Eigentlich wollte ich schon vor ein paar Wochen über dieses Thema schreiben, aber der Gravitas, mit dem ich es besprechen wollte, hat mich einfach zu sehr abgeschreckt. Ich habe mir selbst eingeredet, dass das Thema oder genauer gesagt, das Bild, über das ich sprechen möchte, den besten Text verdient hat. Das führt wiederum zu sehr hohen Erwartungen an sich selbst, die man natürlich niemals einlösen kann. Je länger man schließlich noch wartet, um das Thema endlich anzugehen, desto höher werden die Erwartungen und der Druck. Deshalb dachte ich mir, einfach mal mit dem Schreiben anzufangen. Bisher war das doch auch keine so schlechte Strategie.
Worum soll es also gehen? Um das berühmte Bild von Voyager-1, welches aus einer unvorstellbaren Entfernung von 6 Milliarden Kilometern entstanden ist. Ich hatte es mit Sicherheit schon einmal gesehen, aber irgendwie wieder vergessen. Bis es mir bei einem Video des fantastischen YouTube-Kanals Veritasium wieder begegnet ist. Dabei handelt es sich um einen tollen Kanal, der wissenschaftliche Themen und alltägliche Phänomene anschaulich und unterhaltsam erklärt.
Bei dem Video ging es um die Dimensionen des Universums. Wissen Menschen, wie unfassbar groß es ist? Wie viele Galaxien gibt es? Wie viele Planeten? Wie ordnet man Monde, Planeten, Sterne und so weiter, der Größe nach? Wenn man sich nicht gerade mit dem Thema Astronomie auseinandersetzt, liegen die Schätzungen teilweise ganz schön daneben. Es ist dann immer wieder schön, die Reaktionen zu sehen, wenn sie gesagt bekommen, dass es allein in der Milchstraße etwa 200 Milliarden Sterne und 50 Milliarden Planeten gibt. Wenn man dann berücksichtigt, dass wir gerade einmal 100 Milliarden Galaxien beobachten können, es aber noch mehr außerhalb dieses beobachtbaren Bereichs geben kann, verliert man schnell jedwede Relationen.
Aber zurück zu dem, worüber ich eigentlich schreiben will: das Bild, welches die Voyager-1 Sonde im Jahr 1990 gemacht hat. Wobei es nicht schadet, die Dimensionen des Universums im Hinterkopf zu behalten. Denn das Bild zeigt auf beeindruckende Weise, wie klein und zerbrechlich die Erde ist. Es zeigt aber auch, dass die Erde etwas Besonderes ist, das wir schützen müssen. Oft wird über andere Planeten, wie den Mars, Terraforming, Raumbasen und dergleichen philosophiert, aber außerhalb der Science-Fiction sind das noch lange keine Alternativen, die wir in Erwägung ziehen könnten. Wir müssen auf unser zu Hause aufpassen und darauf achtgeben.
Wir leben alle auf diesem kleinen, zerbrechlichen Planeten und sollten gemeinsam daran arbeiten, diesen zu schützen. Alles, worüber man sich streiten kann, von Religion, über Weltanschauungen, Nationen und Lebensstilen verblasst im Angesicht dieses Bildes, wie ich finde. Denn genau das ist die Erde darauf auch: ein blasser, blauer Planet.
Es gibt auch eine überarbeitete Version, welche ich unten verlinken werde, aber ich mag das Original eigentlich am liebsten. Die bunten Sonnenstrahlen, die sich an der Linse brechen und im rechten, orangefarbenem Strahl, winzigst klein, sieht man einen hellen Punkt: die Erde. Wie Carl Sagan gesagt hat: „Look again at that dot. That’s here. That’s home. That’s us.“ („[…]wenn man es betrachtet, sieht man einen Punkt. [Dieser Punkt] ist hier. Er ist unser Zuhause. Wir sind das.“)
Ich betrachte dieses Bild sehr gerne, immer wieder. Ich habe es mir in meiner Photobibliothek gespeichert, um es jederzeit betrachten zu können. Man muss sich nur jedes Mal erneut bewusst machen und sich daran erinnern, welche technische Meisterleistung es war, dass dieses Bild überhaupt entstehen konnte. Und dass es aus 6 Milliarden Kilometern Entfernung entstanden ist. Ehrfurcht trifft es vielleicht am besten und klingt gleichzeitig wie die größte Untertreibung.
Vielleicht sollten wir alle des Öfteren dieses Bild betrachten.

Links:
- Nasa: Voyager 1’s Pale Blue Dot
- Wikipedia-Artikel: Pale Blue Dot
- YouTube-Kanal: Veritasium
- SWR: Wie viele Galaxien gibt es?