Geek-Planet: Deadpool

Da demnächst der lang ersehnte dritte Teil von Deadpool in den Kinos läuft, dachte ich mir, ich suche für diese Woche meine Review zum ersten Teil heraus. Dieses erschien am 28.02.2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt, aber der als Kategorie auf dieser Webseite weiter existieren darf.

Deadpool hat damals eingeschlagen, wie es wohl kaum jemand erwartet hat. Ich finde auch den zweiten Teil hervorragend gemacht und eine tolle Fortsetzung. Dass Reynolds nun Hugh Jackman überzeugen konnte, ein wirklich letztes Mal in die Rolle von Wolverine zu schlüpfen, ist unfassbar. Ich bin sehr gespannt, wie der Film tatsächlich wird. Allzu lange muss man sich aber nicht mehr gedulden.

Man hat allerdings nicht den Fehler machen dürfen, sich in den vergangenen Jahren weitere Reynolds-Filme angesehen zu haben. Denn seit Deadpool spielt er leider in jedem Film denselben Charakter: eine schlechte Kopie von Deadpool. Das trübt dann natürlich die Erfahrung, wenn er alle paar Jahre in die ikonische Rolle schlüpft. Es fühlt sich dann nicht mehr originell an. Zum Glück oder bedauerlicherweise, je nach Sichtweise, scheinen es aber nicht unbedingt überragende Filme zu sein, die man verpasst. Für mich reichen jedenfalls die Deadpool-Filme allemal. Bevor es also zum großen Finale (?) der Trilogie kommt, blicken wir zurück auf die Anfänge von Deadpools Filmkarriere.


In Zeiten, in denen sogar Actionfilme mit Sylvester Stallone durch niedrigere Alterseinstufungen für ein größeres Publikum zugeschnitten werden, widersetzt sich ein Charakter dem Trend: Deadpool!

„From the studio that inexplicably sewed his f*cking mouth shut the first time, comes… me!“ – Deadpool

Erschaffen von Rob Liefeld, erblickte der Charakter 1991 das Licht der Welt. Wade Wilson, so der bürgerliche Name, ist ein Söldner, der eines Tages tödlichen Krebs diagnostiziert bekommt. Doch er ist ein zu guter Kämpfer, als dass man seine Talente einfach so vergeuden würde, also wird er Teil eines geheimen Experiments. Damit sollen Supersoldaten ähnlich wie Captain America erschaffen werden – nur mit mehr Fähigkeiten. Doch der schmerzvolle Versuch scheint zu scheitern und Wade wird »entsorgt«. Allerdings legten seine Fähigkeiten lediglich eine Spätzündung hin. Ausgestattet mit den wohl besten Selbstheilungskräften, allerdings böse entstellt, macht er sich auf die Suche nach seinen Peinigern.

Eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale ist, dass Deadpool die vierte Wand durchbricht. Er spricht also direkt mit seinen Leser*innen und ist sich bewusst, dass er in einem Comic steckt. Doch nicht nur das macht ihn zu einem Unikat. Die Geschichten zeichnen sich auch durch die rohe Darstellung an Gewalt und eine vulgäre Sprache aus. Deadpool ist als Charakter zwar relativ unbekannt, hat allerdings eine große und vor allem treue Fangemeinde hinter sich. Dies ist auch der Grund, warum sein erster Kinoauftritt, in dem Film X-Men Origins: Wolverine alles andere als gut aufgenommen wurde. Das Studio beraubte ihn nicht nur seines typischen, rot-schwarzen Anzugs, sondern nähte ihm buchstäblich den Mund zu. Außerdem statteten sie ihn mit irrwitzigen Fähigkeiten aus. Im Prinzip schufen sie eine neue Figur, die nichts mit dem Original zu tun hatte.

Es ist dem Schauspieler Ryan Reynolds und dem Regisseur Tim Miller geschuldet, dass nun endlich eine originalgetreue Version erscheint. Plakate und Trailer haben einen Deadpool versprochen, wie er in den Comics steht, und die Erwartungen waren dementsprechend groß.

Der Film erzählt die oben geschilderte Origin-Story des Charakters bzw. überlässt es diesem selbst. So erzählt Deadpool, wie er zu Deadpool wurde und liefert dabei die bisher wohl schrägste Comic-Verfilmung. Egal, ob Dialoge, One-Liner, Slapstick oder die toll choreografierten Kämpfe – alles setzt sich zu einem fantastischen Gesamteindruck zusammen. Durchgehend erblickt man Popkultur-Referenzen und es wird alles aufs Korn genommen (auch Ryan Reynolds selbst). Der Film bietet sehr kurzweilige Unterhaltung und durch die immense Dichte an einprasselnden Eindrücken möchte man den Film am liebsten gleich nochmal ansehen.

Das Publikum im Saal gab dabei auch des Öfteren Szenenapplaus, was ich bisher nur selten erlebt habe. Dabei galt der größte Applaus der Comic-Legende Stan Lee. Sein Cameo-Auftritt, der bei keinem Marvel-Film fehlen darf, ist bravourös eingebaut.

Die gesamte Inszenierung, darunter auch die tolle Auswahl an Musik der späten 90er-Jahre, rundet das Paket ab. Doch nicht nur Fans werden an diesem Film Gefallen finden. Wer an einem etwas anderen Film Interesse hat und einen Charakter kennenlernen möchte, den es so kein zweites Mal gibt, sollte sich diesen Film definitiv ansehen. Besonders die gerechtfertigte FSK18-Einstufung tut ihm gut. So kann Deadpool seiner Natur freien Lauf lassen. Der Film ist ein Meilenstein – bitte mehr davon!