Seit ich die Salzburger Nachrichten wieder abonniert habe, fühle ich mich um einiges informierter. Zwar hatte ich in der Zwischenzeit und lese noch immer, die Newsletter, die ich abonniert habe, aber die SN hat etwas an sich. Ich lese sie gerne und die Artikel haben interessante Perspektiven, zum Teil zumindest. Denn manchmal könnten sie durchaus mehr Hintergrundinformationen liefern, wo sie Themen lediglich anschneiden oder tieferes Basiswissen voraussetzen. Es ist natürlich ein schwieriges Abwiegen, welche Themen man nun tiefgehender behandelt und welche nur anschneidet; außerdem ist der Platz sicherlich begrenzt, den man pro Thema nutzen kann. Verbesserungspotenzial ist immer da.
Ich komme darauf, weil mir ein Artikel von letzter Woche im Gedächtnis geblieben ist – ich glaube, es war in der Wochenendausgabe. Das Thema war natürlich die anstehende EU-Wahl. Zum einen ging es konkret um das Thema rund um die Person Schilling und wie das Privatleben der Person ins Politische getragen wird, wenn diese beiden Aspekte doch eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Zumindest in diesem Fall sollte es vielleicht eher eine untergeordnete Rolle spielen. Nicht nur sind diverse Vorfälle und Aussagen Jahre her (Meinungen und Standpunkte ändern sich nunmal; wie ich bereits des Öfteren betont habe), ebenso darf man das Alter nicht außer Acht lassen. Ich bin davon überzeugt, dass niemand gut wegkommen würde, wenn man alle unsere privat getätigten Aussagen, die wir in im Alter von 15 bis 23 Jahren getätigt haben, auf die goldene Waagschale legen würde.
Ausschlaggebend ist eher, wie die Personen heute noch darüber denken, welche Meinungen sie heute haben und wie sie zu den damaligen Aussagen stehen. Klar kann man sich zu einer pauschalen Aussage und Meinung über diese Personen hinreißen lassen und alles in die Kategorien schwarz/weiß einteilen; fair ist das allerdings nicht. Wie so oft gilt es, die eigene Ambiguitätstoleranz nicht nur zu akzeptieren, sondern überhaupt einmal anzuerkennen, dass es so etwas gibt. Die Welt und die Menschen darin sind nun einmal komplex.
Was mich zum nächsten Punkt bringt. Demokratie ist ein Privileg, genauso ist zur Wahl gehen zu können ein Privileg, welches erhalten bleiben muss. Manche scheinen es nämlich mit einem Naturgesetz zu verwechseln oder etwas, das einem zusteht, doch das ist es nicht. Es ist ein Privileg, für das es sich lohnt, zu kämpfen. Das einfachste Mittel dafür ist der Gang zur Wahlurne. Besonders, wenn so viel auf dem Spiel zu stehen scheint, wie in diesem Jahr. Aussagen, wie man würde ja in jeder Partei Punkte finden, mit denen man sich identifizieren oder dass man sich gar nicht entscheiden kann, weil alle bescheuert sind, lasse ich nicht gelten. Denn auch das gehört zur Demokratie: Kompromisse. Es geht um das große Ganze und nicht mein spezifisches Problem, dass ich aktuell habe.
Mir ist grundsätzlich egal, was jemand wählt, solange die Person wählen geht. Es sollte im Idealfall nur keine Partei sein, die durch Hass, Hetze und das Untergraben des demokratischen Systems besticht. Einem System übrigens, dem sie sich bedienen, um überhaupt Einfluss zu haben oder zu bekommen, aber manchen scheint der Sinn für Ironie irgendwo auf dem Weg abhanden gekommen zu sein.
Geht wählen und gesteht Personen ein, Fehler zu machen und daraus lernen zu können.