Aufbruch in eine neue Ära

Mein Lesejahr ist hervorragend gestartet. Statt abends irgendwelche seltsamen Serien oder Filme zu schauen, die ich eh schon kenne, habe ich meist ein Buch in der Hand. Den Beginn machte Das Licht der Jedi von Charles Soule. Es ist auch das erste Buch und somit der Auftakt für die Ära der hohen Republik. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass es ein gelungener Star ist.

Vor allem der erste Teil des Buches hat es in sich. Das Tempo, mit dem man in die Handlung hinein geworfen wird und sich die verschiedenen Erzählstränge ausbreiten und ineinandergreifen, ist hervorragend. Die neuen Charaktere sind gut ausgearbeitet und haben alle etwas Eigenes, distinktives an sich. Nicht nur was die Charakterzüge anbelangt, sondern auch das Aussehen und die Spezies sind äußerst divers gestaltet. Etwas, was ich mir von Star Wars eigentlich schon immer gewünscht habe. Denn welches Universum würde sich besser für die unterschiedlichsten und vielleicht auch abwegigsten Repräsentationen von Individuen anbieten, als Star Wars? Mit den zig Spezies, die es dort gibt, kann man der Kreativität freien lauf lassen und ist nicht nur auf die des Menschen beschränkt. Alleine deswegen macht es schon Spaß, dieses Buch zu lesen.

Und da es sich zu fast hundert Prozent um neue Charaktere handelt, denen wir bisher noch nirgends begegnet sind, müssen sich erst die „richtigen“ Protagonist*innen herausstellen. Denn nur weil es ein Star Wars Buch ist, sind längst nicht alle Charaktere sicher. Die Geschichte wird dem titelgebenden Krieg vielleicht nicht im klassischen Sinne gerecht, da es kein Aufeinandertreffen von Imperium gegen Rebellen gibt, aber es entwickeln sich andere Dinge, die es durchaus in sich haben. Die Galaxis befindet sich zu dieser Zeit in einem andauernden Frieden, indem sich manche etwas zu sicher fühlen. Das merkt man der Geschichte und dem Handeln einzelner Charaktere an.

Überhaupt fühlt sich das Buch, die Personen und die Technologie sowie die Beschreibungen der Macht (die auf unterschiedlichste Weise genutzt wird), sehr frisch an. Durch die unzähligen Jedi, die es zu dieser Zeit gibt, ergeben sich kreative Einsatzmöglichkeiten der Macht und Lichtschwerter, bzw. wie diese mit der Technologie der Zeit zusammenarbeiten, sich ergänzen. Es fühlt sich neu, frisch und voller Abenteuerlust an. Ich will mehr Zeit in dieser Welt verbringen und freue mich schon auf die folgenden Teile der hohen Republik.

Aber nicht nur die Charaktere, die auf der Seite der hohen Republik stehen, sind gut ausgearbeitet, auch die Gegenspieler, die sich im Laufe des Buches herauskristallisieren, hat man so noch nicht gesehen. Da es etwa 200 Jahre von den Geschehnissen der Skywalker-Saga spielt, kann das Autorenteam, das hinter der hohen Republik steht, auch neue Dinge ausprobieren. Technologien, die bis dahin vielleicht in Vergessenheit geraten sind oder Wissen, das mit dem Aufstieg des Imperiums vollends untergegangen ist.

Wie Patrick Willems in seinem Star Wars Holiday Special gesagt hat, der mich erst dazu inspirierte den Büchern eine Chance zu geben: es fühlt sich nach genau dem Star Wars an, das man von den neuen Filmen und Serien erwartet hatte. Es macht ein neues Zeitalter auf, kaut nicht die immer gleichen Geschehnisse und Familienstammbäume wider und verlässt sich nicht auf ein nostalgisches Gefühl, das beim Lesen/Schauen aufkommen soll.

Es ist mutig und probiert Neues aus. Werden alle Bücher funktionieren? Wahrscheinlich nicht, aber der Auftakt ist schon mal vielversprechend.