Das Internet ist etwas Wunderbares

Diese Woche hat mir zum wiederholten Male gezeigt, warum ich gerne die Krautreporter unterstütze. Es ist ein fantastischer Zusammenschluss von Journalist*innen, die nicht nur über das tägliche Weltgeschehen informieren, sondern auch spannende Artikel und Essays zu allen möglichen Themen veröffentlichen. So wie eben den Text von Lisa Bullerdiek: Natürlich sollten wir das Internet retten.

Darin schreibt sie, wie wir unser Verständnis vom Internet verändern können, um eine positivere Sicht auf das ganze Thema zu haben. Denn wenn wir ehrlich sind, fühlen wir uns oft den Dingen ausgeliefert. Die Algorithmen sagen uns, was wir schauen und anklicken sollen; KI nimmt einen immer größeren, meist undurchsichtigen Platz im Internet ein und wir sind quasi nur passive Wesen, die zum Konsum verdammt sind. Doch das geht auch anders. Stattdessen „müssen wir uns als Teil von Netzwerken betrachten“. Wir nutzen die Dinge, die uns angeboten werden immerhin, also sind wir entsprechend ein Teil dieser verschiedenen Netzwerke.

Und wenn wir einmal ehrlich sind, dann möchte niemand das Internet abschalten, verbrennen und als ein gescheitertes Experiment betrachten. Dafür gibt es zu viele schöne Dinge darin. Mit Sicherheit hat jede*r von uns eine Nische, wenn nicht sogar mehrere, die als ein positives Beispiel dienen. Die wunderbaren nerdigen Seiten, in all ihren Farben und Formen. Seien es Koch- oder andere Hobbyseiten, Wikis, Fanseiten oder Facebook-Gruppen, wo man sich gegenseitig unterstützt. Vor ein paar Tagen habe ich das Magazin Elska vorgestellt als eine meiner neuesten Entdeckungen (Ein Monat voller Regenbögen).

Ein weiterer Vorschlag, der aus Lisa Bullerdieks Text herausgeht, ist, dass mehr Dinge, die wir für das Internet benutzen, aus öffentlicher Hand kommen sollten. Etwas, das man den großen Konzernen, wie Meta und Google, entgegenstellen kann. Browser oder dergleichen könnten von Universitäten kommen oder, wie ich finde, zu groß gewordene Archive im weitesten Sinne, die der Öffentlichkeit dienen und Existenzen finanzieren, in öffentliche Hand überführen. Das ist schon länger ein Gedanke, den ich mit mir herumschleppe: Warum ist YouTube noch immer in Googles Kontrolle?

Die Berufsbezeichnung YouTuber mag vor einigen Jahren noch lächerlich gewesen sein, doch mittlerweile verdienen sehr viele Menschen ihren Lebensunterhalt damit. Auf verschiedenste Art und Weise, mit den unterschiedlichsten Themen. Manche nur durch YouTube, andere nehmen noch Patreon, Steady und andere Finanzierungsmöglichkeiten hinzu. Der Kern des Ganzen ist aber deren YouTube-Kanal. Meiner Meinung nach müsste YouTube zu über 50 % aus öffentlicher Hand geführt werden. Ein Vergleich wäre vielleicht Wikipedia.

Ich halte es eigentlich für falsch und kritisch, die gesamten Einnahmen und die eigene Existenz von den Entscheidungen eines Unternehmens abhängig zu machen. Es mangelt allerdings an echten Alternativen. Aber nicht nur das ist YouTube mittlerweile geworden, ein Beruf, sondern es ist auch ein Archiv. Ein Archiv für alte und neue (Fernseh)Sendungen, Filme, Serien, Clips, Spiele, Anleitungen, Diskussionen und so viel mehr. Eine neue öffentliche Plattform zu gründen, ist zum Scheitern verurteilt. Allerdings ist es meiner Meinung nach im Interesse der Allgemeinheit, wenn Google nicht mehr die alleinige Kontrolle über YouTube hat. Es ist zu groß, zu vielfältig und zu einer zu zentralen Anlaufstelle geworden, wenn man etwas mit Videos machen möchte.

Das Internet, in all seinen Varianten, ist etwas Wunderbares. Aufgeben oder in die Nischen zurückziehen, ohne den Rest zu beachten, ist keine Lösung. Feiern wir das Positive daran, verändern wir unser Verständnis darüber, wie wir in diesen Netzwerken agieren, als aktive Teilnehmer. Wir sind dafür verantwortlich, was wir aus dieser variantenreichen Technologie machen.

Und noch viel wichtiger: Unterstützen wir diejenigen Projekte, die wir nutzen, damit es sie weiterhin gibt. Entfachen wir die Leuchtfeuer der positiven Beispiele, wie es Krautreporter eines ist. Hier noch einmal der Link zum besprochenen Artikel: Natürlich sollten wir das Internet retten