Die Sache mit Fortsetzungen – The Alpha’s Son

Fortsetzungen von erfolgreichen und/oder gut gemachten ersten Büchern zu schreiben, scheint eine wirklich schwierige Kunst zu sein. Zumindest, wenn sie von denselben Autor*innen geschrieben sind. Der Herr des Wüstenplaneten war stilistisch ein Bruch zum ersten Teil und ich kam nicht so recht in die Geschichte und die Charaktere. Husband Material war vom Aufbau der Geschichte sehr anstrengend und gewisse Charakterentwicklungen und Diskussionen haben sich vom ersten Band wiederholt. Aber das zweite Dune Buch hatte ein faszinierendes Setting und politische Intrigen; Husband Material konnte mit fantastischen, tiefgründigen und teils witzigen Dialogen aufwarten. Die YA-Buchreihe The Alpha’s Son hat nichts von all dem zu bieten. Aber alles der Reihe nach.

Wie es der Titel bereits vermuten lässt, geht es in dem Buch um Werwölfe. Der Protagonist Max ist 17 (?) Jahre alt und wurde gerade zum sogenannten Mating Run (Paarungslauf) eingeladen. Eine eher unregelmäßig stattfindende Tradition, in der Singles ihre*n zukünftige*n Partner*in finden sollten. Dies geschieht vordergründig nicht nur dadurch, wer wem mag, sondern durch eine tiefergehende, biologische und auch zu einer gewissen Weise mentale Verbindung, die Werwölfen vorbehalten ist. Wenn zwei Personen sich quasi auf diesen Ebenen riechen können, gehen sie in den meisten Fällen eine lebenslange Verbindung und Beziehung ein. Soweit so gut. Aber, wie es der Titel ebenfalls bereits verrät, ist die Sache für Max nicht ganz so einfach.

Während des Paarungslaufes stellt sich heraus, dass sein Partner, mit dem er diese Verbindung hat, der Sohn des Alphas ist – also der Sohn des Anführers ihres Rudels (eng.: pack). Jasper und Max waren sich vorher ihrer Homosexualität nicht wirklich bewusst, was die Sache nochmal etwas erschwert. Aber anstatt gemeinsam durch die ihnen bevorstehenden Herausforderungen zu gehen, weigert sich Jasper, ihrer natürlichen Verbindung freien Lauf zu lassen und lässt Max links liegen. Dieser weigert sich, das zu akzeptieren und auch Jaspers Vater, Jericho Apollo (die Namen in diesen Büchern sind so unfassbar wie der Plot), steht hinter Max und fordert ihn mehr oder weniger dazu auf, seinen Sohn nicht aufzugeben.

Dieses Katz-und-Maus-Spiel der beiden geht über zwei Bücher. Gut 700 Seiten werden damit verschwendet, dass Jasper Max in Sicherheit wissen will und ihn deshalb immer wieder ablehnt. Dann kommen sie sich durch irgendwelche Zufälle näher, vereinbaren eine geheime Beziehung zu führen, nur damit drei Seiten später Jasper wieder einen Rückzieher macht und Max stehen lässt. Das passiert immer und immer wieder. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie man zwei Bücher damit verbringen kann. Dazu kommen überbordende Beschreibungen der Umgebung, bis hin zu den Servietten, die niemandem etwas bringen. Wie ein Reviewer auf Goodreads so schön geschrieben hat: manchmal reicht ein einfaches »opulent«.

Die beiden Bücher könnte man wunderbar zu einem zusammenfassen. Ein bisschen kompakter geschrieben, die Dialoge etwas aufpoliert und man hätte ein feines allein stehendes Buch über zwei junge, schwule Männer in einem Werwolf-Setting, von dem man dann diese Welt weiter ausbauen kann. Denn es gibt gute Aspekte in der Geschichte (dazu gleich noch mehr). Die Nebencharaktere im ersten Buch sind ebenfalls interessant, werden aber im zweiten fast alle links liegen gelassen oder werden selbst Opfer seltsamer Beziehungsdynamiken. Ich habe nichts dagegen, dass es in einem Buch viele queere Personen gibt, die sich ausprobieren und herausfinden, wer sie sind; begrüße es sogar. Doch kein queerer Charakter in dem Buch geht selbstbewusst mit der eigenen Identität um oder ohne größere Schwierigkeiten.

Alle sind mit Problemen und Herausforderungen gespickt, die es zu überwinden gilt. Sie sind von Selbstzweifeln geplagt, hadern mit sich oder sind vollkommen isoliert von der Community und/oder fürchten um die Akzeptanz ihrer Umgebung. Es ist die gefühlt immer gleiche Schablone, die über alle Charaktere gelegt wird und das wird einfach zu viel. Jede Person hat ihre eigene Reise zu bewältigen und man hätte wunderbar diese verschiedenen Aspekte darstellen können.

Ich mochte, wie bereits erwähnt, einzelne Handlungsstränge aus beiden Büchern sehr gerne. Die Einführung des Protagonisten und der Paarungslauf sind wunderbar gestaltet, eine Rettungsaktion am Ende des ersten Bandes ist ebenfalls gut gelungen. Im zweiten Buch gibt es ein neues Setting in einer luxuriösen Skihütte, und das Konzept des Blutmondes und was dieser mit den Werwölfen macht, fand ich ebenfalls interessant. Auch die Herausforderung, die die Charaktere durchmachen müssen, um den Trip zur Skihütte zu gewinnen, ist spannend gestaltet. Man hätte diesen Wettbewerb sogar noch etwas ausbauen können.

Nur die emotionale Entwicklung der beiden Hauptcharaktere, Max und Jasper, stagniert nicht nur über weite Strecken beider Bücher, es ist ein regelrechtes hin und her. Jedweder Fortschritt wird schnell wieder zunichtegemacht, ohne dass die beiden, hauptsächlich Jasper, daraus lernen. Hatten die Bücher von Alexis Hall noch bestechende Dialoge zu bieten, die tiefer in die Motive, Absichten, Ängste und Sorgen der Charaktere blicken ließen, sind sie in diesen Büchern weitestgehend oberflächlich, wenn nicht repetitiv. Ich hätte es stark gefunden, hätten Jasper und Max gemeinsam an ihrer Verbindung gearbeitet und offen miteinander kommuniziert.

Hier wurde eine große Chance verpasst. Aus den The Alpha’s Son-Büchern von Penny Jessup hätte durch etwas mehr Editieren/Redigieren eine fantastische Geschichte entstehen können. So erinnert es zu sehr an die elends-langen, über-melancholischen Ausführungen der Twilight-Reihe, die ich im zweiten Buch abgebrochen habe. Für mich stellen YA-Romane zu einem gewissen Grad immer eine Vorbildrolle dar. Jemandem immer wieder nachzulaufen, der einen wiederholt ablehnt, ignoriert und verletzt, ist jetzt nicht unbedingt das, was ich ein gutes Vorbild nennen würde.