In der dieswöchigen Ausgabe von Geek-Planet widmen wir uns erneut einer Geschichte von Ultimate Spider-Man. Wie jede Woche habe ich einen alten Text von mir hervorgekramt, der auf meinem früheren, gleichnamigen Blog veröffentlicht wurde. Der Text stammt vom 07. April 2017.
An sich habe ich die Rezension dieses fünfzehnten Volumes gerne gelesen, doch so manche Dinge hätte ich doch gerne mehr beleuchtet gesehen. Zum Beispiel das Thema rund um die Demaskierung von Superhelden. Ich schneide es am Ende nur an und vielleicht ist eine Rezension eines Spider-Man-Comics der falsche Platz für eine ausführliche Auseinandersetzung. Aber etwas tiefer hätte ich damals durchaus gehen können.
Was mir außerdem aufgefallen ist, sind die englischen Begriffe. Es ist gar nicht mal so einfach, gewisse englische Benennungen ins Deutsche zu übertragen. Dazu gehören Volume, Annual und dergleichen. Wenn dann noch die Namen von Charakteren im Satz vorkommen, ist der Text für manche Leser*innen vielleicht gar nicht mehr so einfach zu lesen. Ich selbst musste schon stellenweise kurz überlegen, was nun genau gemeint ist. Deshalb habe ich den Text teilweise umformuliert.
Seitdem ich den Leitfaden für verständliche und einfache Sprache gelesen habe, denke ich des Öfteren darüber nach, wie lange ein Satz wirklich sein muss. Ist meine Argumentation schlüssig? Springe ich zu sehr von einem Thema zum nächsten? Sind die Begriffe, die ich verwende, verständlich? Alles Fragen und Überlegungen, die mich zukünftig hoffentlich zu einem besseren Autor und Blogger machen.
Im fünfzehnten Volume von Ultimate Spider-Man wird unter anderem ein Service eingeführt, den wir in dieser Form noch nicht gesehen haben. Außerdem ist der Bösewicht dieser Storyline eigentlich kein wirklicher Gegner, sondern vielmehr ein verwöhnter Bastard mit schlechten Manieren. Dazwischen gibt es die typischen Elemente, die bei einer Ultimate Spider-Man-Geschichte mittlerweile nicht mehr fehlen dürfen: eine Liebesgeschichte, S.H.I.E.L.D.-Angelegenheiten und andere Probleme für Peter Parker.
- Ausgaben: #86-90, Annual #1
- Erscheinungsdatum: 2006
- Autor: Brian Michael Bendis
- Künstler: Mark Bagley
- Inks: Scott Hanna, John Dell
- Colors: Justin Ponsor
- Letters: Chris Eliopoulus
“I know I’ve only been a super hero for a relatively short time… but you’re a bad guy, right?” – Spider-Man
Fangen wir mit der Annual Ausgabe an, da diese viel Hintergrundwissen liefert, das für die spätere Geschichte rund um Silver Sable wichtig wird. Wie ihr euch sicher erinnert, hat Peter das letzte Mal mit MJ Schluss gemacht, weil er sie nicht in Gefahr bringen möchte. Sie habe keine Chance, sich gegen Supervillains durchzusetzen. Diese Bürde möchte sich Peter nicht aufhalsen; dazu hat er einfach schon zu viele Menschen verloren, die ihm nahestehen. Allerdings ist es später schön mit anzusehen, wie sich die beiden trotzdem noch miteinander unterhalten können – ein wenig zumindest.
Das Annual erzählt zwei sich parallel entwickelnde Geschichten, die Brian Michael Bendis schließlich gekonnt kollidieren lässt, um gemeinsam stärker voranzuschreiten. Zum einen haben wir Peter, der einsam sein Leben beschreitet und sich als Außenseiter fühlt, trotz seiner ganzen Heldentaten. Vielleicht auch gerade deswegen. Auf der anderen Seite haben wir Kitty Pride, die sich ähnlich fühlt unter ihren X-Men-Kollegen. Dies liegt vor allem daran, dass sie sich erst kürzlich von Bobby getrennt hat. Es ist herrlich mit anzusehen, wie sich diese beiden Charaktere (Peter und Kitty), die so viel gemeinsam haben, schließlich begegnen und tolle Dates miteinander verbringen. Vor allem der gemeinsame Kampf gegen eine Verbrecherbande und ihr erster Kuss sind perfekt in Szene gesetzt. Beide sind schüchtern und wissen anfangs nicht so recht mit der Situation umzugehen. Man kann nicht anders, als die Geschichte mit einem Lächeln zu lesen und sich für die beiden zu freuen.
Ich habe Mark Bagleys Zeichnungen und die fantastischen Farben vermisst. Er bringt eine Dynamik in die Charaktere, die perfekt für das Spider-Man-Universum passt. Es ist eine tolle Welt, in die wir hier entführt werden. An den Ultimate Spider-Man Comics gefällt mir besonders, dass ich diese von Anfang an lesen kann. Es ist keine unmögliche Aufgabe, sich durch alle Ausgaben zu kämpfen und die gesamte Geschichte in ihrer Pracht zu erleben, wie es bei Amazing Spider-Man der Fall wäre. Ich liebe die Charaktere und die Erzählweise von Brian Michael Bendis, der sich für alles Zeit nimmt. Verbunden mit den bereits genannten Zeichnungen von Mark Bagley gehört Ultimate Spider-Man mittlerweile zu meinen All-Time-Favorites.
