Architektur ist ein Thema, das mich eigentlich nie sonderlich interessierte. Zumindest nicht in dem Maße, sodass ich mich aktiv damit auseinandergesetzt hätte. Egal, ob es sich um besondere Architekt*innen handelt oder um die Geschichte eines speziellen Bauwerks. Natürlich bekommt man beispielsweise durch Städte-Führungen immer etwas über deren Entwicklung mit, aber auf das Design oder die Entwicklung einzelner Gebäude ist es dann doch eher weniger.
Die einzigen popkulturellen Referenzen, die mir in Bezug auf Architektur einfallen, sind zum einen der Protagonist der Serie How I Met Your Mother, Ted Mosby, der später als Architekt arbeitet. Und natürlich George aus Seinfeld, der zwar nicht als Architekt tätig ist, allerdings gerne so tut, als wäre er einer. So erdachte er sich für die verschiedensten, albernen Situationen den Star-Architekten Art Vandelay.
Ansonsten hatte ich bisher nicht viel Kontakt mit dieser Zunft. Bis ich den YouTube-Kanal, wie sollte es anders sein, von Dami Lee entdeckte. Sie ist selbst Architektin und präsentiert in hervorragend produzierten Videos und Video-Essays verschiedenste Konzepte und Ideen dieses doch sehr faszinierenden Handwerks. Erst durch sie wurde mir bewusst, wie sehr Architektur und Soziologie zusammenhängen. Und auch wie sehr eine Gesellschaft von den Gebäuden, in denen sie stattfindet, geprägt wird. Man läuft zwar immer durch Städte und denkt sich manchmal, dass ein Gebäude doch hübsch gebaut ist oder beeindruckende Bauweisen aufweist, doch wirkliche Gedanken, wie sie uns beeinflussen, machte ich mir nicht so wirklich.
Immer öfter findet die YouTuberin Demi Lee auch den Einstieg in ein Thema, über fiktive Welten. Sei es Star Wars oder Cyberpunk-inspirierte Werke wie Blade Runner, sie findet immer Wege, wie sie die dort vorkommenden Konzepte anschaulich erklärt und welche Auswirkungen diese auf die darin porträtierte Gesellschaft haben.
Sie scheint auch viel zu Reisen und speziell ihr Video über Japan und die dortigen architektonischen Experimente, Eigenheiten und mysteriösen Gebäude hat sie dermaßen faszinierend und fesselnd beschrieben, dass ich diese gerne selbst einmal erleben möchte. Ihre sympathische Art, die teils komplexe Konzepte zu präsentieren und die hohe Qualität der Videos, von denen sich andere eine Scheibe abschneiden können, beeindrucken mich immer wieder. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich für Architektur begeistern könnte, aber jedes Mal, wenn Demi Lee ein Video veröffentlicht und darüber spricht, verstehe ich erst so richtig die Faszination dahinter.
Und auch wie wichtig es ist, sich darüber Gedanken zu machen oder sich zumindest ein bisschen bewusst zu machen, warum die Gebäude so wirken, wie sie es tun und wie sie unser gesellschaftliches Zusammenleben beeinflussen. Dabei ist sie durchaus kritisch, wie beispielsweise dem verrückten, saudiarabischen Projekt The Line gegenüber. Sie diskutiert ausführlich, wieso dieses Design so eigentlich nicht gut funktionieren kann und welches veraltete Konzept und Verständnis hinter dieser Stadt steckt. Oder ihr jüngstes Video, welches sich das schreckliche Gefängnis als zentrales Thema heraussucht, welches in der Star Wars Serie Andor vorkommt. Sie nimmt dieses fiktive Gefängnis und leitet dann dazu über, warum moderne Gefängnisse eigentlich nicht funktionieren können und dass sie komplett falsch gedacht sind – meistens zumindest. Wieso Einzelhaft so grausam ist und wie man stattdessen als Gesellschaft über Gefängnisse denken und welche Ziele sie haben sollte.
Wer sich noch nie mit Architektur auseinandergesetzt hat, sollte dem Thema wirklich eine Chance geben, da man völlig neue Sichtweisen kennen lernt. Es geht eben nicht nur um das simple Entwerfen von Gebäuden oder darum, sich besonders außergewöhnliche Villen auszudenken. Es geht darum, wie wir unsere Umgebung, unsere Städte und damit unser Leben gestalten wollen.