Seit ich das neueste Buch von Arnold Schwarzenegger „Be Useful“ gelesen habe, geht mir eine Sache nicht aus dem Kopf. Es ist keine der großen Lektionen, wie, dass man eine Vision braucht oder sich Raum und Zeit schaffen muss, um in Ruhe reflektieren und nachdenken zu können. Es ist auch nicht, dass wir uns große, scheinbar unerreichbare Ziele setzen sollten. Das alles ist schön und gut, aber nicht das, was bei mir tatsächlich hängen geblieben ist und mich fast jeden Tag beschäftigt.
Was mich nachhaltig beeindruckt hat, ist eine einfache Übung, wenn man so will, die bereits im ersten Kapitel vorkommt. Es ist eine Frage, die scheinbar jeder von uns beantworten können sollte, aber an der man (und damit meine ich mich) unweigerlich scheitert oder zumindest Schwierigkeiten hat, wenn es um die Details geht. Die Frage hat mit dem eigenen Spiegelbild zu tun. Wen man darin erkennt und was man sieht, wenn man in den Spiegel blickt. Wie bewertet man, was man sieht? Es hat auch damit zu tun, wie man das bewertet und mit welcher Einstellung man an dieses reflektierte Selbst herantritt. Doch das alles sind bereits viel zu tiefgreifende Fragen, über die man sich unweigerlich im Leben Gedanken macht. Oder zumindest Gedanken machen sollte – manchmal vielleicht auch muss. Die eigentliche Frage ist viel einfacher: „Welche Farbe haben deine Augen?“
Eine scheinbar einfache Frage, doch wenn wir mal ehrlich darüber nachdenken, wissen wir dann, welche Farben unsere Augen tatsächlich haben? Klar können wir nun die im Führerschein angegebene Farbe wiedergeben, die wir unser Leben lang anderen Menschen mitgeteilt haben, doch das ist nicht, was Schwarzenegger als Antwort hören will. Es geht darum, die eigenen Augen beschreiben zu können. Es mag sein, dass sie vorwiegend blau oder grün sind, aber vielleicht ist ein grau-blauer äußerer Rand zu erkennen. Ist die zentrale Farbe um die Pupille herum dunkler als in der Mitte der Iris? Sind gelbe Sprenkel darin? Sind das linke und rechte Auge ein bisschen unterschiedlich, wenn man genau hinsieht?
Seit ich das Buch gelesen habe und Zähne putzend vor dem Spiegel stehe, stelle ich mir diese Fragen. Ich kann vage beschreiben, was sonst noch so im Buch steht, aber diese Frage ist mir am meisten im Gedächtnis geblieben. Das kann man natürlich auch noch etwas weiter denken, wenn man möchte. Denn ist es nicht so, dass wir uns zwar täglich in die Augen schauen, uns selbst und anderen, aber mehrheitlich an oberflächlich erscheinenden Fragen scheitern?
Welche Farbe hatte das T-Shirt der Person, mit der wir am Mittagstisch saßen? Hatte die Friseurin eine Jacke an, oder nicht? War nicht eben noch ein blaues Auto hinter uns?
Ich finde es faszinierend, den Alltag immer wieder neu zu entdecken und Vergnügen an diesen Banalitäten zu finden. Denn der Alltag ist doch das, mit dem wir am meisten Zeit in unserem Leben verbringen. Der tägliche Weg in die Arbeit und zurück, das Einkaufen im Supermarkt, Anstehen an der Kasse, etwas zu essen zuzubereiten, und so weiter. Jeden Tag, immer wieder. Doch wenn man mit etwas mehr Aufmerksamkeit durchs Leben geht, so kann man sehr viel Schönes in diesem Alltag entdecken.
Also, welche Farbe haben deine Augen wirklich?