The Boys – Ein Zwischenfazit

Die dritte Staffel von The Boys habe ich zwar angefangen zu schauen, als diese frisch erschien, doch fertig geschaut habe ich sie nie. Warum ich nach der dritten Episode aufgehört habe, kann ich nicht wirklich sagen. Aber manches Mal ist es einfach so, dass man an etwas das Interesse oder es aus den Augen verliert. Doch nach einem Gespräch mit Freund T. über die weiteren Entwicklungen in Staffel vier hat sich Neugierde in mir geregt.

Ohne weitere Umschweife habe ich mich also wieder in die dritte Staffel gestürzt. Es ist zwar mittlerweile über ein Jahr her, doch ich habe mich schnell wieder in der Welt zurechtgefunden. The Boys ist eine Serie, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt und alles over-the-top macht. Alles ist übertrieben und auf 11 gedreht. Der Kampf von den Boys gegen Vaught und deren Superhelden nimmt immer absurdere Züge an, ohne jedoch lächerlich zu werden. Die Serie bleibt sich selbst stets treu. Es ist ein Balance-Akt, den sie bisher geschafft haben.

Gast-Star in der dritten Staffel war Jensen Ackles als Soldier Boy. Ein tragischer Charakter, wie könnte es anders sein, der sich nach kurzer Zeit als geheimer Bösewicht herausstellt. Er kann es mit Homelander aufnehmen und anderen Superhelden die Kräfte rauben. Seine Kräfte sind radioaktiver Natur und damit brennt er förmlich die Ursache für die Superkräfte der Helden aus deren Körpern. Das führt zu bemerkenswerten Szenen zwischen den unterschiedlichen Fronten.

Gespannt bin ich vor allem auf die weitere Entwicklung von Ryan. Homelanders Sohn, den er unter seine Fittiche nimmt und versucht zu erziehen. Doch seine Lehren, wenn man diese so bezeichnen kann, scheinen nicht wirklich anzukommen. Der Einfluss der verstorbenen Mutter, und von Butcher, sind einfach zu groß gewesen; zu prägend. Er kann Menschen nicht als Spielzeuge sehen und wenn er aus Versehen jemanden umbringt, geht ihm das Nahe. Etwas, das sein Vater nicht nachvollziehen kann. Wie er es wohl aufnimmt, wenn ihm sein Sohn den Rücken kehrt und zu Butcher geht (meine nicht ganz abwegige Theorie über die weiteren Entwicklungen)? Sicher gut und gelassen, wie Homelander eben mit Situationen umgeht.

Die Inszenierung ist weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Special Effects, Cinematographie und Kostüme und die Wahl der Schauspieler*innen überzeugen auf ganzer Linie. Es macht Laune, die Geschehnisse zu verfolgen. Antony Starr als Homelander schafft es immer wieder, ein unangenehmes, bedrohliches Gefühl zu erzeugen, sobald er am Bildschirm auftaucht. Die Mimik und Gestik ist der Wahnsinn. Genauso wie er dem Wahnsinn nahe ist und immer kurz vorm Überkochen. Es ist und bleibt ein undurchschaubarer Charakter, was ihn nur umso bedrohlicher macht.

Aber auch die Entwicklungen der anderen Figuren sind durchaus nachvollziehbar. Sowohl die Beziehung zwischen Annie und Hughie, als auch Frenchys Homosexualität und seine innige Freundschaft zu Kimiko. All die schrecklichen, nervenzerreibenden Momente, in denen das Schicksal immer wieder auf die Probe gestellt wird, machen die wenigen schönen, herzerweichenden Szenen umso süßer.

Mit Jeffrey Dean Morgan und Jensen Ackles sind nun schon zwei Supernatural-Schauspieler in The Boys vertreten. Mal sehen, ob sie es schaffen, Jared Padalecki ebenfalls noch dazu zu überreden. Es wäre schon cool, eine kleine Reunion in diesem völlig anderen Universum zu schaffen. Solange es nicht gezwungen wirkt und mit der Geschichte vereinbar ist, natürlich. Fan-Service nur aufgrund des Fan-Service zu betreiben, ist meist zum Scheitern verurteilt. Doch gut gemacht, können daraus hervorragende und erinnerungswürdige Momente entstehen.

Mit der vierten Staffel bin ich noch nicht ganz durch, aber es sind nur mehr ein paar Episoden ausständig. Diese Staffel ist, besonders aufgrund ihrer politischen Anspielungen, teilweise besonders schwierig zu schauen. Ob dies von Anfang an so geplant war oder das Leben die Kunst einmal mehr zu imitieren vermag, oder die Kunst dem Leben voraus greift, sei dahingestellt. Besonders in Verbindung mit dem neuen Charakter Sage, ihren Experimenten und scheinbaren Einsichten wird die vierte Staffel zu einem perversen Vergnügen. The Boys eben.