Was die aktuelle Geschichte anbelangt, bleibt es spannend zu sehen, in welche Richtung sich Peter und Kitty entwickeln. In der Hauptstory haben sie zwar auch ein Date, ganz zum Unwohl von MJ, aber ob sich etwas Längerfristiges entwickelt, muss sich erst noch herausstellen. Immerhin haben beide einen ziemlich vollen Terminplan.
Beruhigend für Peter sind auf alle Fälle Kittys Fähigkeiten, die man nicht unterschätzen darf. Anders als MJ ist sie durchaus in der Lage, sich auch gegen diverse Supervillains durchzusetzen. Damit will ich MJ nicht unterminieren oder ihre Durchsetzungsfähigkeit bestreiten. Doch aus Peters Sicht ergibt seine neue Beziehung mehr Sinn als die mit MJ. Dass er nun Kitty so kurz nach der Trennung von MJ kennengelernt hat, schmerzt diese natürlich sichtlich und trifft auf Unverständnis. Doch wenn man sie gemeinsam kämpfen sieht, erkennt man, wie gut Peter und Kitty zueinanderpassen.
Die Hauptstory dreht sich primär darum, dass Spider-Man in der Vergangenheit scheinbar immer wieder Roxxon Gebäude, Schiffe und andere Besitztümer der Firma vor Bösewichten gerettet hat. Der Boss, Roxxon höchstpersönlich, sieht dabei eine Art Verschwörungstheorie und engagiert Silver Sable, die den Helden fangen und zu ihm bringen soll. Natürlich nur, um sich mit dem jungen Mann zu unterhalten.
Macht man doch immer so, wenn man mit jemandem reden will, dass man eine Auftragsmörderin und ihr Killer-Kommando engagiert. Die weitere Entwicklung der Geschichte finde ich zwar an sich gelungen. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind nachvollziehbar und fühle mit so manchen mit; bin also in der Geschichte an sich drin. Gleichzeitig treffen so manche der Entscheidungen bei mir auf völliges Unverständnis. Vor allem, was Roxxon betrifft.
An dieser Stelle hilft es deutlich weiter, dass sowohl er als auch Silver Sable eine kleine Origin-Story geliefert bekommen. So begreift man besser, woher die Charaktere kommen und warum sie die Entscheidungen treffen, die sie treffen. An den Origin-Storys gefällt besonders, dass sie anders koloriert sind als die übrige Geschichte. Außerdem gibt es lediglich einen Erzähler und keine Dialoge, womit sich eine fast märchenhafte Atmosphäre bildet. Gefällt Silver Sable danach besser und erscheint deutlich mehr als eigenständiger Charakter als nur ein Handlanger von Roxxon, so wirkt dieser für mich anschließend nur noch unfähiger. Auch wenn sich zu diesem Gefühl noch etwas Mitleid mischt, ist das Hauptgefühl, das ich ihm entgegenbringe, Verachtung.
Unterm Strich ist Roxxon ein verwöhntes Gör, welches keine eigenständigen Entscheidungen fällen kann und wie so eine Person die Leitung einer Firma bekommen hat, bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Am Ende bekommt man als Leser*in allerdings eine gewisse Genugtuung, die ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte.
Kommen wir zu einem Thema, welches mich in letzter Zeit des Öfteren beschäftigt hat: die Demaskierung von Superhelden. Wenn sich ein Superheld einem Bösewicht geschlagen geben muss oder von diesem überwältigt wird, ist es durchaus klar, dass dieser dann die Maske des Helden abstreift. Doch wenn jemand wie Roxxon mit Spider-Man sprechen möchte und immer wieder betont, sich nur mit ihm unterhalten zu wollen, dann ist es doch absolut unnötig, ihm die Maske vom Kopf zu reißen.
Zudem lässt er den Helden fesseln, was eine tolle Basis für ein gutes Gespräch ist. Will ich mich mal wieder tiefgehender mit Freunden unterhalten, dann fessle und kneble ich sie auch immer, da sofort eine vertrauensvolle Atmosphäre aufkommt. Als sie dann auch noch Fingerabdrücke nehmen und ihn identifizieren wollen, war ich sehr froh darüber, dass S.H.I.E.L.D. ein paar Stolpersteine vorbereitet hat, um Peters Identität zu schützen. Eine beeindruckende Szene, die man sich nicht entgehen lassen sollte. S.H.I.E.L.D. wird in einem völlig neuen Licht gezeigt und man bekommt einmal mit, wie die Organisation von anderen wahrgenommen wird.
Auch wenn die letzten Ereignisse der Geschichte etwas überstürzt erscheinen, so finde ich den finalen Kampf gut und spannend dargestellt. Außerdem bekommen wir so die Gelegenheit, schon einmal etwas in die Spieltruhe von jemandem zu blicken, der sicherlich bald eine größere Rolle einnehmen wird.