirklich verfolgt, da ich es immer sehr schwierig fand, einen geeigneten Zugang zu finden. Erst die Filme haben mir diese Welt etwas eröffnet und Wolverine zu einem meiner Lieblingscharaktere gemacht. Deshalb finde ich es etwas schade, die Antagonisten nicht zu kennen und ihre gemeinsame Geschichte mit Logan verpasst zu haben. Als erstes hatten Viper, die anscheinend mehr als nur eine Freundin war, dann kommt in der dritten Ausgabe ein körperloses Wesen namens Ogun hinzu. Von dem was ich aus der Geschichte ableiten kann, handelt es sich wahrscheinlich um einen ehemaligen Samurai, der Logan und Kitty Pryde trainiert hat. Vor langer Zeit wird er gestorben sein und muss sich nun Wirte suchen, von denen er Besitz ergreifen kann. Als Drahtzieher entpuppt sich schließlich ein Doktor namens Abraham Cornelius. Dieser ist für Logans Adamantium Skelett verantwortlich und ist nun etwas größenwahnsinnig geworden.
Sein Ziel ist es eine Armee von Wolverines zu kreieren. Aus diesem Grund möchte er Logan auch lebend haben. Seine Heilungskräfte sollen dafür sorge tragen, dass die unfreiwilligen Patienten, die das Adamantium “verabreicht” bekommen, während der Operation nicht sterben.
Das Labor in dem Logan den Doktor schließlich findet, habe ich als sehr unheimlich und erschreckend empfunden. In der Mitte liegen drei Personen auf hochmodernen Operationstischen, umgeben von automatisch gesteuerten Roboterarmen. Später werden sie dann bei vollem Bewusstsein aufgeschnitten und operiert. Bei manchen Panels sieht man sogar Tränen, die ihnen aus den Augenwinkeln laufen – wie gesagt, sehr beängstigend, wenn man sich in die Personen hineinversetzt.
Nach einem Kampf mit einem gewissen “Sharp”, den Logan mit Leichtigkeit besiegt, kann Cornelius flüchten und die einzige Möglichkeit, die Logan sieht, um die Opfer zu retten besteht darin, den Behälter mit Adamantium zu zerstören. Dabei wird allerdings er mit dem Metall übergossen und während dieses langsam aushärtet, verfolgt er den Drahtzieher und tötet ihn.
Alles was schließlich von Logan übrig bleibt, ist eine Statue aus Adamantium, die den Sonnenuntergang kniend beobachtet.
Auch wenn ich das Finale etwas unspektakulär und seltsam finde, gefällt mir der Gedanke, dass Logan eben doch nicht wirklich stirbt, sondern eben “nur” mit Adamantium übergossen wurde. Anders als wenn er tatsächlich getötet worden wäre, kann er aus dieser Situation vergleichsweise simpel wieder befreit werden. Versteht mich nicht falsch, er muss immer noch irgendwie wiederbelebt werden, allerdings existiert sein Körper noch innerhalb einer Adamantiumschicht und wahrscheinlich halten ihn seine eventuell wiedergekehrten Selbstheilungskräfte am Leben. Drastischere Maßnahmen, bei denen er tatsächlich von jemand anderes getötet wird und nicht sich selbst opfert, hätte ich persönlich favorisiert. Aber alles in allem ist es eine gute Geschichte, mit einem überraschendem Ende. Bleibt nur noch die Frage: Wie lange wird Logan tot sein und wie wird er gerettet?