Machtfantasien mit Space Marine 2

Bevor ich mir dieses sehr teure Spiel kaufe, wollte ich mir ein Let’s Play ansehen. In den vergangenen Monaten hat der Hype um Space Marine 2 mich durchaus angesteckt. Das erste Spiel, welches 2011 erschien, habe ich zwar nie gespielt, doch es wird viel gelobt. Nach 13 Jahren eine Fortsetzung zu veröffentlichen, weckt in Spieler*innen natürlich alle möglichen Erwartungen. Vor allem ein überzeugendes Ende, genauer gesagt eine überzeugende Fortsetzung von Titus Geschichte sollte es sein.

Um auf dem Laufenden zu sein, was die bisherige Entwicklung von Titus angeht, habe ich mir ein entsprechendes Lore-Video von Luetin09 auf YouTube angesehen. Luetin09 ist allgemein eine ausgezeichnete Anlaufstelle für alles rund um die Lore von Warhammer. Die Videos sind fantastisch aufbereitet und er erzählt die Geschichten und Mythologien dieser Welt en détail, wie man es kaum woanders finden wird. Wer sich mehr für die Games Workshop Seite interessiert, wie Armeen funktionieren, aber trotzdem die Geschichte gut aufbereitet und vielleicht etwas prägnanter dargestellt haben möchte, kann ich Arbitor Ian empfehlen. Aber mit diesen beiden Kanälen ist man auf jeden Fall gut bedient und erhält einen tiefen Einblick über alles, was mit Warhammer 40k zu tun hat.

Aber zurück zu Titus und Space Marine 2. Titus hat nach den Ereignissen des ersten Spiels viele Jahrzehnte in der Deathwatch zugebracht, um für seine angeblichen Sünden Abbitte zu leisten. Bei einem Kampf gegen Tyraniden wird er jedoch lebensgefährlich verletzt, was seine Ultramarines Kollegen, die ihn gerade noch retten konnten, dazu veranlasst, ihm der Primaris-Prozedur zu unterziehen. Primaris sind die neue Art von Space Marines (oder auch Astartes genannt). Sie sind größer, stärker, schneller und widerstandsfähiger als die klassischen Space Marines. Es ist eine wunderbare Art, das Spiel und die Spieler*innen in das neue Zeitalter von Warhammer 40k einzuführen.

Es hat sich einiges getan in den vergangenen Editionen von Warhammer 40k und die Geschichte wird so rasant forterzählt, wie es seit langer Zeit nicht mehr der Fall war. Deshalb fühlt es sich sehr gut an, dass das Spiel diese Erzählstränge mit aufgreift. Wer sich schon länger mit der Geschichte von Warhammer 40k auseinandersetzt, bekommt so nette Easter Eggs und ein vollständigeres Bild. Für Neueinsteiger mag es vielleicht etwas überfordernd sein, doch wirkt es sicherlich nach einem durchdachten Konzept, welches dazu anstiftet, sich tiefer mit dieser Welt zu beschäftigen. Es steht jedoch stets Titus Geschichte im Vordergrund, womit man wirklich gut in die Welt von 40k eingeführt wird.

Das Spiel ist relativ kurz. Das Let’s Play von theRadBrad, das ich mir angesehen habe, dauert gerade einmal knapp 8 Stunden. Dafür sind mir die 70 bis 100 € für das Spiel dann eindeutig zu viel. Doch das Ansehen des Spiels allein hat schon sehr viel Freude bereitet und meine Begeisterung für diese Welt und ihre Geschichte erneut entfacht.

Wenn Titus durch die Gegend stapft und rennt, spürt man förmlich die Wucht und Kraft, die dahintersteckt. Die Kamera wackelt bei jedem Aufprall seiner gigantischen Rüstung. Dadurch, dass auch normale Menschen als Soldaten vorkommen (das Astra Militarum) sieht man erst die schiere Größe der Astartes Krieger. Sie sind doppelt so groß wie Menschen, womit die ganze Welt und Umgebung neu einzuordnen sind. Das Kampfsystem wirkt flüssig und abwechslungsreich.

Es gibt viele verschiedene Arten von Waffen, die man einsetzen kann. Als Nahkampfwaffen dienen entweder das klassische Chainsword, ein Schwert oder ein Dolch. Als Schusswaffen hat man eine breite Auswahl an Boltern, die natürlich nicht fehlen dürfen. Außerdem gibt es Sniper-Waffen, Gatling-Gun ähnliche Waffen oder einen Flammenwerfer, der sich besonders gut eignet, um die Tyraniden wie Ungeziefer zu verbrennen. Es haben alle ihre Daseinsberechtigung und erlaubt es Spieler*innen, ihren eigenen Kampfstil im Rahmen dieser Möglichkeiten zu verfeinern. Die Tyraniden werden aber nicht nur im normalen Kampf Opfer der Space Marines, man kann sie auch mit Finishern erledigen, die immer wieder beeindruckend aussehen.

Aber nicht nur die Kämpfe sind toll umgesetzt, die Umgebung ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Für ein vergleichsweise kleines Spiel sieht es sehr hochwertig produziert aus. Die Biome durch die man sich bewegt, sind abwechslungsreich gestaltet und wissen zu überzeugen. Doch auch die Geschichte von Titus und seinen Kollegen weiß zu überzeugen. Dazu gibt es toll inszenierte Zwischensequenzen. Die Nebencharaktere bekommen aber ebenso ihre Momente im Rampenlicht und sind gut ausgearbeitet.

Wenn man sich mit den Ereignissen des ersten Teils etwas auseinandersetzt, wissen bestimmte Twists noch mehr zu überraschen. Doch auch wenn man unwissend in die Geschichte springt, wird man gut abgeholt. Den Zweifel an Titus und seiner Integrität spürt man. Die Sprecher*innen machen eine gute Arbeit und füllen die Charaktere mit Leben. Sie runden das Gesamtbild des Spiels wunderbar ab. Wer Fan von Warhammer 40k ist, macht mit Space Marine 2 nichts falsch und sollte sich zumindest ein Let’s Play davon ansehen.

Das Spiel atmet durch und durch Warhammer 40k, macht die Geschichte und ihre Charaktere greifbar und hat zumindest mir einmal mehr bestätigt, dass es ein großartiges Universum ist. Ich bin nicht der Online- bzw. Coop-Spieler, deshalb ist das Spiel eher nichts für mich. Man macht damit allerdings sicherlich nichts falsch und wenn es einmal günstig zu haben ist, werde ich vielleicht auch zugreifen.

Einen gewaltigen Nachteil hat das Spiel allerdings. Ich möchte gerne mehr solcherlei Einträge in das Warhammer-Universum. Was ich mir wünschen würde, wären Animationsserien oder Filme in genau diesem Stil und Design. Beispielsweise könnte man die Horus Heresy (also die Vorgeschichte von 40k) auf diesem Level an Qualität erzählen. Mit dieser Liebe zum Detail entwickelt, würde man sicherlich viele Fans glücklich machen. Zwar gibt es mit Warhammer+ einen eigenen Streaming-Service für Warhammer, aber sie kommen, was die Qualität der Animationen anbelangt, nicht an das von Space Marine 2 heran. Ich hoffe, aus der Kooperation mit Amazon fallen entsprechende Produktionen heraus. Solange sie sich an die Lore halten und die Vorlage respektvoll umsetzen, sollte dem nichts im Wege stehen. Aber Space Marine 2 hat auf jeden Fall den Appetit nach mehr angeregt. Seien es Spiele, Filme oder Serien, Animationen oder Live-Action, bitte mehr Adaptionen mit diesem Anspruch an Qualität.