Eine Salzburger Institution

Vor Kurzem habe ich mit Freund J. Sound of Music im Salzburger Landestheater angesehen. Es stand schon seit Längerem auf der Liste an Tätigkeiten, die wir in Salzburg machen wollten. Vergangene Woche war es endlich so weit. Mir war fast peinlich lange nicht bewusst, dass Sound of Music etwas ist, das seine Wurzeln in Salzburg hat. Aber man lernt ja schließlich nie aus und nachdem mir das vor einigen Jahren bewusst geworden ist, landete es recht schnell auf der Liste an Dingen, die man sehen muss.

Es ist schon erstaunlich, wie oft man sich nicht mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzt. Das Andere, die Geschichte unbekannter Orte, Wochenendausflüge zu Städten, die man unbedingt mal sehen wollte; sie scheinen immer interessanter als das Lokale. Deshalb freut es mich umso mehr, immer wieder Führungen durch Salzburg zu machen, die unterschiedlichsten kulturellen Angebote zu nutzen, die es mittlerweile gibt, und eben ins Landestheater zu gehen. Manche Dinge brauchen eben Zeit.

Aber zurück zur Geschichte der Familie Trapp. Erst war ich mir etwas unsicher, ob mir die Musik zusagen würde und ob es nicht zu kitschig werden würde – ein Vorwurf, den manche Leute an das Musical stellen. Ich war allerdings von der ersten Minute an gefesselt. Sofort war ich in der Welt der Familie Trapp gefangen, habe mitgefiebert und gebangt. Die Vorwürfe kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Musik stammt eben aus einer Zeit, die mehrere Jahrzehnte zurückliegt und ist vielleicht etwas ungewohnt. Aber es entsteht ein stimmiges Gesamtbild aus der Musik, den Kostümen, dem Bühnenbild und der Darstellung der fantastischen Besetzung.

Die Leistungen, die diese Menschen an den Tag legen, reißt einen förmlich mit. Sie verkörpern ihre Rollen mit so viel Inbrunst und Leidenschaft, dass es ansteckend ist. Es hat immer wieder etwas Wundersames, Menschen live singen zu hören. Wenn alles perfekt ineinander greift, sich die Schauspieler/Sänger die metaphorischen Bälle scheinbar mühelos hin und her werfen, ist dies ein Zeichen dafür, wie sehr sie in den Rollen aufgehen und diese einstudiert haben. Hinzu kommt ein fantastisch konzipiertes Bühnenbild, welches so wandelbar wirkt, wie es effektiv ist. Besonders beeindruckend fand ich auch die Leistung der sieben jungen Darsteller*innen, die die Kinder spielten. Sie waren fast das gesamte Stück über auf der Bühne und standen den anderen um nichts nach.

Etwas, das mich auch erstaunt hat oder vielmehr überrascht: wie sehr sie es geschafft haben, die Bedrohung durch die Nazis immer im Hintergrund spürbar zu machen. Ein leicht unangenehmes Gefühl, das immer mitschwingt, während sich die Geschichte aufbaut, bis die Gefahr schließlich real wird und sich die Familie im Fokus der Nazis wiederfindet. Das alles gipfelt in dem Auftritt der Familie bei einem Gesangswettbewerb. Das Bühnenbild besteht nur aus einem riesigen Hakenkreuz. Die NS-Offiziere, die die Familie strengstens beobachten, stehen nicht auf der Bühne, sondern in einer Zuschauer-Loge – sind dem Publikum also nochmal näher. Die Türen des Theaters sind durch NS-Soldaten „blockiert“. Die Gefahr wirkt wirklich und real, ein unbehagliches Gefühl. Man selbst wird Teil dieses Wettbewerbs und der dargestellten Geschichte. Es ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird.

Ich bin froh, Sound of Music gesehen zu haben. Es ist eine Geschichte, die wichtig ist zu erzählen und die mitreißt. Es war die letzte Aufführung der Saison, die wir gesehen hatten. Am Ende sangen alle nochmal die markantesten Songs im englischen Original und es wurden noch ein paar abschließende Worte gesprochen. Es rundete einen perfekten Abend ab.