Gerüchte und anderer Wahnsinn

YouTube schlägt mir in letzter Zeit immer häufiger Videos eines Creators vor, den ich bisher nicht kannte. Meistens geht es darum um die Warhammer-Serie, die von Amazon produziert wird und in der Henry Cavill eine zentrale Rolle spielen soll – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Für diejenigen, die es nicht wissen, Henry Cavill ist ein lebenslanger Warhammer-Fan, redet immer wieder in Interviews darüber und deshalb war es umso erfreulicher, als Amazon ihn engagiert hat, um die Serie aus dem Boden zu stampfen.

In den besagten Videos, die mir YouTube seit geraumer Zeit vorschlägt und die ich nicht verlinken werde, dreht sich viel um Gerüchte rund um die Produktion. Insider sollen gesagt haben, es gäbe viele Probleme, Amazon hätte unerfüllbare Forderungen was Cast und Charaktere betrifft und hätte Games Workshop weibliche Custodes (eine Spezialeinheit der Space Marines) aufgezwungen und so weiter. Ich habe mal versucht, zu dem Thema zu googeln. Man muss schon sehr genau schauen, um sich all das aus den verschiedenen Quellen zusammenzusuchen. Vor allem, wenn man Webseiten lesen möchte, die nicht nur Clickbait-Artikel schreiben, sondern wirklich etwas mit Substanz.

Da ich bereits zuvor über Warhammer diverse Male geschrieben habe und ich das Franchise sehr gerne mag, dachte ich mir, ich schreibe ein paar Zeilen dazu. Es ist nämlich immer leicht, sich von solchen Videos oder Artikeln aufhetzen zu lassen und schon jetzt wütend oder enttäuscht zu sein. Dabei wurde noch nichts gedreht, geschweige denn in Trailern gezeigt oder gar ein Veröffentlichungsdatum von etwas angekündigt. Man sollte bei solchen Themen, besonders wenn es sich um dünne Gerüchte handelt, immer selbst Gedanken machen, ob das logisch erscheint, was da behauptet wird. Denn weder Henry Cavill noch Amazon werden sich in irgendeiner Art und Weise zu solchen Vorwürfen äußern, selbst wenn sie wahr sein sollten, was ich mir allerdings nicht so recht vorstellen kann.

Dazu möchte ich mir kurz zwei Aspekte der Gerüchte herausgreifen. Das eine sind die weiblichen Custodes, die ich bereits zuvor in einem Text gefeiert habe. In einem Interview gaben selbst Autor*innen von Büchern zu, dass es eine Vorgabe eines (ehemaligen) Games Workshop Chefs war, dass Space Marines nur Männer sein dürfen. Offen gesagt, macht es keinen Unterschied, ob sich nun Männer oder Frauen unter den tonnenschweren Rüstungen verbergen, ist vollkommen egal.

Es ist ein Setting, das 40.000 Jahre in der Zukunft spielt, in der die gesamte Galaxis in einen nicht endenden Krieg verwickelt ist; ein Horrorszenario jagt das nächste. Das Geschlecht der Space Marines nicht einmal das zweitrangige, worüber ich mir Gedanken mache. Und wenn es einem Mädchen, dass dieses Universum für sich entdeckt, hilft, sich selbst mit einer dieser weiblichen Figuren zu identifizieren, weil es einfach starke, durchsetzungsfähige Charaktere sind, denen keine Aufgabe zu schwer ist und denen sich niemand wirklich widersetzen kann, dann ist es doch wert, das Setting etwas zu erweitern.

Der zweite Punkt betrifft die Forderung von Amazon über Frauenquote, LGBTQIA+ Charaktere und so weiter. Besonders was die Sexualität von Space Marines anbelangt, ist das völlig unrealistisch und nicht zu erfüllen; das sollte man wissen, wenn man sich auch nur tangential mit dem Universum beschäftigt. Wenn überhaupt, könnte man Space Marines und eine Serie über sie als Repräsentation für das asexuelle Spektrum verwenden. Das wäre eine interessante Perspektive, aus der man durchaus etwas machen könnte. Astartes (ein anderer Überbegriff für Space Marines) sind grundsätzlich keine sexuellen Wesen. Was zählt, sind Ehre, Stärke, der Bund zwischen ihnen und das Zusammenhalten in der Legion. Wenn man Sexualität in einer Warhammer-Serie behandeln will, muss man sich auf menschliche Charaktere konzentrieren, aber dann nimmt man den Fokus völlig von den zentralen Figuren, den Astartes, weg. Denn menschliches Leben ist in diesem Universum nichts wert.

Mag sein, dass Amazon Forderungen hat, die sich nicht umsetzen lassen, über die man diskutieren muss und sie in die richtigen Bahnen lenken, sodass sie ins Universum von Warhammer 40k passen. Wie ich Games Workshop in den vergangenen Jahrzehnten als Unternehmen kennengelernt habe, halten sie immer eine starke, schützende Hand über ihre IP (Intellectual Property). Ich denke nicht, dass sie sich von Amazon weibliche Custodes einreden lassen, wenn sie das nicht selbst für gutheißen würden. Eher würden sie die Serie komplett von Amazon streichen. Denn wenn sie klug sind, und das unterstelle ich Games Workshop an dieser Stelle, dann haben sie eine Klausel im Vertrag, die ihnen zugesteht, das Projekt jederzeit abzusagen, wenn das Quellmaterial nicht respektiert wird oder der Inhalt der Serie in eine seltsame Richtung abdriftet, wie auch immer das aussehen mag.

Gerüchte sind immer mit Vorsicht zu genießen. Meist steckt sowieso nichts dahinter. Und wenn doch, werden wir es früh genug erfahren; da muss ich mir jetzt weder Gedanken über etwas machen, was ich nicht beeinflussen kann, noch Zeit damit verschwenden, mich damit auseinanderzusetzen. Trotzdem war es mir ein Anliegen, das Ganze einmal etwas aufzudröseln.