Die heutige Ausgabe meiner wöchentlichen Kolumne, in der ich mir einen Artikel aus längst vergangener Zeit heraussuche, als ich noch den Blog geek-planet hatte, behandelt den Film Unbroken. Es ist nie leicht, einen Film zu besprechen, der wahre Begebenheiten darstellen möchte, denn, anders als ich es damals in meiner Rezension geschrieben habe, nehmen sich die Verantwortlichen immer kreative Freiheiten. Das mag verschiedenste Gründe haben. Ein wichtiger Faktor ist natürlich die Zeit – in zwei bis drei Stunden lässt sich eben kein ganzes Leben darstellen. Andere Gründe haben mit Dramaturgie und dergleichen zu tun.
Aus Neugierde, wie der Film damals ankam, habe ich den Wikipedia-Artikel überflogen. Es sind durchschnittliche bis gute Bewertungen, das Drehbuch wird oft kritisiert und dass man mehr aus dem Material hätte herausholen können – aber ist das nicht immer der Fall? Wie dem auch sei, ich habe mir Unbroken, seit ich damals im Kino war, nicht wieder angesehen. Einmal hat mir vollkommen gereicht. Manche Filme nehmen mich einfach so sehr mit, dass es mir genügt, sie einmal gesehen zu haben.
Vielleicht ist die Rezension, die vom 03.02.2015 stammt, etwas zu überschwänglich und unkritisch, den Entscheidungen gegenüber, die Angelina Jolie und ihr Team getroffen haben. Und wie kann ich mir anmaßen zu beurteilen, ob ein solcher Film „authentisch“ ist?
Der Film ist mir jedenfalls in Erinnerung geblieben, genauso der Kampf und das Leben von Louis Zamperini. Darauf kommt es doch bei solchen Filmen an – nicht zu Vergessen und aus der Vergangenheit zu lernen. Das war mir damals schon wichtig und ist es auch heute noch.
Unbroken ist Angelina Jolies zweite Regiearbeit (die Erste scheine ich verpasst zu haben) und erzählt die wahre Geschichte eines Soldaten und Olympiasportlers, der im Zweiten Weltkrieg von den Japanern gefangen genommen und in ein Arbeitslager verfrachtet wurde.
“If I can take it, I can make it” –Louis “Louie” Zamperini
Wie schon bei Filmen zuvor, wusste ich nicht genau, was ich von Unbroken erwarten soll. Irgendwie schaffte ich es keinen Trailer davon gesehen zu haben, Angelina Jolie ist eine gute Schauspielerin, aber kann sie auch Regie führen? Des Weiteren war es der zweite WWII-Film innerhalb einer Woche, daher war ich mehr oder weniger auf das Thema eingestellt und konnte die Vorstellung vorurteilsfrei, soweit so etwas überhaupt möglich ist, besuchen. Dass mich der Film aber noch Tage danach beschäftigen wird und mich auf einer Ebene berührt, wie es nur wenige Filme schaffen, hatte ich tatsächlich nicht erwartet.
Wenn ich jemandem die drei wichtigsten Bestandteile des Films aufzählen müsste, wären das die Kameraeinstellungen, die Schauspieler und der Soundtrack. Angelina Jolie versteht es wirklich, einen Film zu machen. Sie holt das Letzte aus ihren Schauspielern heraus und stellt die Ereignisse so überzeugend und authentisch dar, sodass ich mir nicht die Frage stelle, ob sie sich nicht zu viele dramaturgische Freiheiten erlaubt hat. Sie bringt mich tatsächlich dazu, ihr zu glauben, dass es so und nicht anders war.
Die Bilder im Film sind atemberaubend und stellen die tragischen Ereignisse in keiner Weise übertrieben effektvoll dar. Die Musik untermalt an den richtigen Stellen das Geschehen und rundet das Gesamtpaket ab.
Jolie unterteilt den Film in drei Lebensabschnitte von Louis: Seine sportliche Karriere, sein Leben beim Militär (inkl. eines 45-tägigen Überlebenskampfes auf offener See) und seinen Erlebnissen in japanischer Gefangenschaft.
Allein die körperlichen Veränderungen, die der Schauspieler Jack O’Connell und seine hervorragenden Kollegen durchmachen, sind bemerkenswert. Von einem durchtrainierten Läufer und Soldaten, zu einem abgemagerten Schiffbrüchigen, der sich wieder etwas erholt und schließlich zu einem ausgezehrten Kriegsgefangenen verkommt, werden alle Facetten geboten. Mich würde sehr ein Making-of interessieren. Sind die Szenen in der Reihenfolge der körperlichen Veränderungen gedreht worden? Wahrscheinlich nicht. Wurde digital nachgeholfen?
Der Kampf um Leben und Tod auf hoher See ist fantastisch dargestellt. Mit den Bildern, die der Kameramann Roger Deakins liefert, hat man als Zuschauer tatsächlich das Gefühl, mit auf dem Rettungsboot zu sitzen und nichts als das weite Meer vor sich zu haben. Da freut man sich dann mit den drei Soldaten, als sie mit bloßen Händen (!) einen Hai aus dem Meer fischen und endlich etwas zu essen bekommen.
Nachdem dann letztlich zwei (Louis und Phil) von ihnen gerettet werden, gibt es noch kurz einen letzten heiteren Satz von Phil, bevor der Film zu einem beinharten Drama wird, welches wenige Aussichten auf ein gutes Ende bietet. Die Folter, die Louis (er wird hier gänzlich zur zentralen Figur) erleidet, ist unbeschreiblich grausam. Mit jeder Minute die vergeht bekommt man mehr Hass auf die Übeltäter und die Kriegsverbrechen, die sie an ihren Gefangenen verüben. Die tragischste Szene war für mich, als der psychopathische und völlig verrückte Lager-Leiter Watanabe, der einen unverständlichen Hass auf Louis hat, alle Gefangenen dazu zwingt, einzeln Louis mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Die Zeit, die vergeht, bis alle durch sind, scheint endlos, und die untergehende Sonne macht deutlich, wie lange das Prozedere tatsächlich dauert. Schließlich müssen drei japanische Soldaten den Geschlagenen halten und seinen Kopf stützen, da er einfach nicht mehr kann. Allein der Gedanke an diese Szene erhöht wieder meinen Puls, macht mich betroffen.
Dieser Film hat mir wieder deutlich gemacht, dass es wichtig ist, unsere Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern aus ihr zu lernen und die Fehler nicht zu wiederholen. Wir Menschen haben es leider zu einer Kunst werden lassen, sogenannte Feinde und Gegner zu demütigen, foltern, hinrichten. Warum?
Am meisten überraschte mich das Ende des Films, dass das Leben von Louis Zamperini, der im Jahr 2014 im Alter von 97 Jahren gestorben ist, nach der Befreiung durch beschreibende Texte, echte Foto- und Videoaufnahmen darstellt. Seine Charakterstärke und Persönlichkeit sind inspirierend und bewegend.