Bewältigungsstrategien

Es gibt Menschen, die immer in Kontrolle zu sein scheinen. Sie sind ruhig, bedacht, ärgern sich über nichts. Wenn, dann diskutieren sie vielleicht angeregt über das Thema oder eine Situation, aber das war es dann. Ich versuche selbst, diese Zen-Mentalität aufrechtzuerhalten. Wobei für mich hinter diesem Begriff oder dieser Philosophie ebenfalls eine allgemeine, optimistische Einstellung steckt. Etwas Hoffnungsvolles, wenn man so will. Ich nehme lieber in Kauf, bisweilen enttäuscht zu werden, als durchweg mit einer negativen, pessimistischen Einstellung durchs Leben zu gehen.

Manche Menschen scheinen von Natur aus eine solche Zen-Mentalität zu haben (ich verwende den Begriff ab hier als Abkürzung für die oben beschriebenen Eigenschaften). Ich kaufe ihnen das nicht so recht ab. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn wenn wir ehrlich sind, steckt mit Sicherheit viel Arbeit dahinter. Wie auch immer diese Arbeit definiert sein mag. Es kann auf Erfahrung beruhen oder Training, mit erlittenen Fehlschlägen zusammenhängen oder einer gesunden, mentalen Stabilität, die man sich hart erkämpft hat. Oder aber alles auf einmal, was mir mehr einleuchtet, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Es gibt nicht das eine Rezept, die Super-Strategie, für eine solche Einstellung. Genauso wenig, wie es die einfache Methode gibt, abzuspecken. Es steckt Arbeit, Kraft und Aufwand dahinter – ein Wille. Zu oft erlebe ich es, wie sich Menschen gütlich damit tun, sich in ihrem Schicksal zu suhlen. Zu jammern, sich aufzuregen, zu schimpfen, Schuldige zu suchen – was auch immer. Sich passiv und reaktiv zu zeigen einer Situation gegenüber oder etwas, das passiert ist, statt einen Weg zu suchen, wie man aus dieser Situation wieder herauskommt.

Dabei muss es nicht um irgendwelche großen Schicksalsschläge gehen. Es reichen die alltäglichen Umstände und Situationen aus. Wie gehe ich mit dem täglichen Wahnsinn um? Nur um es etwas überspitzt zu formulieren. Natürlich kann es gut sein, sich den Frust von der Seele zu jammern. Das kenne ich von mir selbst. Nur sollte man es nicht damit verwechseln, sich in Rage zu reden. Sich immer weiter hineinzusteigern, bis es kaum mehr einen Ausweg zu geben scheint, als sich der Situation zu ergeben und sich noch mehr aufzuregen. Dafür ist mir die Lebenszeit zu schade.

Was ich selbst beispielsweise auch gerne mache, ist, mit anderen darüber zu reden. Mich, wie gesagt, erstmal über die Situation aufregen, wenn es mich wirklich belastet, um den Frust loszuwerden. Wobei ich das mittlerweile eher mache, um die Reaktion und Einschätzung des Gegenübers zu bekommen. Also zu erfahren, ob meine intuitive Reaktion der Situation gegenüber überhaupt gerechtfertigt ist. Oder kann man es vielleicht anders sehen. Einen Perspektivwechsel vornehmen. Manchmal steht man sich dafür selbst im Weg und braucht erst einmal den Input Dritter, um eine andere Sichtweise überhaupt erst in Betracht ziehen zu können.

Ich kann mich auch fragen, ob ich etwas machen kann, damit die Situation besser wird. Oder kann ich sowieso nichts machen, außer abzuwarten? Beispielsweise wenn die Straße zum Haus für ein paar Wochen kaum benutzbar ist, weil diese neu gemacht wird und man deshalb mit Bestellung wartet, bis diese wieder befahrbar ist, weil selbst die Post kaum bis keinen Platz hat, um zum Haus zu gelangen, oder man den Zug zur Arbeit nimmt, um das eigene Auto zu schonen, weil man sich bereits einen Reifen kaputt gefahren hat – nur um ein völlig hypothetisches Beispiel zu nennen. Man kann auch versuchen, es mit etwas Humor zu nehmen, das hilft ja meistens. Oder einen Blog-Beitrag darüber schreiben.

Jedenfalls gibt es verschiedenste Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich verliere mich beispielsweise auch gerne im Training. Eine 45-minütige Session mit den Apple Fitness Plus Trainern Dice, Jessica oder Jonelle und schon geht es mir besser. Ich fokussiere mich voll und ganz auf das Workout und vergesse ein bisschen die Welt um mich herum. Anschließend eine kalte Dusche und man fühlt sich wie neu geboren. Auf dem Weg in die Arbeit, den ich mittlerweile lieber mit dem Zug bestreite, genieße ich nicht nur die Entschleunigung zur Arbeit und wieder nach Hause, sondern die frische Luft und die zusätzliche Bewegung. Außerdem habe ich mehr Zeit, um meine liebsten Podcasts zu hören. Die Einkäufe erledige ich am Wochenende, weil da die Straße befahrbar ist.

Zu jeder Situation, die überwunden werden möchte, gehört eben auch eine gewisse Portion Flexibilität. Ich kann nicht erwarten, stur auf meine bisherigen Tagesabläufe zu bestehen, wenn dies den Umständen entsprechend nicht möglich ist. Ich muss mich anpassen, aktiv nach Möglichkeiten suchen, wie ich es besser machen kann. Vielleicht sogar etwas Positives darin zu finden. Ich sage nicht, dass es leicht wäre. Trotzdem versuche ich es jeden Tag aufs Neue besser zu machen und Wege zu finden, meine optimistische Zen-Mentalität aufrechtzuerhalten. Man sollte es nur nicht mit erzwungener Ruhe verwechseln, während innerlich ein Sturm brodelt – das ist wiederum nicht gesund – für niemanden.

Für mich gehört ebenfalls dazu, sich um den Körper zu kümmern. Wie vielleicht schon deutlich wurde. Denn wenn ich Junkfood fressend stundenlang YouTube-Videos schaue und dann schlecht, wenige Stunden schlafe, trägt dies nicht gerade zur (mentalen) Belastbarkeit bei. Ausgeglichenheit ist stets eine Balance zwischen Körper und Geist – was mir zwar etwas zu esoterisch klingt, aber es ist eben auch etwas Wahres dran. Man muss nur aktiv etwas dafür tun wollen. Jedes Mal aufs Neue und mit Zeit wird es immer einfacher.