Fasten und App-hängikeiten

Ich muss mich für das schlechte Wortspiel im Titel entschuldigen, aber manchmal kann ich nicht widerstehen. Jedenfalls soll es heute zu einem gewissen Teil um das Intervall-Fasten gehen. Diese Technik ist etwas, dem ich viel abgewinnen kann. Es ist eine interessante Übung. Nicht nur für den eigenen Appetit und spontane Kühlschrank-Überfälle, sondern auch in Bezug auf die mentale Seite.

Wenn ich Intervall-faste, dann typischerweise in der beliebten 16:8 Variante, sprich 16 Stunden nichts essen, gefolgt von einem 8-Stunden-Fenster, in dem man isst. Das kann sich schon mal zu einem 20 oder sogar 21 Stunden Fastenzeitraum ausdehnen, sei es, weil ich gerade unterwegs bin oder es gerade gut läuft. Aber manchmal stellt es sich eben auch als eine mentale Übung heraus.

In unserer Gesellschaft und vor allem im westlichen Teil der Welt leben wir im Überfluss. Alles ist jederzeit sofort verfügbar. Die Supermärkte sind mit verarbeiteten Lebensmitteln gefüllt und man kann ja eigentlich nicht nicht essen. Daher ist es eine charmante und kontrastierte Herangehensweise, sich dem etwas zu widersetzen und ein paar Stunden am Tag zu sagen, ich entscheide mich bewusst, meinem Körper eine Pause zu gönnen. Denn diese Pause braucht der Körper zum Teil auch, denn erst, wenn wir mal 12 oder mehr Stunden nichts essen, werden gewisse Prozesse in Gang gesetzt. Autophagie, eine Art Reinigungs- und Erneuerungsprozess der Zellen, kann bis zu 14 oder 16 Stunden dauern, bis dieser aktiviert wird. Deshalb versuche ich zumindest die 12 Stunden jeden Tag vollzumachen. So wie es Bas Kast in seinem Buch Der Ernährungskompass ebenfalls beschreibt, einfach zwischen acht Uhr morgens und acht Uhr abends nicht essen. Eine interessante Übung, die ich nur empfehlen kann.

Mittlerweile gibt es ja für alles Apps und so ist der iOS-App-Store mit Fasten-Apps zum Überfluss gefüllt. Früher hatte ich die Fastic-App getestet und war damit sehr zufrieden. Im Januar hatte ich jetzt die Zero-App. Diese ist zwar von der Bedienung nicht ganz so super und die Statistiken benötigen manchmal einen Neustart der App, bis sie sich alle Infos aus der Health-App bzgl. Trainings und so geholt hat, aber sie besticht durch individualisierte Fasten-Zeiten. Das heißt, die Prozesse, die der Körper nach gewissen Stunden in Gang setzt, sind der eigenen Ernährungsweise angepasst und je nachdem, wann man welchen Sport betreibt. Was sehr begrüßenswert ist.

Ich hatte zum Glück den Winter-Sale verpasst, sonst hätte ich unnötigerweise wahrscheinlich ein Jahresabo abgeschlossen. So habe ich es mir testweise für einen Monat geklickt. Und das reicht, finde ich auch. Ich möchte mich nicht ein Jahr lang mit einer Fasten-App herumschlagen müssen. Mich interessieren auch die Statistiken und so nicht. Was faszinierend ist, sind die Infos, wann man welche Zonen betritt und wie sich Sport beispielsweise darauf auswirkt. Aber nach zwei bis drei Wochen habe ich das verstanden und mit dem Talent, eine Uhr lesen zu können, bin ich selbst in der Lage abzuschätzen, wie lange ich gerade nichts esse.

Und genau darum geht es mir eigentlich. Sich nicht unbedingt durch Apps abhängig in manchen Lebensbereichen zu machen. Ich brauche nicht über alles in meinem Leben eine Statistik. Die Apple Watch zeichnet schon genug Sachen auf, die ich tatsächlich interessant finde. Bei manchen Dingen ist der eigene Hausverstand ausreichend.