Fokus auf das Wesentliche

In der Psychotherapie gibt es eine Methode, die dazu dient, sich auf die wesentlichen, tatsächlichen Dinge zu konzentrieren, die einem gerade wichtig sind. Besonders hilfreich ist diese Methode, wenn man die Tendenz dazu hat, zu viel nachzudenken oder sich in Dinge hineinzusteigern. Es soll damit unterschieden werden, zwischen denjenigen Gedanken und Vorhaben, die in der Realität verankert sind und denjenigen, die man sich vielleicht nur einreden will. Ohne spezifische Gewichtung, ob das nun gute oder schlechte Dinge sind. Es geht nur darum, sich darüber im Klaren zu sein, was man möchte.

Im Grunde ist es eine ganz einfache Technik. Man bildet Sätze mit »Ich bin …«, »Ich soll …« und »Ich möchte …«. Es ist eine konkretisierte Variante der Meditationstechnik, in der man einfach nur aufkommende Gedanken mit »thinking« betitelt und dann wieder davonschweben lässt, um sich weiter auf die Meditation konzentrieren zu können. Beide haben ihre jeweilige Daseinsberechtigung und können in unterschiedlichen Situationen helfen. Aber besonders die Ausformulierung in Sätzen mit »Ich bin …«, »Ich soll …« und »Ich möchte …« kann sehr mächtig sein. Sie zwingt zur Reflexion und zum Nachdenken.

Es wird bei den Formulierungen schon klar, dass es als Erstes um die Gegenwart geht. Um das, was sich vor einem befindet und was sich gerade in dem Moment abspielt. Wer man ist. Als Zweites wird mit der soll-Formulierung alles abgedeckt, was man sich einredet, tun zu müssen. Da können sowohl intrinsische Motivationen dahinterstecken als auch extrinsische. Erneut ohne jedwede Gewichtung. Einfach nur festhalten. Schließlich macht man sich Gedanken darüber, was man tatsächlich möchte. Stimmen die soll-Themen mit den möchte-Zielen überein, dann ist alles okay. Ist das nicht der Fall, lohnt es sich, vielleicht nochmal darüber nachzudenken. Warum verfolgt man die Themen trotzdem weiter? Sind sie wirklich wichtig oder kann man sie loslassen? Ist die Energie, die man dafür aufwendet, eventuell besser in den Zielen aufgehoben, die man tatsächlich erreichen möchte?

Warum schreibe ich darüber? Weil ich mir in letzter Zeit Gedanken darüber mache, welche Hobbys für mich wirklich wichtig sind. Ich habe die Tendenz, viele Projekte auf einmal zu verfolgen und anzufangen. Über die vergangenen Jahre habe ich so einige Tätigkeiten wieder aufgenommen, beispielsweise Warhammer-Figuren zu bemalen. Das Problem ist nur, dass irgendwann nicht viel Zeit für die einzelnen Themen übrig bleibt, wenn man zu viele anfängt. Außerdem sind Hobbys auch immer mit Geld verbunden. Sind sie es mir also finanziell wert, sie weiterzuverfolgen oder stecke ich das Geld vielleicht lieber in ein anderes Hobby, das mir wichtiger ist?

Über die nächsten Wochen und Monate werde ich so einige Dinge, die sich angesammelt haben, zu verkaufen versuchen. Allein schon die Wohnung etwas auszumisten, aufzuräumen und den Platz von Kram zu befreien, kann eine Wohltat an sich sein. Schließlich ist das Ausmisten stets mit Aufwand verbunden und dabei kann man sich wunderbar Gedanken darüber machen, ob man das jeweilige Ding wirklich benötigt oder nicht. Mal sehen, was bei mir so alles unter den sprichwörtlichen Hammer kommt.

Aber die Methode mit den Formulierungen »Ich bin …«, »Ich soll …« und »Ich möchte …« kann für viele Lebensbereiche eingesetzt werden. Das oben beschriebene Szenario ist lediglich ein aktuelles Beispiel von mir. Es ist eine gute Übung zur Reflexion und sich Gedanken darüber zu machen, was wirklich wichtig ist.