Kein (Inter)Stellar Blade

Als ich vor wenigen Wochen Stellar Blade gekauft und angefangen habe zu spielen, war ich eigentlich noch guter Dinge. Die Grafik war fantastisch, die Geschichte entwickelte sich langsam und allein der Anfang startete wunderbar cineastisch. Außerdem ist die Protagonistin nicht unsympathisch. Sie ist als eine Kriegerin einer interstellaren Armee auf die Erde gekommen, um die Menschheit zu retten (vielleicht, so richtig habe ich es nicht verstanden). Deshalb ist sie so eine Art »fish out of water« und kennt die Kulturen nicht. Das führt besonders am Anfang zu witzigen Dialogen.

Doch innerhalb weniger Stunden entwickelt sich alles an dem Spiel zu einer Aneinanderreihung nerviger Aufgaben und schlechten Dialogen. Aber alles der Reihe nach. Fangen wir mit den Charakteren an, die im Laufe des Spiels unsere Protagonistin Eve begleiten. Allen voran Adam, der Eve am Anfang gerettet hat, nachdem sie von einem Alpha Naytiba umgehauen wurde (dem wahrscheinlichen Endboss). Naytibas sind die Kreaturen, vor denen wir die Erde retten müssen. Anfangs führt Adam Eve unterhaltsam in die Eigenheiten der Erde und ihre Vergangenheit ein, doch stetig entwickelt er sich zu einem sehr unnötigen Erzähler.

Ständig berichtet er von Dingen, die wir selbst ausgelöst haben, sagt, was wir ohnehin sehen und gibt unnötige Kommentare von sich. Außerdem legt er deutlich misogyne Tendenzen an den Tag. Eve ist eine Kriegerin, genauso wie Lilly, die später noch dazu kommt und unsere Tech-Expertin ist. Doch ständig spielt er sich auf, die Leistungen der anderen herunter und hat ein Ego, so groß wie der Weltraumlift hoch ist. Begleiter in Spielen sind allgemein eine schwierige Sache, da sie schnell zu aufdringlich werden. Da wünscht man sich, dass jeder das Feingefühl der Lies of P-Entwickler*innen hätte. Dort ist Gemini unser Begleiter und Guide durch die Welt. Er meldet sich nur gelegentlich zu Wort. Aber wenn er es tut, ist es pointiert und unterhaltsam.

Adam ist das genaue Gegenteil von Gemini. Dadurch kann die toll inszenierte Spielwelt nicht auf uns wirken. Wenn ständig jemand kommentiert, was passiert und was wir sehen, geht die Epik und die Faszination irgendwann verloren. Aber kommen wir zu Lilly. Sie mochte ich anfangs ganz gerne, als Ausgleich zu Adam. Vor allem ihre übertrieben freundliche Art und Motivation ist ansteckend. Sie versprüht eine gewisse Leidenschaft. Doch wird sie immer wieder von Adam kleingeredet, bevormundet oder so dargestellt, als wäre sie eine frische Praktikantin, die keine Ahnung hat. Sie ist, wie Eve, eine interstellare Kriegerin – bitte schreibt die Charaktere dann auch entsprechend.

Das ist aber ein allgemeines Problem von Eve, Lilly und den anderen Kriegerinnen, denen wir begegnen: Ich kaufe ihnen ihren Status als diese übermenschlichen Wesen und mächtige Entitäten nicht ab. Ihr Verhalten und die Art der Dialoge passt einfach nicht dazu. Hier würde ich mir manchmal ein forscheres Auftreten wünschen, mehr Durchsetzungsfähigkeit und ein Zurechtweisen von Adam, wenn er mal wieder zu viel redet. Das hätte dem ganzen Spiel gutgetan und die Dringlichkeit der Mission unterstrichen.

Die Geschichte an sich war anfangs spannend, dann etwas diffus, am Ende hat sie mich nur noch verwirrt. Die schockierenden Enthüllungen habe ich offen gestanden nicht verstanden. Das kann natürlich an mir liegen, da ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr wirklich auf die Dialoge geachtet habe. Trotzdem war das Gerede um Mother Sphere, eine Art künstliche Intelligenz, nicht wirklich nachvollziehbar. Auch der Krieg zwischen den Menschen, den Monstern und den von Mother Sphere geschaffenen Menschen 2.0 habe ich nicht verstanden.

