Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich im Laufe des Lebens die Interessen verschieben. Das kann innerhalb eines Jahres natürlich mit den Jahreszeiten zusammenhängen. So habe ich mir vor Kurzem lieber ein neues Rad zugelegt, als mehr als doppelt so viel Geld in einen Gaming-PC zu investieren, weil ich im Sommer eben gerne draußen unterwegs bin. Außerdem lag mir ein neues Rad schon länger am Herzen und es war ein guter Zeitpunkt, um mir diesen kleinen Traum endlich zu erfüllen. Im Frühjahr, wenn es noch kälter und verregneter ist, verbringt man vielleicht mehr Zeit drinnen und liest entsprechend viel, während später Spiele interessanter werden und im Herbst die Warhammer-Sachen aus dem Schrank geräumt werden.
Vielleicht liegt es aber schlicht und ergreifend an mir, dass ich gerne Abwechslung haben möchte und mich gerne mit unterschiedlichsten Dingen beschäftige. Es gibt solche Phasen und diese Phasen und alle haben ihren rechtmäßigen Platz. Solange man sich nicht von diesen Dingen stressen oder unter Druck setzen lässt, ist alles in Ordnung. Immerhin sind all das Hobbys, die Freude bereiten sollen. Sie sind kein Beruf oder etwas, mit dem man Geld verdient. Wobei es manche schaffen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Dabei ist natürlich die Frage, ob man das möchte. Aber das führt für heute etwas zu weit.
Wenn man über viele Jahre ein Hobby verfolgt, sich darin regelrecht verbeißt und alle möglichen Aspekte davon lernt, kann das sehr viel Spaß machen. So war es bei mir mit Comics. Zwar lese ich schon mein ganzes Leben mehr oder weniger Comics und lese sie noch immer gerne, doch die Intensität und Frequenz hat deutlich abgenommen. Über 10 Jahre gab es für mich quasi kein anderes Hobby. Außer Sport natürlich, aber das betrachte ich als ein Muss, das bei mir immer mitläuft.
Jedenfalls habe ich mich über 10 Jahre intensiv mit Comics beschäftigt. Podcasts gehört, Reading Orders recherchiert und zusammengestellt, Rezensionen, Essays und andere Texte darüber geschrieben, Bücher gelesen und mich mit deren Geschichte beschäftigt. Es ist ein faszinierendes und leider immer noch vielfach unterschätztes Medium. Comics sind eben wie der Film nur ein Medium, in dem allerdings unzählige Geschichten erzählt werden können. Seien es welche für Kinder, Horror-Geschichten oder Biografien; die dominanten Superhelden-Comics oder Sci-Fi-Epen wie Saga, hin zu Indie-Meisterwerken wie Usagi Yojimbo oder eine Kombination aus allen, wie es zu den besten Zeiten von Sandman war. Es ist Grenzenlos.
Doch ich habe für mich festgestellt, dass diese intensive Phase am Abflachen ist. Ich möchte mich nicht mehr in diesem Detailgrad mit dem Thema beschäftigen. So manche WebComics bei Tapas oder WebToon habe ich natürlich weiterhin im Blick oder auch Künstler*innen, die ich seit Jahren über Patreon unterstütze. Ganz werde ich dieses Medium nie ablegen können, weil es für mich die interessanteste Weise ist, Geschichten zu erzählen. Außerdem möchte ich natürlich wissen, wohin sich das Medium hinentwickelt.
Der Punkt ist, dass es selbstverständlich in Ordnung ist, wenn man sich von einem Hobby entfernt. Dies kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Nur sollte man sich eben dann nicht darauf versteifen und sich dazu zwingen. Es ist ein Hobby und Interessen verschieben sich. Man verändert sich mit der Zeit eben doch – hoffe ich zumindest – entwickelt sich weiter und damit verändern sich die Präferenzen der Freizeitgestaltung. Ebenso verändern sich die Menschen, die einem wichtig sind, mit denen man Zeit verbringt und die einen ebenso beeinflussen. All das ist in Ordnung und vielleicht findet man irgendwann auch wieder zurück zu einem einst geliebten Thema.