Frauen dürfen nun Space Marines sein

Games Workshop hat vor Kurzem den neuen Codex für die Custodes-Fraktion von Warhammer 40k herausgebracht. Die Custodes sind eine spezielle Brut an Space Marines, die dafür ausgebildet und genetisch modifiziert werden, um den Imperator selbst zu beschützen. Sollten alle anderen Fraktionen fallen, sind sie die letzte Bastion, die letzte Linie, die Terra verteidigen kann. Der Prozess ist, soweit ich das mit meinem gefährlichen Halbwissen sagen kann, nicht gerade angenehm; es werden Kinder von Welten gleichermaßen geopfert, um die Ausbildung, wenn man es so nennen kann, zu Custodes anzutreten.

Seit dem neuen Codex dürfen nun auch Frauen Custodes sein. Und warum auch nicht? Wenn man diversen Interviews von Autor*innen glauben darf, dann wollten diese bereits seit Längerem weibliche Figuren einführen, aber ein Gebot aus der obersten Etage verbot dies. Inzwischen hat scheinbar diese Etage eine Veränderung durchgemacht und es darf Frauen unter den Custodes geben.

Vergangenes Jahr hat der YouTuber Arbitor Ian, den ich sehr schätze, bereits ein Video zu einem ähnlichen Thema gemacht. Es ging darum, wie eigentlich weibliche Space Marines aussehen würden. Der ernüchternde und durchaus logische Schluss war, dass sie gar nicht so anders aussehen würden wie die aktuellen Figuren. Nur wenn sie keinen Helm auf hätten, würde man erkennen, um wen es sich unter dem Anzug handelt. So wie man Soldat*innen, die wir heute sehen und die in voller Montur daher kommen, auf den ersten Blick genauso wenig unterscheiden kann.

Ich finde es sehr zynisch von so manchen, selbst ernannten Gatekeepern des Hobbys, dass sie es Frauen absprechen wollen, ebenfalls in einem 40.000 Jahre in der Zukunft spielenden, dystopischen Science-Fiction-Universum repräsentiert zu sein. Das Hobby ist die Nische in einer Nische und viele haben es selbst wahrscheinlich aus dem Grund angefangen, sich ausgegrenzt zu fühlen, einen Zufluchtsort zu benötigen, Gleichgesinnte zu finden oder was auch immer der Grund sein möge. Wie so viele Hobbys ist auch Warhammer für alle Menschen und sollte dementsprechend auch so viele Aspekte des menschlichen Daseins repräsentieren.

Das hat auch nichts mit Wokeness oder ähnlichem zu tun. Denn in dem Universum geht es um ein geeintes, menschliches Imperium. Zumindest war das einmal das Ziel des Imperators. Es ist auch oder sollte im Idealfall auch ein Universum und ein Hobby sein, das sich selbst nicht zu ernst nimmt, selbstironisch agiert und vollkommen over-the-top übertrieben agiert. Games Workshop handelt nur endlich zeitgemäß, so wie sie es vielleicht schon von Anfang an hätten machen sollen. Wer das nicht versteht, hat auch den Ursprung von Warhammer und besonders dem 40k-Universum nicht verstanden.