Für unseren allwöchentlichen Ausflug in die Vergangenheit habe ich mir einen Artikel herausgesucht, der an den Captain America: Civil War Artikel von letzter Woche anschließt.
Ich habe an dieser Stelle schon öfter darüber geschrieben, dass Spider-Man zu meinen Lieblingscharakteren gehört und ich des Öfteren Leseprojekte gestartet habe, wo ich mir seine Comics vornahm. So war der erste offizielle Auftritt von Spider-Man im MCU auch damals ein Auslöser für ein solches Projekt.
Die nächsten Wochen werden wir wahrscheinlich ebenfalls beim Thema Spider-Man bleiben. Es sind einfach faszinierende Geschichten, und Back in Black gehört sicherlich zu einer der besten. Ich finde es immer noch schade, dass Marvel diese Seite von Peter Parker nicht länger verfolgt hat. Es wäre etwas komplett anderes gewesen – eine Charakterstudie, die sich gelohnt hätte.
Beim Lesen der alten Artikel merke ich bereits, dass es mich erneut in den Fingern juckt, mich in die Comics von Peter Parker zu stürzen. Aber erst einmal habe ich noch ein paar Bücher vor mir. Es läuft ja nichts davon. Manchmal muss man auch soweit sein und die Vorfreude auf etwas genießen können.
Wie dem auch sei. Kommen wir zur Rezension, die ich am 03.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.
- Ausgaben: #539-543
- Autor: J. Michael Straczynski
- Künstler: Ron Garney, Bill Reinhold, Matt Milla
“You forgot something, Fisk. […] At the end of the day, you’re just a fat man with an attitude…a balloon just waiting for someone to stick a needle in it. And me? I’m the needle.” – Peter Parker
Auch wenn man ein großer Fan von etwas ist, benötigt man doch bisweilen einen kleinen Anstoß, um sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für mich war dieser Anstoß, was Spider-Man betrifft, Captain America: Civil War. Die Darstellung des Wandkrabblers, meines absoluten Lieblings-Comic-Charakters durch Tom Holland im neuesten Marvel-Film ist derart erstaunlich und entspricht so sehr seinem Pendant in den Comics, dass ich mich natürlich gleich daran machen musste, ein paar Abenteuer nachzulesen.
Doch wo fängt man in der 60-jährigen Geschichte an? Dazu habe ich zwei Anhaltspunkte gewählt:
Das Erste war relativ simpel. Dank Marvel-Unlimited, was ich an dieser Stelle nur empfehlen kann, hat man Zugriff auf beinahe alle Comics, die Marvel jemals veröffentlicht hat, und da habe ich einfach mal „Amazing Spider-Man (1999-2013)“ gewählt. Zufälligerweise fällt in diesen Zeitraum das ursprüngliche Civil War Event. Also ein perfekter Einstieg in die Comics. Allerdings muss man wissen, dass das Event hier etwas anders abläuft als im Film. Im Film von Captain America ist die Prämisse, dass die Avengers von einem Komitee geleitet werden sollen, das von 117 Regierungen der Welt zusammengestellt wurde. Wer sich diesem Komitee nicht beugt oder auf eigene Faust handelt, wird als Verbrecher gebrandmarkt und eingesperrt. Im Comic-Event Civil War geht es um eine ebenfalls von Tony Stark unterstützte Superhelden-Registrierungskampagne, die dazu aufruft, dass sich alle Superhelden dort eintragen lassen und ihre Identität preisgeben. Zwei ähnliche, aber doch sehr unterschiedliche Szenarien, die zum Zerfall der Avengers und damit zum Konflikt zwischen Iron-Man und Captain America führen.
Was ist nun also die Ausgangslage für Spider-Man? Peter Parker hat sich dazu überreden lassen, seine Identität preiszugeben. Etwas, das er so noch nie getan hat und selbst manche seiner besten Kamerad*innen wissen über seine wahre Identität nicht Bescheid. Da er sich natürlich viele Feinde im Laufe der Zeit gemacht hat, ergreift niemand Geringerer als Wilson Fisk aka Kingpin die Gelegenheit und lässt ein Attentat auf ihn verüben. Dieses läuft allerdings schief und Tante May wird tödlich getroffen und landet nicht nur im Krankenhaus, sondern fällt auch noch in ein Koma. Dies führt dazu, dass Peter nicht sein klassisches Kostüm anzieht, sondern das Schwarze, und sich aufmacht, den Drahtzieher hinter der Tat ausfindig zu machen und ein Exempel zu statuieren.
Was an der Geschichte so sehr fasziniert, sind nicht nur die Beweggründe, die dazu führen, dass Peter das schwarze Kostüm anzieht, sondern was es repräsentiert. Denn dieser Spider-Man scheint keine Grenzen zu haben. Für ihn gilt zwar auch der berühmte Ausspruch „with great power there must also come great responsibility“, doch unter dieser anderen Identität kann er sich dazu entschließen, die Verantwortung abzulegen und Rache für seine Tante zu nehmen. Es werden oft Situationen in der Geschichte gezeigt, die ermöglichen, dass er seine Regeln ad acta legt. Und man ist sich während der Lektüre nie 100 % sicher, ob er jetzt töten wird oder nicht.
Die fantastischen Dialoge, verbunden mit den grandiosen Zeichnungen, legen eine neue Seite von Peter offen und stellen seinen Zwiespalt, zwischen der Unterstützung von MJ bei der Versorgung seiner Tante im Krankenhaus und der Rache an Fisk, wunderbar dar. Auch der finale Schlagabtausch im Gefängnis ist sehr symbolisch gestaltet. Er sagt es Fisk auch direkt, dass er ihn nicht nur in seiner Persona Spider-Man besiegen möchte, sondern als Peter Parker.
Es ist schon erstaunlich, dass der Kingpin, ein Mann, dessen unfassbare körperlichen Ausmaße und Muskeln, keine Chance hat, wenn Peter seine gesamte Kraft und Agilität gegen ihn einsetzt. Es ist ein ungleicher Kampf, der mir erstmals einen Kingpin vor Augen führt, der verliert, und zwar nicht nur diesen einen Kampf, sondern seinen Respekt und die Furcht der anderen Insassen. Dies ist wohl dasjenige, das für ihn am wertvollsten ist, und das weiß Peter auch. In seinem nachfolgenden Monolog, den blutenden, gebrochenen Fisk zu seinen Füßen, macht er dann deutlich, dass es besser ist, sich nicht mit seiner Familie anzulegen. Die Kraft, die hinter diesen Bildern und Worten steckt, ist epochal und mitreißend.
„Back in Black“ mag jetzt zwar nicht gerade die typische Spider-Man-Geschichte sein, da man keinen Helden erlebt, der viel redet, Witze reißt oder sonstige typische Handlungen vollführt. Stattdessen bekommt man eine Geschichte geliefert, die mal eine ganz andere Seite zeigt. Eine verletzliche, rächende Seite, die sich trotzdem noch unter Kontrolle hat. Hier wird mir einmal mehr vor Augen geführt, warum Spider-Man zu den besten Comic-Charakteren der Geschichte zählt.