Blicken wir zurück auf den 13.07.2014. Da erschien die folgende Rezension auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Ziel dieses ersten Blogs von mir war es, so viele Spider-Man-Comics wie möglich zu lesen. Passend dazu erschienen dann Rezensionen. Das habe ich dann über die Jahre auf alle möglichen Medien ausgeweitet. Heute soll es aber um die dritte Collected Edition von Ultimate Spider-Man gehen.
Auch wenn ich die „normale“ Spider-Man-Reihe sehr schätze, fand ich Ultimate Spider-Man schon immer reizvoll. Es bietet sehr Potenzial, neue Dinge auszuprobieren. Es ist eben nicht Teil des großen Marvel-Universums, sondern spielt in seiner eigenen Nische. Mit eigenen Regeln und eigenen Interpretationen der Charaktere. Es ist quasi alles denkbar. Der Reihe haben wir unter anderem Miles Morales zu verdanken, aber es dauert noch ein wenig, bis wir zu ihm kommen.
Seit ein paar Monaten gibt es nach jahrelanger Pause wieder ein Ultimate-Universum. So wie es aussieht, machen sie nur mehr vom Klassischen. Ich muss mir allerdings erst selbst noch irgendwann ein Bild davon machen. Das Prinzip ist ja, dass jede*r unter der Maske stecken könnte. Sie tasten sich zwar mit Spider-Verse und anderen Interpretationen immer wieder vor, bleiben aber hinter meinen doch hohen Erwartungen zurück. Wie dem auch sei, heute geht es erst einmal um die frühen Anfänge von Ultimate Spider-Man.
Da mich Ultimate Spider-Man – Volume II so sehr begeistert hat, konnte ich gar nicht abwarten, mit Teil III weiterzumachen. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Ausgabe das Niveau ganz halten kann. Nach einem guten Anfang lässt die Story in der Mitte etwas nach, um zum Schluss noch einmal volle Fahrt aufzunehmen. Ich bin mir nicht sicher, woran das liegt, aber vielleicht finde ich es beim Schreiben dieses Reviews heraus.
- Die vorliegende, englische Collected Edition von Volume III (Double Trouble) beinhaltet die Ausgaben #14 bis #21.
Das Heft nimmt die Handlung des ersten Teils wieder auf: Octavius erwacht aus einem drei Monate andauernden Koma, nur um festzustellen, dass er sich in einem geheimen Stützpunkt, einer geheimen Organisation befindet. Zu diesem Zeitpunkt erfahren die Leser*innen, warum Octavius eine Sonnenbrille trägt. Ich muss gestehen, dieses Detail nur am Rande wahrgenommen zu haben. Außerdem wird ihm mitgeteilt, dass seine unterstützenden Metall-Arme mit seiner Haut und seinem Nervensystem verbunden sind. Hier bin ich dann im Laufe der Geschichte etwas stutzig geworden, denn seine Arme sind mit ihm verschmolzen und damit auch eine Art Metallplatte, auf der diese befestigt sind. Die Personen, die ihn festhalten, weigern sich, das alles zu entfernen. Theoretisch dürfte es also möglich sein, ihn aus der Situation zu befreien. Warum dies nie gemacht wird, besonders nachdem sich herausstellt, dass er wahnsinnig ist, finde ich wieder etwas unschlüssig, aber gut – soll eben so sein. Trotzdem ist das Design der Metallplatte später etwas anders als noch zu Beginn. Hier hätte es vielleicht gut getan, sich gleich von Anfang an auf ein Design festzulegen. Oder aber man erklärt kurz, dass damit ebenso ein paar Verbesserungen einhergehen.
Trotzdem muss ich Mark Bagley zugutehalten, dass das Aussehen und die Darstellung von Octavius hervorragend sind. Vor allem mit dem Verband, den Otto am Anfang tragen muss, sieht er unheimlich aus. Es ist nie ganz klar, ob nicht doch seine Metall-Arme für ihn sehen oder etwas spüren können. Außerdem halte ich die Idee für cool, dass die Armen äußerst anpassungsfähig sind. Je nachdem, was gerade benötigt wird, transformieren sie sich zu Greifern oder Elektroschocker. Die Einbindung einer Schusswaffe finde ich allerdings etwas übertrieben (Stichwort: Munition und so weiter).
Der zweite Gegner, mit dem Peter Parker es zu tun bekommt, ist Kraven the Hunter. Dieser wird gleich bei seinem ersten Auftritt als kalter Killer dargestellt. Er droht sogar live im Fernsehen Spider-Man zu jagen und mit seinen bloßen Händen töten zu wollen. Das war beispielsweise einer der Momente, den ich nicht gebraucht hätte. Es ist schon sehr over-the-top. Vor allem müsste doch die Polizei oder Anwälte einschreiten, wenn plötzlich jemand eine Menschenjagd veranstalten will. Insofern ist es am Ende ganz zufriedenstellend, dass Spider-Man ihn so richtig vorführt und zeigt, dass nichts hinter der Drohung steckt.
Neben diesen großen Gegnern hat Spider-Man noch mit ein paar kleinen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich möchte hier nicht genauer verraten, um was es geht. Wiederum sind es allerdings die Peter-Mary-Momente, die am stärksten sind. Bei den Szenen mit den beiden merkt man, mit wie viel Gefühl diese Charaktere geschrieben sind. Dies liegt unter anderem an den hervorragend gezeichneten Gesichtsausdrücken. Die Darstellung der beiden ist einfach umwerfend. Dies gekoppelt mit den fantastisch geschriebenen Dialogen von Bendis, macht diese Momente besonders fesselnd.
Vielleicht empfinde ich deshalb den mittleren Teil als etwas schwächer, da sehr viel Hintergrund erzählt wird. Außerdem werden Motive und Handlungen von Figuren erklärt, um diese besser nachvollziehen zu können. Das drosselt natürlich das Erzähltempo. Von daher war es rückblickend vielleicht doch kein so schlechter Teil. Meine Erwartungen waren eventuell nur die falschen.
Ein Thema möchte ich noch erwähnen: Peter wird in seinen ersten Kämpfen ziemlich fertig gemacht. Als Leser tat es mir zum Teil schon weh, nur zusehen zu müssen. Später denkt Peter sogar darüber nach, das Kostüm an den Nagel zu hängen. Diese Situation fasst er selbst wunderbar zusammen. Auf jeden Fall unterbreitet ihm Mary-Jane den Vorschlag, einen Kampfsport-Kurs zu besuchen. Er ist dem Gedanken nicht gerade abgeneigt, kommt allerdings nicht mehr dazu. Ich würde es sehr cool finden, wenn Peter Parker zum echten Kampf-Profi ausgebildet wird. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass dies eingebaut wird.