Aktuell scheine ich kein Spiele-Glück zu haben. Damit meine ich nicht, dass ich es nicht durch die Level schaffe, es zu schwer ist, oder Pech hätte und dauernd von Klippen falle – was natürlich nie passiert, besonders bei Elden Ring nicht. Eher meine ich damit, dass ich kein Spiel finde, dass mich so richtig packt und mitreißt. Das letzte Spiel, dass das geschafft hat, nach besagtem Elden Ring, war Lies of P. Über Stellar Blade habe ich letztens schon ausführlich berichtet und warum es nicht mein Spiel ist. Heute geht es um Spirit of the North.
Ich hatte sehr viel Hoffnung in dieses kleine Indie-Spiel. Es sieht charmant aus und es dauert nur wenige Stunden, bis man durch ist. Eine nette Kleinigkeit für zwischendurch. Besonders weil man darin einen Fuchs spielt und im Klappentext stand, dass man es mit der nordischen Mythologie und Sagenwelt zu tun bekommt. Sich durch eine magische Welt bewegt. Alles optimale Vorzeichen für ein tolles Spiel; eigentlich. Was genau das Ziel ist, wusste ich nicht, aber es klang interessant und spannend.
Was Füchse anbelangt, habe ich vergangenes Jahr mit Endling – Extinction is Forever bereits hervorragende Erfahrungen gemacht. Es spielt in einer Post-Apokalyptischen Welt, was genau passiert ist, weiß man aber nicht. Auch darin spielt man eine Füchsin. Sie hat gerade Junge bekommen. Nun muss man sich um diese kümmern und sie versorgen, an sichere Orte bringen und den Menschen aus dem Weg gehen. Es kommt fast komplett ohne Dialog aus. Wie soll ein Fuchs auch sprechen? Ein tolles kleines Spiel, mit viel Herz.
So etwas habe ich mir nun von Spirit of the North erhofft. Doch leider fühlt es sich sehr uninspiriert und repetitiv an. Am Anfang sieht man einen Fuchs, der sich durch eine Schneelandschaft bewegt, über Berge rennt und scheinbar ein Ziel verfolgt. Schließlich erhalten wir die Steuerung und bewegen uns selbst durch diese Schneelandschaft. Am Himmel sieht man etwas rotes, bedrohliches Wabern. Wir bewegen uns scheinbar auf dieses Etwas zu, um die Welt davon zu befreien.
Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Geisterwesen, das ebenfalls wie ein Fuchs aussieht. Es führt uns und zeigt uns den Weg. Immer wieder findet man magische Stäbe von Schamanen, die man zu den Überresten besagter Schamanen bringt und so ihren Seelen die letzte Ehre erweist. Das kommt immer wieder vor und anfangs war es eine nette Idee. Aber jeder Stab und alle sterblichen Überreste sehen mehr oder weniger gleich aus und vollführen dieselben Gesten.
Ich hätte mir mehr Abwechslung und Einfallsreichtum erwartet. Wer waren diese Schamanen? Wie sind sie gestorben? Wie sind sie hierhergekommen? Außerdem ist es sehr leicht diese Stäbe zu übersehen. Dann findet man zwar die sterblichen Überreste, doch sucht vergebens nach dem Stab. Läuft man nun weiter, kommt man aber nicht mehr zurück. Bereits den zweiten Schamanen habe ich übersehen, was dann schon etwas frustrierend war.
Spirit of the North kommt ohne Dialoge aus und die Stunde, die ich gespielt habe, ohne Kampfsystem. Beides finde ich sehr charmant. Besonders das nicht kämpfen müssen ist zwischen soulslike Spielen sympathisch. Dafür löst man Rätsel. Leider tragen diese Rätsel das Spiel nicht wirklich. Das anfängliche lineare Level-Design öffnet sich abschnittsweise zu größeren Arealen, wo man einen Weg zum nächsten freischalten muss. Dafür bedient man sich Geisterblumen, die den Fuchs mit entsprechender Energie versorgen. Diese kann man dann einsetzen, um bestimmte Steine mit eingravierten Symbolen zu aktivieren und Wege freizuschalten oder Dinge zu aktivieren.
An sich eine nette Idee, aber das Holen der Energie, bei diesen blauen Blumen wird schnell mühsam. Zu einem früheren Zeitpunkt hat uns der Geisterfuchs das Leben gerettet und hat sich quasi mit uns verbunden. Wieso muss ich mich immer wieder aufladen, wenn ich doch den kompletten Geist dieses mystischen Fuchses übernommen habe? Eine andere Idee wäre es, dass ich allein schon beim. Vorbeigehen an den Blumen entsprechende Energie bekomme. Jedes Mal aber eine Geste auszuführen, wird schnell mühsam.
Und apropos repetitiv: Nachdem man das erste Mal durch Wasser geschwommen ist, schüttelt sich der Fuchs, um sich zu trocknen. Eigentlich ganz süß. Doch die Level sind des Öfteren mit viel Wasser ausgestattet und die Steuerung so unpräzise, dass man ständig nass wird. Die paar Sekunden, die das Ausschütteln dauern, werden so schnell von süß zu nervig.
Zum Schluss noch ein Wort zur Grafik. Endling, das ich vorhin erwähnt hatte, zeichnet sich durch einen eher Comic-artiges Design aus. Es will nicht fotorealistisch sein, sondern hat einen eigenen Stil entwickelt. Spirit of the North ist ambitionierter, wenn man so will. Zwar kein Fotorealismus, doch es will schon in einem Stil daherkommen, der imposant wirken soll und die Welt detailliert darstellen. Leider sieht es so aus, als wäre es vor 10 Jahren entwickelt worden. Die Welt an sich ist fantastisch und die Ideen vielversprechend, doch bedauerlicherweise schaffen die Entwickler*innen es nicht, diese großen Ambitionen entsprechend umzusetzen.
Ich hätte wirklich gerne dieses Spiel geliebt, vor allem weil es so viel Potenzial in sich vereint. Das kampflose Gameplay, die Rätsel, die man lösen muss. Die versprochene nordische Mythologie habe ich in der ersten Stunde des Spiels kaum wahrgenommen. Das alles kombiniert mit einer unpräzisen Steuerung und äußerst wiederholendem Gameplay, macht Spirit of the North leider nicht, zu meinem nächsten Hit.