Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 10

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns die 10. Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Der Text ist ursprünglich am 28. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog erschienen, den es heute nicht mehr gibt.

Beim erneuten Lesen und Redigieren des Textes ist mir aufgefallen, dass es sich eher um eine Zusammenfassung des Inhalts handelt, als um eine Rezension. Ich bewerte das Gesehene nur zum Teil. Es ist mir aus heutiger Sicht zu wenig. Besonders den Teil mit der Folter und dem Flug überspringe ich zügig. Vielleicht auch deshalb, weil es eine äußerst unangenehme Szene ist und ich so etwas eigentlich nicht mag, in meinen Spider-Man-Geschichten. Doch besonders modernere Autoren (ich verwende hier bewusst die männliche Form) scheinen ihren Gefallen daran zu haben, den Charakter leiden zu sehen.

Am sauersten ist mir das bei dem Run von Nick Spencer aufgestoßen, der vor ein paar Jahren endete. Am Anfang machte der Comic noch richtig Spaß, fühlte sich frisch und voller Energie an. Doch dann hat er sich in seiner Haupterzählung, wenn man so will, verloren. Am schlimmsten war es, wo Spider-Man mehrere Male qualvoll getötet wurde, nur um dazwischen reanimiert und gefoltert zu werden. Von mir aus kann man das alle paar Jahrzehnte mal machen, aber dann sollte der nächste Story-Arc doch bitte mit den Konsequenzen davon umgehen und Peters Trauma aufarbeiten. Vielleicht ist das zu viel verlangt von einem Superhelden-Comic, aber wenn man schon die tiefsten Tiefen herbeischreibt, dann muss man die Geschichte auch zu Ende bringen (die erwähnten Konsequenzen) und nicht einfach abbrechen und »Ende« auf die letzte Seite schreiben.

Immerhin sollen diese Geschichten am Ende des Tages inspirieren. Und was ist inspirierender als ein gefallener Held, der seinen Dämonen ins Gesicht spuckt und sich wieder aufrichtet? Nur muss man das eben auch zeigen, erzählen und den Leser*innen vermitteln. Qualen nur wegen der Qualen zu erzählen ist sinnlos und einfach nur monströs, da kann man sich genauso gut Saw anschauen.


Die Hollywood-Storyline ist sowohl tragisch als auch eine große Werbung für den ersten Spider-Man-Film mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. Als Gegner darf Otto Octavius wieder zeigen, was er drauf hat. Es ist gerade etwas viel Otto, da ich parallel die Superior Spider-Man-Reihe genauer unter die Lupe nehme. Aber solange die Qualität der Comics so weitergeht, habe ich nichts dagegen.

  • Ausgaben: #54 bis #59
  • Erscheinungsdatum: Mai bis Juli 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Art Thibert
  • Colors: Transparency Digital
  • Letters: Chris Eliopoulus

„Please believe me, I’ll tell you everything but believe me – – I did not kill your father.“ – Peter Parker

Gwen und Peter sind allein zu Hause, da sich Tante May etwas Urlaub gönnt, also der perfekte Zeitpunkt, dass einiges schiefgeht. Zum einen haben wir den titelgebenden Film. In der Schule ist dieser natürlich Thema Nummer Eins, was nicht unbedingt auf Gegenliebe bei Peter stößt, da sie seine Geschichte nicht sehr wahrheitsgemäß wiedergeben. Es ist ziemlich witzig, dass die gleichen Namen auftauchen, die auch tatsächlich beim Spider-Man-Film mitgewirkt haben. Von Avi Arad, über Sam Raimi, hin zu Tobey Maguire. Schöne Easter Eggs. Kong, ein Mitschüler von Peter, bewirbt sich schließlich auch noch für eine Statistenrolle und wird überraschenderweise gecastet, womit das Thema endgültig in den täglichen Gesprächen eingemeißelt ist.

Am meisten schockiert hat mich Gwens Reaktion. Sie steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil sie nicht glauben kann, dass es einen Film über den Mörder ihres Vaters geben soll. Unterbewusst weiß sie zwar, dass es nur ein Typ in einem Spider-Man-Kostüm war und nicht der echte, aber im Moment spielt dies keine Rolle. Sie will nur jemanden in einem Kostüm leiden sehen, ihn sogar töten. Dazu hat sie später sogar die Möglichkeit. Während Peter mit Octavius beschäftigt ist, schnüffelt sie in seinen Sachen herum und findet eines seiner Kostüme. Dies führt zu einer Konfrontation, die es in sich hat. Sie richtet eine Waffe auf ihn.

Besonders in dieser Szene erkennt man wieder die Talente von Bendis und Bagley. Peter redet auf sie ein, während er sie überrumpelt und ihr den Mund zuhält. Denn zufällig kommt zur selben Zeit Tante May nach Hause. Die Gesichtsausdrücke der beiden sind fantastisch umgesetzt. Peters verzweifelter Blick, dass Gwen ihm doch bitte glauben mag und ihr trauriger, nicht minder verzweifelte Miene. Die Auflösung dieses Konflikts folgt wenig später in der Geschichte und ist äußerst überraschend. Gwen ist dankbar für das, was Peter und May für sie getan haben und akzeptiert nicht nur die Tatsache, dass er Spider-Man ist, sondern schwört sogar, das Geheimnis mit ins Grab zu nehmen.

Die drei (Peter, MJ und Gwen) in einem Raum zu sehen und über die Spider-Man-Sache diskutieren und lachen zu sehen, ist eine der schönsten Szenen der Story-Arc. Sie sind Freunde, die sich nicht nur ein großes Geheimnis teilen, sondern auch auf der gleichen Seite stehen. An einem Strang ziehen. Und dass MJs Mutter ihren tyrannischen Vater endlich rausgeworfen hat, ist die Kirsche auf der Sahne.

Der Kampf zwischen Octavius und Peter ist sehr cool gestaltet und führt gefühlt durch die halbe Stadt. Jedes Mal, wenn Peter von einem seiner Metallarme getroffen wird, zucke ich zusammen, weil es so schmerzhaft und endgültig aussieht. Er teilt zwar auch gut aus, wird aber schließlich K. O. geschlagen. Daraufhin findet er sich in einem Flugzeug wieder, wo er von Otto gefoltert wird. So talentiert die beiden Künstler der Reihe mit emotionalen Szenen sind, so geschickt sind sie auch mit solch grausamen Abschnitten. Am liebsten würde man den Comic anschreien, er soll aufhören, aber es hilft nichts – da muss man durch. Schließlich landen sie in Brasilien und Peter gewinnt doch noch die Oberhand. Doch wie soll er jetzt bloß nach Hause kommen? Was das anbelangt, wird er ziemlich kreativ.

Die letzte Szene von „Hollywood“ ist eine echte Befreiung, da sie zeigt, wie Nick Fury, vor den Augen von Octavius, dessen Arme in ein flüssiges, heißes Metallbad wirft und diese somit endgültig vernichtet. Ob sich Otto davon erholt?