Das Buch zum Film

Auf Büchern finden sich immer wieder interessante Aufkleber. Von denen, die verkünden, dass es eine dazu passende Serie auf einem Streaming-Anbieter gibt, dass es bald im Kino zu sehen sein wird, oder aber eine passende Lektüre für Filmfans sei. Und es mag vereinzelt durchaus so sein, dass Bücher auf Basis eines Films geschrieben werden, doch eigentlich ist die Reihenfolge andersherum. Und wenn schon ein Buch verfilmt wird, vor allem wenn es sich um ein erfolgreiches geht, ist immer wieder die Frage, was man zuerst konsumieren sollte.

In den meisten Fällen dürfte es eigentlich egal sein. Idealerweise gleichen sich die Charaktere und die grundlegenden Aspekte der Geschichte in beiden Medien. Die Unterschiede sind aber meist doch erheblich. Sei es die Sichtweise, aus der erzählt oder die Tiefe, mit der über die Charaktere berichtet wird. Dadurch sollte es aus meiner Sicht eher so sein, dass sich die beiden Varianten ergänzen und jeweils die Stärke des Mediums voll ausnutzen. Natürlich sollte man sich an die Vorlage halten, den Motiven der Autor*innen treu bleiben und nicht eine eigene Interpretation der Charaktere wiedergeben. Dabei kann man sicherlich Aspekte modernisieren, wenn die Werke bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, aber weicht man zu sehr vom Ursprung ab, wird es schnell zu Fan-Fiction als zu einer echten Verfilmung.

Wie ich bereits berichtet habe, ging ich bei Dune erst den Weg über die Verfilmung (Das erste Mal ist entscheidend). Ich hatte mich beim Buch etwas verzettelt und parallel dazu einen Podcast gehört, der die Hintergründe erzählt. Beides war etwas viel für den Anfang. Also sah ich zuerst den Film vor drei Jahren, als dieser ins Kino kam, nachgeholt. Nun habe ich im Februar das Buch nachgeholt. Auch wenn sich meine Meinung zum Film geändert hat oder besser gesagt ich diese leicht relativieren muss, finde ich immer noch, dass Dune ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wenn sich beide Medien ergänzen.

Zwar hatte ich den Film seit dem Kino nicht mehr gesehen, trotzdem hatte ich immer wieder die darin vorkommenden Schauspieler*innen bei der Lektüre im Kopf. Zum Teil habe ich die Szenen deutlich vor mir gesehen und konnte so die ausufernden, komplexen Dialoge umso mehr genießen. Immerhin ging ich davon aus, diese ja im Film nochmal erleben zu dürfen. Natürlich nicht in der Breite, aber ich war gespannt auf die Umsetzung im Film, da ich mich nicht mehr zu hundert Prozent erinnern konnte, was alles darin vorkam. Als ich schließlich nach der Lektüre den Film auf Apple TV ausgeliehen und angesehen hatte, war ich direkt enttäuscht, als Schlüsselszenen fehlten. Oder zumindest Szenen, von denen ich felsenfest davon ausging, dass sie im Film sind und für die Handlung relevant.

Zugegeben, ich habe mich schon sehr in das erste Buch hinein gesteigert und es in nicht einmal einer Woche verschlungen. Ich habe zuvor schon des Öfteren darüber geschwärmt (u. a. hier: Nachvollziehbare Charakterentwicklung). Es war nur überraschend zu sehen, welch ein falsches Bild ich vom Film hatte. Nicht, dass ich ihn nun für schlecht empfinden würde – auf keinen Fall. Die visuelle Umsetzung der Welt fasziniert mich weiterhin. Das Design, der Sound und die Schauspieler*innen vermitteln einen fantastischen Eindruck vom Dune-Universum.

Aber durch die komplexen Wesenszüge und Gedankenprozesse der Charaktere und deren detailliert ausgearbeiteten Schlussfolgerungen machen es schwer, dies der Vorlage getreu in einem Film darzustellen. Dazu kommt ein Magie-System (wenn man es überhaupt so bezeichnen kann), das sehr subtil arbeitet und funktioniert. Dieses wird ebenfalls meist in den inneren Monologen der Charaktere erarbeitet, als von einem Erzähler geradeheraus erläutert. Das macht Dune so faszinierend, aber eben schwierig als Film umzusetzen. Trotzdem kann ich beides nur wärmstens empfehlen. Vor allem in Kombination funktionieren sie super. Die Reihenfolge, ob zuerst Buch oder Film, ist dabei nicht so wichtig.