Wie jede Woche schauen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Wir machen weiter mit unserer Reise durch die Ultimate Spider-Man-Reihe und der 12. Collected Edition. Der Text erschien zum ersten Mal am 25. November 2016 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet.
Kurzgeschichten haben ihre eigene Magie. Die Autor*innen müssen innherhalb kurzer Zeit viel machen und es schaffen, die Leser*innen in den Bann zu ziehen. Eine der besten Beispiele aus dem Filmbereich sind wohl die ersten 10 Minuten von Up (Oben). Sie führen einen der Protagonisten ein und zeigen sein bisheriges Leben und wie er in die aktuelle Situation gekommen ist. Jahrzehnte werden dargestellt, ohne auch nur ein einziges Wort. Trotzdem ist es eine emotionale Achterbahnfahrt sondergleichen. Wer da keine Träne vergießt, sollte sich Gedanken machen.
Aber heute geht es um Spider-Man und Comics. So sehr ich die längeren Geschichten schätze und mag, so sehr mag ich auch die Kürzeren. Leider sind sie eher selten zu finden, im Comic Bereich. Wenn, dann sind es Limited Runs, mit sechs oder zwölf Ausgaben, aber wirkliche Kurzgeschichten muss man bewusst suchen. Deshalb ist diese Collected Edition eine willkommene Abwechslung. Vor allem nachdem, was alles in den vorangegangenen Geschichten passiert ist.
Der Handlungsbogen namens Superstars beherbergt drei Zweiteiler, die alle mit tollen Gaststars aus dem Marvel-Universum aufwarten können. So weitet sich die Welt des jungen Peter Parker erneut. Was bei den Geschichten auffällt, ist, dass diese immer düsterer und dramatischer für unseren Helden werden. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis er sich von den buchstäblichen Albträumen erholt hat.
- Ausgaben: #66 bis #71
- Erscheinungsdatum: Dezember 2004 bis März 2005
- Autor: Brian Michael Bendis
- Künstler: Mark Bagley
- Inks: Art Thibert
- Colors: Transparency Digital
- Letters: Chris Eliopoulus
„This is the last part of this story, I promise. (I mean, even I couldn’t milk three issues out of this.)“ – Brian Michael Bendis
Der erste Zweiteiler beginnt mit einer kleinen Vorrede von Brian Michael Bendis, der von Mark Bagley in Szene gesetzt wird und sich direkt an die Leser*innen richtet. Er spricht davon, dass es Geschichten im Leben eines Autors gibt, die einfach erzählt werden müssen. Man will sie nicht nur erzählen, man muss. Sie müssen raus und in die Welt gebracht werden. Die folgende Geschichte zählt nicht zu dieser Kategorie. Dieses kleine Intermezzo wird schließlich im zweiten Teil fortgesetzt, wo er seinem Editor die Schuld für diese Geschichte gibt und ihn sogar würgt. Eine ziemlich lustige Einleitung für eine der wohl verrücktesten Geschichten, die ich bisher von der Ultimate Spider-Man-Reihe gelesen habe.
Wir steigen mit einem äußerst übellaunigen Peter Parker in die Handlung ein, der nicht nur Tante May, sondern auch MJ geradezu anschnauzt und eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben möchte. Doch kurze Zeit später sehen wir Wolverine, wie er in einem dreckigen, kleinen Apartment aufwacht und sich über den abstrusen Gestank beschwert. Geschockt blickt er in den Spiegel und wundert sich, was mit ihm passiert ist. Peter und Wolverine haben aus unerfindlichen Gründen die Körper getauscht und bis das Schlamassel wieder in Ordnung gebracht ist, müsste der Mutant für Peter in die Schule gehen, da dieser ansonsten suspendiert würde. Sagen wir einfach, es läuft nicht ganz so gut.
Die Auflösung der Geschichte finde ich nicht so gelungen, da es sehr einfach und geradezu billig wirkt. Da kann man schon etwas nachvollziehen, dass Bendis klarstellt, dass es sich um die Idee von jemand anderen handelt und er sie nur in die Tat umgesetzt hat. Aber die Geschichte selbst ist unterhaltsam und manche Abschnitte lustig. Körpertauschgeschichten à la Freaky Friday haben immer das Potenzial, große Freude zu bereiten und Charaktere in Situationen zu stecken, wo man sie normalerweise nicht antrifft. Aber das nächste Mal bitte etwas besser ins Universum eingepasst und nicht so gezwungen.
Die zweite ist die beste der drei Geschichten. Die Fantastic Four werden in dieses Universum eingeführt und halten ihre Identität noch von der Öffentlichkeit fern, da sie selbst noch herausfinden müssen, wie sie mit ihren neuen Fähigkeiten umgehen. Vor allem beschäftigt sie die Frage, was sie mit diesen Fähigkeiten anstellen wollen. Johnny Storm auch bekannt als die menschliche Fackel rebelliert natürlich anfangs, spielt aber dann doch mit. Er geht wieder auf die Highschool, um seinen Abschluss zu machen. Natürlich landet er in derselben Schule, in der auch Peter Parker ist.
Die Freunde rund um MJ und Peter laden ihn dann relativ schnell ein und sie gehen auch gemeinsam zum Strand, wo sich Johnny aus Versehen selbst anzündet und somit seine Fähigkeiten offenbart. Später trifft sich dann, aus reinem Zufall natürlich, Spider-Man mit ihm und die beiden unterhalten sich. Spidey möchte nicht nur herausfinden, was er genau kann und ob er gute Absichten hat; primär geht es ihm darum, einem Freund beizustehen. Später retten sie sogar gemeinsam Menschen aus einem brennenden Haus. Es ist eine schöne Geschichte zwischen zwei Helden, die sich kennenlernen und Gutes tun wollen. Spider-Man und Johnny sind immer wieder ein tolles Team-up.
Schließlich haben wir die dritte Geschichte. Hierin wird Peter mit Ben Urich losgeschickt, um eine Story um den Magier Doctor Strange zu schreiben. Allerdings nicht vom Sorcerer Supreme selbst, sondern von dessen Kind. Durch unglückliche Geschehnisse gerät Peter als Spider-Man zwischen dem jungen Zauberer und dessen Lehrmeister. Ein Dämon oder eine unheimliche Entität nimmt von ihm Besitz und zeigt ihm seine schlimmsten Albträume. Er sieht, wie ihm seine Liebsten Vorwürfe machen und sie auch von anderen getötet werden. Alles, keine schönen Bilder.
Ich hoffe, Peter erholt sich schnell von diesen Erfahrungen und schließt MJ nicht aus seinem Leben aus. Allerdings haben die beiden schon schlimmeres überstanden. Obwohl die einzelnen Geschichten Unterhaltungswert hatten, besonders die Episode mit Johnny Storm, so wirken sie wie Platzhalter. Zu gezwungen starten die einzelnen Geschichten und sind schnell wieder vorbei. Wobei so kurze Geschichten ebenso ihren Charme haben können. Es können auf kurze und prägnante Weise zukünftige Handlungsbögen angedeutet und gestartet werden, ohne dass man fünf bis sechs Ausgaben dafür benötigt.
Künstlerisch sind die Ausgaben wie immer ein Schmaus. Die Zeichnungen von Mark Bagley sind auf dem üblich hohen Niveau und allein visuell zahlt es sich aus, diese Geschichten zu lesen. Ich freue mich nun allerdings wieder auf eine etwas längere Geschichte »Hobgoblin«.