Altersgerechte Publikationen

Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass ich dieses Jahr vermehrt Star Wars Bücher lesen möchte. Nicht nur Publikationen, die sich mit den Geschehnissen zur Zeit der Skywalker-Saga auseinandersetzen oder auch die nun als Legends deklarierten Bücher, die vor der Übernahme von Lucasfilm durch Disney veröffentlicht wurden. Ich möchte mich eher auf die sogenannte Hohe-Republik-Ära konzentrieren. Eine Initiative, die seit ein paar Jahren regelmäßig neue Bücher veröffentlicht. Diese findet 200 Jahre vor der Skywalker-Saga statt und die ersten Bücher sind schon mal sehr vielversprechend.

Aber heute möchte ich nicht speziell über eines der Bücher reden, sondern über die Art und Weise, wie diese Bücher einer speziellen Zielgruppe zugeordnet werden und was eigentlich der Unterschied ist. Zwar hatte ich mir vorgenommen, nicht alles zu lesen, aber bei einem größeren Online-Händler für gebrauchte Bücher habe ich einen Sale genutzt und mir fast alle Bücher der ersten Phase besorgt – den Rest finde ich auch noch.

Jedenfalls gibt es im Englischen die Unterscheidung zwischen den folgenden Altersgruppen, wenn es um Bücher geht. Zumindest sind diese bei den Star Wars Büchern angegeben. Die Alterseinstufungen der beiden mittleren Kategorien habe ich mir dann separat herausgesucht, der Rest ergibt sich daraus:

  • children
  • middle grade (8 bis 12 Jahre)
  • young adult (12 bis 18 Jahre)
  • adult

Bei den middle grade und Kinderbüchern haben mich nicht nur die Geschichten interessiert, die erzählt werden, sondern tatsächlich auch, wie unterschiedlich die Sprache sein wird. Welche Charaktere werden eingeführt oder tauchen hier auf? Wie ist die Herangehensweise an die Geschichte und wie ist sie aufgebaut? Dass ich ein „Completionist“ bis, wie man im Englischen so schön sagt, also jemand, der gerne alles von etwas mitbekommt und nur selten etwas auslassen kann, spielt natürlich ebenfalls eine Rolle. Das ist etwas, was ich mir bei meiner Auseinandersetzung mit Comics angeeignet habe.

Zu den als adult und young adult Büchern muss ich, glaube ich, nicht viel sagen. Diese kennt man zur Genüge und begegnet man ja durchaus des Öfteren. Viele Verfilmungen, wie die Hunger Games oder Maze Runner bzw. Serie wie Heartstopper basieren auf Bücher und Comics der young adult Kategorie.

Das erste middle grade Buch, welches ich von Star Wars las, war Die Bewährungsprobe. Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich auf die Geschichte habe einlassen können, aber es war durchaus unterhaltend, gut geschrieben und hatte spannende Charaktere. Es ist mir so vorgekommen, als das den geneigten Leser*innen mehr direkt gesagt wird, wie sich die Charaktere gerade fühlen, was sie durchmachen. Außerdem sind die middle grade Bücher deutlich kürzer als die der (young) adult Kategorien.

Worauf ich wirklich neugierig war, war tatsächlich das erste Kinderbuch der Reihe: The Great Jedi Rescue. Dieses kleine, etwa 24 Seiten umfassende Heft habe ich mir auf Amazon bestellen müssen, da ich es sonst nirgends gefunden habe. Die anderen Bücher lese ich in der deutschen Übersetzung; dieses scheint es nur in englischer Sprache zu geben. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, aber vielleicht eine kleine Geschichte, fokussiert auf wenige Charaktere, mit einer offensichtlicheren Lektion oder Erkenntnis, die diese Charaktere am Ende haben. Eine süße, kleine Geschichte eben.

Was es dann tatsächlich war, hat mich durchaus überrascht. Denn anstatt eine originelle Geschichte zu erzählen, wurden die Ereignisse des ersten Buches, Das Licht der Jedi, stark verkürzt, zusammengefasst. Da jede Seite nur etwa zu einem Drittel (eventuell bis zur Hälfte) mit Text gefüllt und der Rest mit durchaus tollen Zeichnungen versehen ist, bleibt am Ende nicht viel Raum, um die Geschichte zu erzählen.

Ich traue Kindern durchaus viel zu, vor allem wenn ihre Eltern sie quasi mit Star Wars von der Wiege auf erziehen, aber das hier gebotene ist schon überfordernd. Gleich auf den ersten beiden Seiten geht es um die Hyperraum-Katastrophe, die der Auftakt zu dieser Die-Hohe-Republik-Initiative war. Es geht um komplexe Rettungsmanöver im Weltraum. Piraten tauchen auf, nur um eine Seite später (also maximal 10 Sätze) schon wieder besiegt zu sein. Es geht um einen Container, der mit Treibstoff gefüllt ist und mit Hilfe der Macht daran gehindert wird, ein komplettes Sonnensystem zu zerstören. Es passiert wirklich sehr sehr viel.

Aber so ist es eben, wenn man ein knapp 500 Seiten umfassendes Buch versucht auf 24 Seiten zusammen zu stampfen. Es werden eine Unmenge an Charakteren eingeführt, die teilweise nach einer Seite nicht wieder auftauchen. Natürlich wird auch viel ausgelassen und nicht erwähnt, einfach weil kein Platz ist. Ich finde es schade und eine verpasste Chance, dass man hier keine originelle Geschichte erzählt. Man hätte beispielsweise den Padawan und Wookiee Burryaga als Hauptcharakter nehmen können und von einer Lektion erzählen, die er mit seiner Meisterin erlebt hat. So viele tolle Möglichkeiten, um eventuell zu zeigen, was sich vor der Katastrophe im Hetzal-System ereignet hat.

Es gibt in der ersten Phase von Die hohe Republik noch zwei weitere Kinderbücher, die ich bereits bei mir habe, aber hohe Erwartungen habe ich daran wirklich nicht. Schade, das einzige Gute an dem Buch sind tatsächlich die Zeichnungen und die Sticker. Da kann ich stattdessen das middle grade Buch empfehlen. Die Bewährungsprobe fokussiert sich auf eine einfachere Geschichte, wenige Charaktere, zwei bis drei größere Handlungsorte und nutzt diese „Limitierung“ hervorragend aus. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte und jede*r Leser*in sollte eine oder zwei Identifikationsfiguren in dem Buch finden, was ja besonders wichtig ist, wie ich finde. The Great Jedi Rescue schafft leider nichts davon.