Wie man sich einen Wurm angelt – Dune Part Two

Am Mittwoch dieser Woche war ich seit gut eineinhalb Jahren das erste Mal wieder im Kino. Dune Part 2 hat es einfach verdient, auf einer riesigen Leinwand mit dem besten Soundsystem geschaut zu werden. Außerdem musste die Vorstellung natürlich im englischen Original laufen. Also fand ich mich am frühen Mittwochabend im Dolby Cinema Saal des Cineplexx Airport Kinos in Salzburg wieder.

Zwar hatte ich den ersten Teil vor nicht allzu langer Zeit geschaut, trotzdem wurde ich von dem dröhnenden Sardaukar-Intro überrascht. Dieses kurze, tiefe Brummen einer Stimme versetzt die Zuschauer*innen direkt in diese Welt. Denis Villeneuves Filme leben oft von ihrem Sound, genauso wie von ihren Bildern. Beides brilliert in diesem zweiten Teil. Normalerweise würde man ja davon ausgehen, dass ein zweiter Teil etwas nachlässt, die Magie des Vorgängers nicht mehr so richtig einfangen kann, da alles schon bekannt ist. Nicht so bei Dune.

Es finden sich immer wieder neue Einstellungen und konträre Szenen zu dem, was auf Arrakis passiert. Seien es die Szenen mit Imperator oder die Szenen auf dem Heimatplaneten der Harkonnen. Besonders die Bilder von Letzterem haben es mir angetan. Es wirkt noch einmal eine Abstraktionsstufe fremder, brutaler und gnadenloser, als es Arrakis je sein könnte. Arrakis gilt es zu verstehen, die Herangehensweisen, Methoden und Strategien der Fremen anzuwenden, sie zu verinnerlichen und respektieren. Dann hat man auf dem Planeten eine Chance, kann seine scheinbar unüberwindbaren Hindernisse für sich nutzen und nicht nur überleben, sondern dort zu neuer Kraft finden.

Auf Giedi Prime, wie sich die Welt der Harkonnen nennt, gilt es nichts zu verstehen, als dass der Stärkere gewinnt – der Brutalere und Rücksichtslosere. Was außerdem zu einer beklemmenden Stimmung dieser Szenen beiträgt, ist die grelle Beleuchtung. Es ist mir vorgekommen, als dass die Szenen nicht in schwarz-weiß wären, sondern der Stern dieses Systems und die Atmosphäre des Planeten zu dieser Illusion beitragen. Die Hautfarbe der Harkonnen ist dort weißer als weiß, ihre Häuser, Gebäude und Raumausstattung erscheint schwarz in tiefstem schwarz gehalten, mit minimaler, meist indirekter Beleuchtung. Es ist erdrückend, ob der schieren, gefühllosen Leeren, die diese Welt und ihre Charaktere ausstrahlen.

Der Baron ist ein fantastischer Bösewicht und eine ständig präsente Persönlichkeit, auch wenn er nicht viel Screentime hat. Trotzdem empfinde ich es als etwas schade, dass sie einen, nennen wir es, Aspekt seines Charakters, weggelassen haben. Das hätte ihm nochmal mehr zu einem absoluten, grausamen Herrscher gemacht. Aber das darf jede*r selbst im Buch entdecken.

Sämtliche Schauspieler*innen sind hervorragend gewählt und die wiederkehrenden Rollen setzen eine tolle Charakterentwicklung fort. Besonders Timothée Chalamet und Zandaya finden neue Höhen in ihren Darstellungen. Sie brillieren nicht nur in den ruhigeren Charaktermomenten, sondern auch in den exzellent choreografierten Kampfszenen. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Schlussszene ähnlich ausgefallen wäre wie im Buch, aber ich bin trotzdem sehr gespannt, wie sie es im dritten Teil weiterführen werden.

Dune ist eine besondere Filmwelt, da sie sehr auf praktische Effekte setzt und visuelle Effekte fantastisch einzusetzen weiß. Man kann reale Szenen und die digital hinzugefügten Aspekte und Effekte praktisch nicht voneinander trennen. Nur in einer einzigen Szene dachte ich mir, dass es etwas auffälliger gewesen ist, aber das mag auch an der Wahl der Beleuchtung gelegen haben. Ansonsten würde ich den Film visuell als makellos bezeichnen. Davon können sich sämtliche andere großen Cinematic Universes etwas abschneiden. Lieber allen daran beteiligten Personen mehr Zeit einräumen, dann könnten mehr Filme so fantastisch kohärent aussehen wie Dune. Mit Liebe zum Detail gemacht, man spürt förmlich, wie viele Gedanken sich alle gemacht haben, was in den Film hinein soll und wie man dessen komplexe Welt gut darstellen kann.

Besonders überrascht hat mich, wie simpel es ihnen gelungen ist, das Magie-System (ein besserer Begriff fällt mir für die Fähigkeiten der Bene Gesserit nicht ein) visuell packend zu inszenieren. Insbesondere in Verbindung mit der noch ungeborenen Tochter von Jessica und dem Ritual mit dem Wasser des Lebens. Ohne eine wirkliche Erklärung und nur mit gut gewählten visuellen Eindrücken versteht man sofort, was gemeint ist und akzeptiert es als gegeben. Natürlich hilft die Lektüre des Buches, aber ich würde es nicht als Voraussetzung sehen, um in die Tiefen des Films vordringen zu können.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass mich dieser zweite Teil so sehr packt. Die nicht ganz drei Stunden sind nicht spürbar. Ich hätte, ohne es zu wissen, nicht sagen können, ob ich zwei Stunden oder sechs im Kino saß und wenn ich derart das Zeitgefühl verliere, empfinde ich das stets als etwas Positives. Ich hätte gerne noch mehr Zeit in dieser Welt verbracht. Dune Part Two ist ein epischer Nachfolger, der dem ersten Film um nichts nachsteht. Von den Schauspieler*innen, über das (Sound) Design und dem fantastischen Soundtrack von Hans Zimmer haben alle Teile ineinander gegriffen, um ein episches Erlebnis zu schaffen.