Schlaues Püppchen

Nach gut 40 Stunden ging die erste Runde Lies of P zu Ende. Ich schreibe »erste Runde«, da ich bereits in der zweiten bzw. Dritten stecke. Beide spiele ich mehr oder weniger parallel. Einmal im New Game Plus und einmal als komplett neuen Spielstand. Mal sehen, ob ich beide zu Ende bringen werde, aber aktuell macht das Spiel schlicht und ergreifen noch sehr viel Spaß. Die Gegner im NG+ sind nochmal ein Stück härter und gnadenloser, deshalb mal sehen, wie sehr meine Geduld ausreicht.

Allerdings sind alleine schon die Vielzahl an Entscheidungen, die man im Laufe des Spiels trifft, es wert, noch mindestens einen Durchgang zu starten. Wie wird sich der Protagonist entwickeln, wie verhalten sich die anderen Charaktere, welche Dialoge oder andere Begegnungen schaltet man frei? Es gibt immerhin drei Enden zu entdecken und da das Spiel von der Dauer her überschaubar ist, sind zwei weitere Durchläufe durchaus im Bereich des Möglichen.

Aber wie war denn nun das Spiel an sich? In einem Wort: episch. Die Bosskämpfe sind fantastisch gestaltet. Nicht nur von den Arenen her, sondern die musikalische Untermalung bereitet sehr viel Vergnügen und lindert die vielen Versuche, die man teilweise benötigt. Meistens kann man sich zwar Unterstützung dazu holen, doch am Ende, wo jeder Boss zwei Phasen hat, hilft das nur begrenzt weiter. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, die Bosse wären unfair. Sie sind zum Teil rasant und wirken erratisch oder verzögern Attacken noch mehr als Morgot in Elden Ring, doch irgendwann erkennt man die Muster.

Das Level-Design ist fantastisch. Oft habe ich mir gedacht, wo das wohl hinführen mag und der letzte Stargazer (Orte, an denen man im Falle eines Todes wieder erwacht), scheinen kilometerweit entfernt zu sein. Doch kaum geht man um die nächste Kurve, schaltet man eine Abkürzung frei und befindet sich wieder am Anfang des Levels. Ich muss unbedingt nach einer Karte suchen, ob jemand versucht hat, diese nachzuzeichnen. Die verschiedenen Orte, die man aufsucht, die Biome, wenn man so will, sind abwechslungsreich und kurzweilig. Nur das finale Kapitel zieht sich wie ein Kaugummi. Ich hatte schon gehofft, bald auf den Endgegner zu treffen, da kommen immer mehr Gegner und Ebenen und Türme und Gegner und Ecken und Gegner. Das war schon frustrierend, gegen Ende hin. Das hätte man durchaus um die Hälfte kürzen können.

Man sollte wehmütig sein, wenn es vorbei ist und nicht froh darüber, es endlich hinter sich gebracht zu haben. Falls ein zweiter Teil kommt, würde ich mir wünschen, dass sie das Ende knackiger gestalten. Der letzte Kampf, in meinem Fall die Namenlose Puppe, war zwar nochmal knallhart und man kann sich keine Unterstützung holen. Doch dieser Kampf hat für das langwierige Ende entlohnt. Es hat Spaß gemacht, diesen Gegner zu lernen und schließlich darüber zu triumphieren.

Lies of P ist ein fantastisches Soulslike. Eines der wenigen grandiosen Spiele dieses Genres, das nicht von FromSoftware stammt. Die Entwickler*innen haben ganze Arbeit geleistet und ich freue mich schon auf das bereits angekündigte DLC. Alleine deshalb muss ich es ja nochmal durchspielen. Wenn ich mit dem NG+ durch bin, steht Lords of the Fallen an. Mal sehen, ob ich diese Entscheidung bereue oder die vielen Patches geholfen haben, es zu einem guten Spiel zu machen.