Ich empfinde es als begrüßenswert, die eigene Meinung, die eigene Einstellung anzupassen, wenn sich neue Erkenntnisse, Informationen oder Einsichten auftun. Es sollte doch ein Ziel eines Menschen sein, sich mit den Jahren weiterzuentwickeln; dazu gehört ebenfalls, die eigenen Einstellungen immer mal wieder zu hinterfragen. Das ist auch einer der Beweggründe, warum ich jeden Donnerstag alte Texte von mir wieder veröffentliche. Diese sind teilweise zehn Jahre alt und es ist interessant, die Meinungen von meinem früheren Ich zu lesen. Manches Mal kann ich mich so gar nicht mehr damit identifizieren, weiß allerdings sehr wohl, woher diese Äußerungen kommen oder worauf sie basieren. Das ist besonders bei dem Text zu The Beauty #1 der Fall, den ich mir Ende des Monats vornehme.
Jedenfalls ist es immer wieder erstaunlich, wenn berühmten Persönlichkeiten (egal welcher Art) etwas vorgeworfen wird, das sie vor Jahren, manchmal Jahrzehnten gesagt oder getwittert haben. (Als Twitter noch ein Ding war und nicht das elende Chaos, das es heute ist.)
Menschen entwickeln sich weiter und ändern ihre Meinung. Wer weiß, wie ich so manche Dinge sehe, zu denen ich hier schreibe, wenn ich in einigen Jahren darauf zurückblicke. Doch um sich weiterzuentwickeln, gehört Selbstreflexion dazu, und das ist sicherlich nicht immer einfach, aber ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Das alles ist mir durch den Kopf geschossen, als ich einen der letzten Falter-Newsletter zu einem Interview von Nick Cave las. Ich kannte den Namen des Musikers nicht, habe wahrscheinlich auch noch keine Musik von ihm gehört. Aber ein Zitat, das in dem Newsletter wiedergegeben wurde, hat es mir angetan und will es natürlich auch hier teilen:
„Ich bin froh, nicht zu jenen zu gehören, die so geprägt sind von ihrer Jugend, dass sie nichts mehr anderes werden konnten.“ Und weiter: „Solche Leute gibt es zum Beispiel in Berlin. Sie halten an einer Handvoll Idealen fest, die sie mit 20 hatten, und verteidigen diese noch mit 65. Sie glauben, dass sie keine Kompromisse eingegangen sind. Das ist die größte Verschwendung von Leben, die ich mir vorstellen kann. Schon klar, es gibt fundamentale Wahrheiten, an denen wir festhalten. Aber wenn jemand seine Ideen nie ändert, macht er was falsch in seinem Leben.“