Nonnberg

Am Wochenende, wie sollte es anders sein, war ich mal wieder in Salzburg unterwegs. Es war am Freitag gleich Mittag nach der Arbeit, da eine Führung im Kloster Nonnberg anstand. Eigentlich hatten wir diese Führung schon früher buchen wollen, aber diese war so überrannt, dass wir einen Ersatztermin bekommen haben. Die Führungen wurden von der SN organisiert, wenn ich das richtig verstanden habe und entsprechen beworben. Durchgeführt wurden diese allerdings selbstverständlich von den Schwestern dort selbst.

Es war im Prinzip eine drei-geteilte Führung und hat sich auf drei Räume des Klosters bezogen. Im ersten Teil haben sie uns die lange Geschichte des Klosters, kompakt zusammengefasst, erzählt. Immerhin besteht das Kloster Nonnberg bereits seit über 1.300 Jahren. Eine beachtliche Leistung, da es im Laufe der Zeit des Öfteren kurz vor der Schließung stand. Besonders interessant, abgesehen von der Geschichte selbst, war das Ambiente, wo diese zum Besten gegeben wurde.

Wir wurden am Anfang in die Gruft geführt, genauer gesagt dorthin, wo die Relikte der heiligen Erentrudis beigesetzt sind, die den Orden ursprünglich gegründet hat. Im Laufe der Erzählung stellte die Schwester immer wieder ihre Bedeutung für den Orden hervor und dass sie stets eine Rolle spielt. Wirklich erstaunlich. In der Gruft war es nicht nur angenehm kühl, sondern auch sehr dunkel. Es gab wenige kleine Fenster, durch die spärlich blendendes Licht herein strahlte. Der Rest lag vollkommen im Dunklen. So hat man die Schwester, die die Geschichte des Klosters erzählte, kaum gesehen, ebenso wenig die anderen Teilnehmer*innen. Ein paar Kerzen hätten zwar nicht geschadet, doch hatte es dort unten eine ganze eigene, mystisch-düstere Stimmung.

Im kurzen zweiten Teil wurde die Kirche selbst vorgestellt, ihre Altäre, wo die Schwestern ihren Gottesdienst abhalten und ein paar weitere Details zur Geschichte. Leider war dort die Akustik nicht ganz so gut. Deshalb sind wir dann rasch weitergegangen in den Chorraum. Dort wird jeden Tag mehrmals gebetet und gesungen – zum Teil sogar auf Latein und Gregorianisch.

Den dritten und letzten Teil übernahm eine andere Schwester. Sie hat uns den Alltag der Nonnen geschildert und Fragen beantwortet. Es waren sehr interessante Ausführungen. Zwar hat man den beiden Schwestern, die die Vorträge abhielten, angesehen, dass sie es nicht wirklich gewohnt sind, solange und vor Publikum zu sprechen, doch beide haben ihren Teil hervorragend gemacht. Die Struktur der Erzählungen und Schilderungen war toll und man hat beiden sehr gerne zugehört. Man merkte auch, dass das Interesse des Publikums groß ist.

Das liegt natürlich unter anderem daran, dass dies eines der ersten Male ist, dass tatsächlich öffentliche Führungen im Kloster stattfinden. Normalerweise sind die Nonnen sehr für sich und abgeschieden vom restlichen Treiben der Stadt. Doch durch die aktuellen Sanierungen benötigen sie Geld und Förderungen, da hilft es natürlich mehr Publicity zu machen. Ich finde das sehr gut und hoffe, dass in weiteren Führungen noch mehr Teile des Klosters vorgestellt und präsentiert werden. Immerhin ist es ein Teil der Salzburger Geschichte und es wäre schade, wenn es hinter den Mauern versteckt bleiben würde.

Mit dieser Führung erkennt man nun ebenso die Unterschiede zwischen den verschiedenen Orden. Seien es die St. Peter oder Kapuziner, alle haben ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Auftrag, ihre eigene Daseinsberechtigung. Wobei mir das Vorgehen der Kapuziner fast am meisten zusagt, da sie sehr modern und weltoffen wirken. Wer die verschiedenen Klöster noch nicht kennengelernt hat, ich kann es nur empfehlen. Es ist ein faszinierender Blick in die Geschichte und in andere Lebensweisen.