Sind wir nicht hier, um Krieg gegen die Naytiba zu führen? In den wenigen Dialogsequenzen wird zwar viel gesagt, aber wenig erzählt. Viel passiert wahrscheinlich anhand der Text-Dateien und dergleichen, die man findet, doch das Spiel motiviert nicht dazu, diese zu lesen. Mir war auch nicht klar, dass es einen so großen Unterschied zwischen den Menschen, die sich Cyborg-artig weiterentwickeln und der Art von Wesen gibt, wie Eve und Lilly es sind, gibt. Klar sind die Kriegerinnen agiler und bestehen wahrscheinlich hauptsächlich aus einer fortgeschrittenen Technologie, aber so richtig wird dieses scheinbare Zweiklassensystem dann auch wieder nicht dargestellt. Es wird mir nur erzählt.

Das Design der Welt hat mir Anfangs sehr gefallen. Zum Kauf überzeugt hat mich tatsächlich der Weltraumlift. Ich habe eine Szene gesehen, wo sich der Sichtschutz öffnet und man auf eine traumhaft inszenierte Erde hinabblickt. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mich durchgequält, bis ich schließlich das Spiel erbost gelöscht habe.

Diese Szene kommt nämlich erst nach gut zwei Dritteln des Spiels. Es heißt immerhin Stellar Blade, da hatte ich mir mehr Levels im Weltraum oder dessen unmittelbare Nähe gewünscht. Doch man läuft ständig in der Wüste herum, kämpft sich durch diverse Bunker und ruinierte Städte. Letztere zählen noch zu den besten und abwechslungsreichsten Orten des Spiels. Über Zion, die letzte Zuflucht der wenigen überlebenden Menschen, will ich gar nicht reden. Hier schlägt auf kleinem Raum plötzlich die Ubisoft-Formel überraschend zu. Nach jeder Mission tauchen mehr und mehr neue Rufzeichen auf, die erledigt werden wollen. Die meisten habe ich ignoriert.

Wenn das Spiel es schon nicht schafft, dass mich die drei Hauptpersonen interessieren, wieso soll ich mich dann um den Rest der Menschheit scheren. Hier kommt auch die verwirrende Geschichte wieder zum Tragen. Auf welcher Seite stehe ich überhaupt? Was mache ich überhaupt auf der Erde? Warum schickt man so viele Air Squads dorthin, die dann doch alle sterben? Warum sitzt ein weißer alter Mann mit langem weißem Bart in der Mitte eines leeren Raumes, umzingelt von Büchern und einem einsamen Baum und erzählt uns die Geschichte, als ob nicht schon genug Klischees aufgegriffen wurden?

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Schwierigkeitsgrad. Die Kämpfe an sich sind toll inszeniert und machen besonders in den ersten Stunden des Spiels unfassbar viel Spaß. Ich habe erst den normalen Modus verwendet, wo die Gegner etwas herausfordernd sind. Doch nachdem ich festgestellt habe, dass ich eigentlich nur die Geschichte erleben will, auf den entsprechenden Story Modus umgeschaltet. Dort sind die Gegner einfacher. Doch aber einem gewissen Zeitpunkt zieht der Schwierigkeitsgrad gewaltig an. Die Gegner halten sehr viel mehr aus, ich mache kaum schaden und prügle mich gefühlte Minuten durch unnötig viele Gegner. Vielleicht müsste man alle Nebenmissionen machen, um sich entsprechend aufzuleveln, aber die Motivation dazu schafft das Spiel nicht zu entwickeln.

Zudem gibt es dann noch diverse Parkour-Elemente und sogenanntes Plattforming. Das zählt zu den unterhaltsamsten und zugleich frustrierendsten Stellen des Spiels, da sich Eve einfach nicht präzise genug steuern lässt. Da will das Spiel zu viel auf einmal machen.

Stellar Blade sieht von der Aufmachung, Grafik und anscheinenden Geschichte aus, wie ein hochwertiges und poliertes Spiel. Doch allmählich kommen die Makel hervor. Von den schlecht geschriebenen Dialogen, die zum Teil dummen Charaktere (abgesehen von Eve und Lilly) und der undurchsichtige Schwierigkeitsgrad, machen das Spiel leider zu keinem guten Erlebnis. Die schockierenden Twists verpuffen in einer undurchsichtigen Geschichte, die nicht gut genug den Spieler*innen klargemacht wird. Am Ende bleibt für mich dann nicht genug Motivation übrig, das Spiel zu Ende zu bringen. So wie bei schlechten Büchern muss man auch schlechte Spiele nicht gezwungenermaßen beenden. Ich freue mich, wenn jemand Spaß am Spiel hat, aber für mich bietet es bedauerlicherweise zu wenig.