Ich musste gerade schockiert feststellen, dass mein erster Durchgang von Lies of P gerade einmal zwei Monate her ist (siehe unter anderem den Text: Schlaues Püppchen). Ich dachte, dass seitdem schon mehr Zeit ins Land gezogen wäre. Doch scheinbar ist seit Mitte Juli doch viel passiert und es gab andere Spiele, die mein Interesse gepackt hatten. Doch da das DLC von Lies of P dieses Jahr noch erscheinen soll, dachte ich mir, es wäre nicht schlecht, einen entsprechenden Speicherstand parat zu haben. Ähnlich wie bei Elden Ring und dessen DLC Shadow of the Erdtree, will ich bereit sein, wenn es so weit ist.
Erfreulicherweise kann ich berichten, sehr viel besser mit dem Spiel klargekommen zu sein als noch beim ersten Mal. Bei den einzelnen Levels hatte ich zwar beim ersten Mal nicht wirklich Probleme oder Frust (ausgenommen den letzten Abschnitt von Kapitel XI), aber einige Gegner haben mich dann doch länger beschäftigt. Da seien zum Beispiel die letzten beiden Gegner genannt (Magnus und die namenlose Puppe), aber vor allem der Zwischenboss »Walker Of Illusions«.
Dieser Boss, der am Ende von der eingestürzten Straße auf einen wartet, hat mich beim ersten Durchgang wirklich Nerven gekostet. Die erratischen Attacken, das Klonen zwischendurch und der Schaden, den dieser Boss austeilt, war nicht von schlechten Eltern. Ich hatte meine Probleme, die Attacken zu durchschauen und wirklich parieren konnte ich auch nicht. Bei dem zweiten Durchgang allerdings war der Boss beim ersten Versuch erledigt. Schon erstaunlich, wie man seine Fähigkeiten weiterentwickelt und besser wird, in solchen Spielen.
Soulslike Spiele, wie Lies of P eines ist, fordern die Spieler*innen auf unterschiedliche Art und Weise. Mittlerweile habe ich mehrere hundert Stunden in Elden Ring und Lies of P ist mir auch nicht unbekannt. Scheinbar hat diese Kombination und die Erfahrung aus dem ersten Durchgang zu einer signifikanten Verbesserung bei mir geführt. Außerdem kenne ich mittlerweile die verschiedenen Optionen, die das Spiel einem bietet, besser. Beim ersten Durchlauf kann dies etwas überfordernd sein. Seien es Wurfgeschosse, die unterschiedlichen Modifikationen des Waffen-Arms oder auch der Umgang mit speziellen Waffen – ich habe all mein Wissen eingesetzt und so die Oberhand behalten.
Allein die Möglichkeiten, eine eigene Waffe zu kreieren, scheinen endlos. Man kann die Klinge einer Waffe mit dem Griff einer anderen kombinieren und so Move-Sets, Fertigkeiten und Schaden beliebig zusammenstellen. Das hat mir nicht nur bei Laxasia geholfen, sondern auch bei Magnus, den ich nun beim ersten Versuch erledigt hatte. Die namenlose Puppe war mit dem zweiten Versuch besiegt. Es ist ein tolles Erfolgserlebnis, wie es nur soulslike Spiele vermitteln können. »Get good«, also »werde gut«, ist tatsächlich ein passendes Motto.
Der zweite Durchgang hat mir am Ende auch mehr Freude bereitet. Ich wusste, was auf mich zukommt, kannte die Gegnertypen und es war toll, sich mit ihnen anzulegen. Beim ersten Mal kam mir das letzte Kapitel, genauer gesagt der letzte Abschnitt, unfassbar lange vor. Man muss sich hier einen Turm hochkämpfen, bis man schließlich dem finalen Boss gegenübertreten darf. Beim ersten Durchlauf zog sich das alles wie ein Kaugummi und der Turm nahm gefühlt kein Ende. Doch wenn man weiß, wie lange es noch dauert und wo man sich aktuell befindet, ist dieses Gefühl nicht mehr vorhanden. So scheint das finale Kapitel der Geschichte ebenso stringent und nachvollziehbar, wie die restlichen.
Ich finde auch den Wiederspielwert von Lies of P um einige höher als von Elden Ring. Bei Elden Ring ist man 80 Stunden mit dem Hauptspiel beschäftigt, wenn man alles machen möchte und dann nochmal 40 Stunden mit dem DLC. Bei Lies of P ist man in gut 20 Stunden durch. Auch was die Spielzeit anbelangt, konnte ich mich um über 10 Stunden verbessern. Durch die kürzere Spielzeit wirken die Level abwechslungsreicher, kurzweiliger und die Motivation bleibt konstant. Zwei Monate haben jetzt vollkommen ausgereicht, um ein neues Spielerlebnis damit zu haben. Bei Elden Ring brauche ich wohl eine längere Pause.
Lies of P ist und bleibt ein Meisterwerk der Spielgeschichte. Es zeigt, dass nicht nur FromSoftware in der Lage ist, herausragende soulslike Spiele zu machen. Ich bin sehr gespannt auf den DLC und hoffe, wir müssen nicht mehr allzu lange warten. Bis dahin werde ich mir noch die anderen Enden und weitere Achievements erkämpfen, neue Kampfstile und Waffen ausprobieren. Lies of P bietet genug Möglichkeiten, es immer wieder neu und anders zu erleben.