Unnötige Kommentare

Letztens war ich morgens eine Runde laufen. Im Urlaub wurde mir erst wieder so richtig bewusst, wie viel Freude es mir bereitet, den Tag nicht nur früh zu starten, sondern wie fantastisch es ist, im Sommer früh Sport zu machen. Sei es eine Runde mit dem Rad zu fahren oder, wie an jenem Morgen, eine Runde zu laufen. Zum Aufwärmen etwas Yoga, um die Muskeln in Gang zu bringen und die Reste des Schlafs abzuschütteln, dann konnte es auch schon losgehen.

Eigentlich hatte ich nur eine kleine Runde geplant. Vor allem deshalb, weil mir seit ein paar Wochen das linke Knie beim Laufen Probleme bereitet. Doch das Radfahren scheint sich positiv auf das Knie ausgewirkt zu haben, da ich nach 15 Minuten noch nichts Unangenehmes spürte. Deshalb beschloss ich spontan, die Runde zu vergrößern. Unter anderem mit dem unlogischen Hintergedanken: wenn ich 40 Kilometer mit dem Rad fahren kann, dann kann ich ebenso 40 Minuten laufen. Ergibt absolut keinen Sinn, aber wenn es um Motivation geht, greift man nach jedem Strohhalm.

Die Runde verlief hervorragend. Es war sonnig, aber kühl. Es wehte ein leichter Wind, auf den Straßen war kaum etwas los. Außerdem war es Samstag, 8 Uhr morgens, von daher fiel der Berufsverkehr ebenso weg. Einfach fantastisch. Ich war schon fast zu Hause, auf dem Höhepunkt der Runde, fühlte mich fantastisch, da bemerkte ich eine Spaziergängerin mit Hund vor mir. Verständlicherweise nahmen sie den gesamten Gehsteig ein, der in 100 Metern oder so ohnehin endete.

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Hunden beschloss ich, auf die andere Straßenseite zu wechseln. Da der Gehsteig aufhörte, war die Straßenseite sowieso egal. Es fuhren keine Autos, niemand sonst war unterwegs. Wir beide gingen unseren jeweiligen Aktivitäten nach. Ich war schon ein Stück vor der Spaziergängerin mit dem Hund, da fuhr ein älterer Herr auf einem Fahrrad an mir vorbei. Er fühlte sich bemüßigt, in halblautem Ton und mehr zu sich selbst, als zu mir, zu sagen: „Angst vorm Hund?“

Was soll das? Alle drei, die wir morgens, an einem schönen Samstag unterwegs sind und uns um unsere jeweiligen Aktivitäten kümmern, nehmen niemanden etwas weg. Wir stehen uns nicht im Weg, es war genug Platz. Ich war gerade drauf und dran, eine für mich perfekte Runde zu laufen. Es gäbe viele Gründe, warum ich gerade auf dieser Straßenseite unterwegs war. Warum fühlt man sich bemüßigt, einem fremden Menschen seine dumme, beschränkte Meinung aufzuhalsen? Wenn ich anderen Menschen mit meinem Verhalten weder schade noch im Weg stehe, warum kümmert es dann andere, was ich mache? Was hat sich dieser alte Mann dabei erhofft, zu gewinnen?

Nicht nur einmal habe ich es erlebt, dass Hunde auf mich zu gerannt sind. Manche davon laut bellend. Manche konnten nur mit Mühe von ihren Besitzern aufgehalten werden. Wenn man sich die meisten Hundebesitzer ansieht, denen man im Alltag begegnet, scheinen eher die Hunde die Anführer zu sein und nicht die Menschen. Manche bleiben fast schon panisch mit ihren Hunden stehen und versuchen ihren Fokus auf sich zu ziehen, wenn man an ihnen vorbeigeht oder -läuft, weil sie nicht wissen, wie der Hund reagieren wird. Ich hatte schon Hunde, die bellend um mich herumgesprungen sind, während ich an deren Revier vorbeiging und kein Besitzer in Sichtweite war. Es ist nicht so, als hätte ich Angst vor Hunden. Es ist eher so, dass ich die Menschen verachte, die sich nicht um ihre Hunde kümmern und was diese anstellen könnten. Denen es egal zu sein scheint. Denen der Hund egal ist. Warum sie sich dann einen zulegen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Mir tun diese Hunde leid.

Ich habe dann zu Hause noch etwas trainiert und einen restlichen, fantastischen Samstag genossen. Unter anderem mit dem tollen Spiel Lies of P und dem Erfolgserlebnis eines großartigen Laufes. Ich lasse mir vom beschränkten Horizont anderer Menschen meinen Tag nicht ruinieren. Immerhin hat er mir eine Idee und einen Grund für einen Text gegeben. Unnötig und dumm war der Kommentar trotzdem.