Schlafenszeit

Wir schlafen, im Idealfall, ein Drittel unseres Lebens. Acht Stunden pro Tag. Da erstaunt es mich immer wieder, wie kurz man sich für Entscheidungen Zeit lässt, mit denen man buchstäblich Hunderte Stunden verbringen muss. Im Dezember habe ich beschlossen, dass ich endlich einen neuen Topper für mein Bett besorge. Der alte ist schon etwas in die Jahre gekommen und hat seinen Dienst getan. Er ist durchgelegen, zu weich, und mittlerweile am Ende angelangt.

Eine zweite Sache, die mich in Bezug auf unseren Schlaf und die damit einhergehende Auseinandersetzung immer wieder überrascht, ist das hinauszögern. Vielleicht schließe ich aber an dieser Stelle auch nur von mir auf andere. Jedenfalls habe ich es mit dem neuen Topper quasi so lange hinausgezögert, bis es wirklich kaum mehr ging. Ich wusste schon, dass es so oder so viel Geld sein wird. Die besseren, mit Thermo-irgendwas, Memory-Magie und einer Prise Feenstaub kosten nun mal etwas mehr. Nicht, dass ich das ganze Palaver darum nicht glauben würde, aber teilweise hat es schon so ein bisschen was Esoterisches an sich.

Jeder wirbt mit den noch besseren „Technologien“, die den Schlaf noch angenehmer und erholsamer machen sollen. Wie Wolken schwebt man dem Land der Träume entgegen. Aber egal, wie gut die Ausstattung des Bettes auch ist, um halb sechs Uhr morgens reißt einen doch der Wecker in die Realität zurück. Ich kann zum einen gut verstehen und nachvollziehen, warum man sich so viele Gedanken über Schlaf macht, um diesen besser zu machen, zu messen, tracken und Statistiken zu erheben. Aber die Menschheit hat tausende Jahre ohne Memoryschaumgedöns überlebt. Es gibt ganz andere Dinge, die unser Untergang sein könnten, als eine nicht vorhandene Wärmeableitfunktion. Allerdings, wenn die Möglichkeit besteht, etwas besser zu machen und vorwärtszuschreiten, warum nicht? Und guter Schlaf ist nunmal sehr viel wert und nicht zu unterschätzen.

Jedenfalls benötige ich einen neuen Topper und fuhr zum großen Möbelhaus mit dem roten Stuhl und ab ging es in die Bettenabteilung. Ich wollte extra einen etwas festeren, da das auch besser sein dürfte für meinen unteren Rücken, der aufgrund einer leichten Wirbel-Fehlstellung etwas Probleme bereiten kann. Die Auswahl beschränkte sich auf genau: einen. Kurz hingelegt, gefühlt und getestet, es für gut befunden und gekauft. Wenn es hochkommt, dauerte das Prozedere 15 Minuten. Nebenbei ging noch ein teurer, etwa sternförmiges Kopfkissen mit, das sich vor Ort hervorragend anfühlte – die Form sollte helfen, besser auf der Seite schlafen zu können.

Das Kopfkissen habe ich nach zwei gescheiterten Versuchen wieder durch mein altes, bewährtes ersetzt. Manche Neuerungen muss man dann auch nicht mitmachen. Und was den Topper angeht? Dann konnte ich nun, 10 Wochen später, endlich abholen. Der alte kommt erstmal in den Keller, vielleicht kann er noch für ein eventuelles Gästebett dienen. Den neuen auf das Bett geworfen, frisch bezogen und so hoffte ich, dass die erste Nacht damit eine erholsame werden würde. Es dauert ja immer etwas, bis man sich an etwas Neues gewöhnt; das gilt wahrscheinlich verstärkt für Matratzen und Ähnliches, mit dem wir so viel Zeit unseres Lebens verbringen.

Die erste Nacht war dann tatsächlich durchaus erholsam. Nur auf der Seite schlafen ist nicht mehr wirklich drin, da durch die Festigkeit des Toppers die Schultern nicht mehr einsinken. Also vielleicht doch damals mitgekauften, überteuerten Polster nochmal versuchen. Oder vermehrt auf dem Rücken schlafen, was wahrscheinlich die bessere Variante sein dürfte. Es muss also noch so manchen getestet werden. Aber es gibt schlimmeres, als im Bett zu liegen und zu testen, wie man den Schlaf verbessern und erholsamer gestalten kann.