Kino im Kopf

Ein Grund, warum ich keine synchronisierten Filme und Serien mehr schauen kann, sind leider die deutschsprachigen Synchronsprecher*innen. Vor allem in den vergangenen Jahren ging der Trend dahin, gerade bekannte YouTuber und TikToker oder andersgeartete Influencer*innen zu verwenden. Meist geschieht dies aus dem einfachen Grund heraus, dass sich diese gut im Marketing einsetzen lassen – wäre zumindest eine starke Vermutung meinerseits. Ungünstigerweise sind die wenigsten davon aber tatsächlich in der Lage, vor einem Mikrofon einen ordentlichen Job bei der Synchronisation zu machen. Es ist nun mal etwas anderes »Content« für Social Media und Co. zu machen, als eine filmisch dargestellte Szene mit Leben zu füllen.

Hinzu kommt, dass die Übersetzungen zuweilen krude Formulierungen zutage fördern. Es wird zu sehr darauf geachtet, dass die Lippenbewegungen exakt passen, was das ganze Unterfangen von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Wie wichtig es ist, dass die Personen hinter dem Mikrofon in der Lage sein müssen, den richtigen Ton für die Charaktere und Atmosphäre zu finden, merkt man besonders gut bei Hörbüchern. Früher habe ich zusätzlich zu Podcasts gerne Hörbücher gehört. So habe ich mich durch viele Stephen King Bücher gearbeitet und so manche Schmankerl entdeckt. Zum Beispiel Andreas Eschbachs »Eine Billion Dollar«. Doch schnell sucht man sich die Bücher nicht mehr nur nach den Autor*innen aus, sondern nach denjenigen, die Vorlesen. Zumindest ging es mir so. David Nathan beispielsweise wird mir immer in Erinnerung bleiben. Die Inbrunst, mit der er die Bücher liest und die Fähigkeit, diese Welten zum Leben zu erwecken, ist einmalig. Seine Leistungen bei »Es« oder »The Standing« waren phänomenal. Wer mich am meisten überrascht hat, ist der leider viel zu früh verstorbene Dirk Bach. Er hat unter anderem einige Bücher von Walter Moers vertont. Die Stadt der träumenden Bücher war meine erste Begegnung sowohl mit Moers als auch mit Bach als Sprecher und beide haben mich nachhaltig beeindruckt.

Ein anderes Beispiel wäre Critical Role, von dem ich bereits berichtet habe (Formen der Unterhaltung). Darin spielen amerikanische Synchronsprecher*innen Dungeons & Dragons. Man sieht ihnen quasi dabei zu, wie sie um einen Tisch herum sitzen und Pen&Paper-Rollenspiele spielen. Klingt vielleicht langweilig, aber auch hier zeigt sich, dass professionelle Sprecher*innen das Um und Auf sind, wenn es darum geht, in den Köpfen der Zuhörer*innen lebendige Charaktere zu erschaffen. Gleiches gilt natürlich ebenso für Schauspieler*innen, die wir in Filmen und Serien bewundern. Es geht etwas verloren, wenn man die synchronisierte Fassung schaut. (Ausnahmen wie die Bud Spencer Filme bestätigen hier die Regel.)

Besonders in Zeiten, in denen man alles streamen kann, ist es besonders einfach immer die Originalfassung zu schauen und sich dann entsprechend die Untertitel einzublenden. Seien es deutsche oder englische Untertitel. Bei Englischen kann man nebenbei sogar noch das Hörverständnis verbessern.

Aber wie ich eigentlich darauf gekommen bin, mal wieder über das Thema nachzudenken und zu Schreiben, ist tatsächlich Warhammer. Genauer gesagt, der Fantasy-Ableger davon: Age of Sigmar. In den Werbeclips für neue Figuren setzen sie seit ein paar Monaten eine neue Sprecherin ein (ich glaube zumindest, dass sie neu ist, aber zuvor ist sie mir noch nicht aufgefallen). Der irische oder schottische Akzent, ich bin mir offen gestanden nicht sicher, welcher es ist, verbunden mit der Leidenschaft und den Nuancen, mit denen sie die Geschichten hinter den Charakteren vorträgt, ist immer wieder faszinierend anzuschauen. Sie schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen.

Gute Synchronsprecher*innen sollten mehr Platz im Rampenlicht bekommen. Vielleicht kann man es am besten mit Filmmusik vergleichen. Wenn sie gut ist, bemerkt man sie meist gar nicht. Sie wird Teil des Erlebnisses. Nur wenn sie so gar nicht passt, drängt sie sich gleichsam in den Vordergrund. Genauso ist es bei den Sprecher*innen. Deshalb sollte man diese vielleicht unterschätzte Form des Schauspiels mehr feiern.