Das erste Mal ist entscheidend

… aber vielleicht nicht prägend. Oder es sollte es zumindest nicht sein. Aber alles der Reihe nach. 2021 kam die erste Dune-Verfilmung von Denis Villeneuve in die Kinos. Dieser erste Teil sollte in etwa die erste Hälfte des ersten Buches von Frank Herberts Dune-Saga abbilden. Der zweite Teil davon folgt Ende des Monats. Und da ich gerade in einem wahrlichen Lesefieber bin, schnappte ich mir Dune – Der Wüstenplanet aus dem Bücherregal und will es dieses Mal zu Ende lesen.

Bereits 2021, also vor drei Jahren, habe ich mir dieses Ziel gesetzt, nachdem mich der Film mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle von den Socken gerissen hatte. Ich mag es, wenn Filme auf Atmosphäre aus sind und eine Welt kreieren können, ohne groß auf endlose Erklärungen und Beschreibungen zu setzen. Man darf den Zuschauer*innen durchaus etwas zutrauen. Es macht dann umso mehr Freude, den Film öfter anzuschauen, da man immer wieder Kleinigkeiten entdeckt, die die Welt ein bisschen erweitern. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten steht sowieso außer Frage, dazu die stimmungsvollen Bilder, der einzigartige Soundtrack. Ich war damals sehr angetan von diesem Film und der Welt, in die er einführte.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Film seit den zwei Kinobesuchen damals nicht wieder gesehen habe. Dazwischen stand immer das Vorhaben, erst das Buch zu lesen, um noch mehr Kontext und Wissen rund um diese faszinierende Welt zu haben. Was hat mich also vor drei Jahren davon abgehalten, das Buch zu lesen?

Dazu muss man wissen, dass ich mich gerne Hals über Kopf in etwas hinein stürze, wenn ich für etwas eine gewisse Leidenschaft entwickle und für ein Thema brenne. Also habe ich mir für meine erste Lektüre von Dune – Der Wüstenplanet einen Podcast herausgesucht, der mich auf meiner Reise begleiten sollte. Meine Wahl fiel auf Spice World, der zufälligerweise erst ein Jahr davor gestartet ist. Darin lesen die beiden sympathischen Gastgeber pro Folge ein Kapitel des Buches und unterhalten sich darüber. Der Twist daran, wenn man so will, ist, dass einer der beiden ein Dune-Connaisseur ist und der andere ein totaler Dune-Noob. Zweiterer nahm also genau meine Rolle ein – perfekt.

Doch für ein erstes Erlebnis war es mir dann doch irgendwann (nach 7 Kapiteln, um genau zu sein) zu anstrengend, nach jedem Kapitel 1 bis 3 Stunden Podcast zu hören. Versteht mich nicht falsch, die Infos, die man durch den Podcast erfährt, die Kontexte, Hintergründe, Verwandtschaftsbeziehungen und mehr sind nicht nur spannend, sondern helfen beim Verständnis des Buches. Außerdem hat man dadurch nur noch mehr Respekt und Anerkennung Frank Herbert gegenüber, für die Erschaffung einer solch komplexen, reichhaltigen Welt. Aber für ein erstes Erlebnis war es mir eben zu viel.

Also ist mein jetziges Vorhaben wohl etwas besser. Ich lese das Buch erst einmal für mich und höre danach wieder in den Podcast hinein. Erstens muss ich mir so keine Sorgen um Spoiler machen, obwohl das Buch selbst schon einiges vorwegnimmt. Immerhin ist es ja eher wie ein Geschichtsbuch strukturiert, wenn man so will. Vor allem, wenn man die Passagen am Anfang eines jeden Kapitels betrachtet. Zweitens kann ich den Podcast irgendwann hören und „muss“ nicht erst ein Kapitel davor lesen oder mich durch die Stunden an Audiomaterial „quälen“, bevor ich weiterlesen kann.

Hätte ich alles natürlich schon vorher machen können, aber wie gesagt, wenn ich für etwas brenne, dann will ich mich so tief in das Thema eingraben wie möglich. Und manchmal lande ich dabei in einem Loch oder sitze vor einem Haufen, der mir zu überwältigend erscheint. Es zerbricht nach einem anfänglichen Hoch die Leidenschaft, wie die hier verwendete Metapher.

Jedenfalls fällt es mir aktuell schwer, das Buch wegzulegen und pflüge gleichsam durch die Kapitel. Die Kapitel-langen Dialoge sind so pointiert geschrieben, wie ich es selten erlebt habe. Von jedem Charakter erfährt man, was sie denken, wie sie Situationen einschätzen und welche Motive sie antreiben. Alles ist natürlich immer mit einer Prise Skepsis zu betrachten und im Kontext der Kapitel-einführenden Passagen zu sehen. Ein wunderbares Erlebnis und dieses Mal mache ich es auch richtig – oder zumindest für mich richtig und nachhaltig.