Da ich aktuell mit Elden Ring beschäftigt bin und nicht so sehr zum Lesen komme, ziehe ich den folgenden Text etwas vor. Ich habe nämlich bereits im Februar mit dem vierten Sammelband der Horus Heresy Reihe angefangen und die ersten zwei Bücher darin gelesen. Jeder Sammelband enthält nämlich drei Bücher, was diese zwar etwas unhandlich macht, aber sie sehen gut im Bücherregal aus. Jedenfalls wird es noch etwas dauern, bis ich zum dritten und längsten Buch des Sammelbandes komme; deshalb gibt es heute bereits die Texte zu Erzählungen des Verrats und Gefallene Engel.
Erzählungen des Verrats
Hierbei handelt es sich quasi um einen Sammelband im Sammelband, denn Erzählungen des Verrats enthält verschiedenste Kurzgeschichten von unterschiedlichsten Autor*innen. Diese haben entweder schon zuvor für die Horus Heresy geschrieben oder dürfen hier ihr Debüt feiern. Die Geschichten sind durchaus abwechslungsreich, fokussieren sich auf jeweils andere Legionen der Astartes und spielen teilweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Häresie oder sogar noch davor.
Zu meinen Favoriten in der Sammlung zählen Die letzte Kirche von Graham McNeill und Nach Desh’ea von Matthew Farrer, da sie die Bandbreite an Stilen zeigen, die hier dargeboten werden. Die letzte Kirche ist eine ganz besondere Darbietung an schriftstellerischer Kunst, denn im Grunde ist es ein einziger langer Dialog zwischen einem Priester und einem Ungläubigen – wenn man so will. Der Schauplatz ist eingeschränkt. Dadurch baut sich kontinuierlich Spannung auf. Die Atmosphäre ist beklemmend und auch wenn man vielleicht auf halbem Wege absehen kann, wo es hingeht, sind die verschiedenen Ansichten und verbalen Konfrontationen fantastisch zu lesen.
Nach Desh’ea ist grundsätzlich auch reduziert, was Schauplatz und Charaktere anbelangt, aber deutlich brutaler. Es geht um die Entdeckung eines ganz speziellen Primarchen und wie sehr die Astartes ihre Väter als Halbgötter feiern und verehren. Bis zu dem Zeitpunkt, wo Horus alle verrät und der Bruderkrieg beginnt, hätte niemals jemand einen Primarchen als fehlbar eingeschätzt, geschweige denn eine Hand gegen einen Primarchen erhoben. Ihnen zu widersprechen, war undenkbar. So kann einfaches Unwissen einerseits und blinde Verehrung andererseits schwerwiegende Folgen haben.
Gefallene Engel von Mike Lee
Manchmal empfinde ich es als schwierig, die einzelnen Astartes der Legionen auseinanderzuhalten, da nicht nur die Namen teilweise ähnlich sind. Es kommen schlichtweg sehr viele in den Geschichten vor. Natürlich kommt auch hinzu, dass sie bis zum Verrat des Horus alle sehr ähnliche Charakterzüge haben. Erst durch den Verrat und den damit angestoßenen Ereignissen, so kommt es mir zumindest vor, entwickeln sie tatsächliche Charakterzüge und Eigenschaften. Sie werden gezwungen, sich mit ihrer eigenen Existenz auf eine Art und Weise auseinanderzusetzen, wie sie es zuvor noch nicht tun mussten.
Hinzu kommt natürlich, dass es sich hierbei um eine Reihe handelt, die insgesamt mehr als hundert Bücher umfasst. Die meisten haben nicht nur einen Protagonisten, sondern spiegeln mehrere Sichtweisen und Charaktere wider. Es stehen teilweise ganze Legionen im Zentrum der Handlungen, da wird es irgendwann eben schwierig, sie alle auseinanderzuhalten. Zum Glück gibt es für die Zusammenhänge genügend YouTube-Videos und Online-Artikel, die sich damit beschäftigen. Mir geht es um die Geschichten an sich und manchmal muss man sich einfach darauf einlassen.
In Gefallene Engel verfolgt man grundsätzlich zwei Gruppen an Dark Angels. Zum einen den Primarchen Lion El’Jonson, der versucht dem Verräter Horus einen Planeten des Mechanicum zu entreißen bzw. zu verhindern, dass dieser ihn einnehmen kann. Die Konstruktionen und Waffentechnologien dort könnten von entscheidender Bedeutung sein. Auf der anderen Seite haben wir Luther, der scheinbar von seinem Primarchen auf den Heimatplaneten der Dark Angels, Caliban, verbannt wurde, samt seinen Truppen. Dort sollen sie für die Ausbildung der neuen Rekruten verantwortlich sein. Eine Aufgabe, die des Herrn von Caliban und der rechten Hand Lion El’Jonsons eher unwürdig erscheint. Beide Geschichten sind interessant zu lesen, vor allem aber die Ereignisse auf Caliban haben es mir unerwarteterweise angetan. Es geht viel um Vertrauen, um die Kräfte des Warp und wie weit die Verehrung eines Primarchen wirklich geht.