Vor kurzem gab es neue Lebenszeichen zum DLC von Lies of P. Leider noch kein Veröffentlichungsdatum, aber dafür ein neues Musikstück und ein Artwork. Beides macht Lust auf mehr Lies of P. Das Artwork zeigt P, wie er scheinbar an einem Hafen steht. Es ist Winter, Schnee liegt auf den hölzernen Ständen des Hafens und in der Ferne sieht man einen Leuchtturm. Ich freue mich schon sehr auf die Erweiterung und hoffe, die Entwickler können ihren Plan, dass das DLC noch dieses Jahr erscheint, umsetzen.
In der Zwischenzeit vertreibe ich mir die Zeit nicht nur mit weiteren Durchläufen des Spiels (ich habe immer noch nicht alle Enden freigeschaltet), sondern auch mit der Vorlage. Ich habe mir den Roman »Pinocchio« von Carlo Collodi für den Kindle gekauft und gelesen. Ich wollte wissen, welche Elemente der Vorlage die Entwickler genommen haben, welche Teile der Geschichte sie wie umsetzten.
Zwar kennt man Pinocchio aus der eigenen Kindheit. Es gibt und gab diverse Umsetzungen als Animationsserien und -filme. Genauso gibt es unzählige Kinderbücher mit Illustrationen und dergleichen. Doch ob ich jemals das Original gelesen habe, weiß ich nicht. Deshalb wurde es an der Zeit sich diesen Klassiker ins Gedächtnis zu rufen.
Wie zu erwarten war, ist es ein fantastisches Buch. Überraschend brutal und gnadenlos an gewissen Stellen. So findet sich Pinocchio nicht nur für einige Monate im Gefängnis wieder, er wird übergangen, gehänselt, entführt, reingelegt, als Wachhund missbraucht, ausgeraubt und aufgehängt – nur um ein paar der Dinge zu nennen, die ihm widerfahren. Doch stets tänzelt das Buch mit einer gewissen Leichtigkeit vor sich hin. Damit wirken die durchaus düsteren, teils traurigen Momente nicht ganz so schrecklich. Das liegt aber auch daran, dass das Erzähltempo sehr hoch ist.
Die Monate im Gefängnis oder wenn Pinocchio mal für einige Wochen unterwegs ist, werden stets mit einem oder zwei Sätzen abgehandelt. Schon befindet man sich bereits wieder auf dem Weg zum nächsten Abschnitt, zum nächsten Teil des Abenteuers. Doch man fiebert mit Pinocchio mit und wünscht ihm, zu lernen, wem er vertrauen kann und wem nicht. Zu lernen, wie man sich durch die Welt bewegt und auf welche Qualitäten es ankommt. Von dieser Warte aus gesehen ist es eine wirklich tolle Geschichte, die allerdings sehr abrupt endet. Auch damit hatte ich nicht gerechnet.
Man findet so einige parallelen zum Spiel und welche Inspirationen als Vorlage für diverse Charaktere im Spiel dienten. Allen voran natürlich die Katze und der Fuchs, die immer wieder im Spiel auftauchen und P zu schaffen machen. Die Ambiguität zwischen Freund und Feind, die bereits im Buch zu spüren ist, wird in Lies of P noch einmal mehr ausgebaut und verfeinert. Ebenso die verschiedenen anthropomorphisierten Tiere, die immer wieder vorkommen, und die »black rabbit brotherhood«. Auch diverse Bosse, denen man im Spiel begegnet, findet man im Buch wieder.
Es ist toll, die Vorlage des Spiels zu lesen. Es zeigt einmal mehr die Brillanz der Entwickler*innen, aus einem ausgezeichneten, aber doch unscheinbaren Buch ein hartes soulslike Spiel zu machen und ein eigenes Universum dahinter aufzubauen. »Der Zauberer von Oz« wird voraussichtlich das nächste Buch, welches das Studio umsetzt, und ich bin sehr gespannt, wie sie die Verbindung zu Lies of P herstellen. Vor allem, ob man weiterhin P spielt oder doch Dorothy. Ich habe mir auch schon »Oz: The Complete Collection« und »Alice in Wonderland: The Complete Collection« für den Kindle besorgt, um diese Bücher ebenfalls zu lesen. Für knapp 3,50 € für alle drei (inklusive Pinocchio), macht man nichts falsch.
Zu guter Letzt noch die Empfehlung, sich nach der Lektüre zumindest die Wikipedia-Seite des Buches durchzulesen. Je nachdem, welche deutsche Übersetzung man liest, werden manche Namen einem unbekannt sein oder überraschen. Beispielsweise heißt Geppetto in der Übersetzung, die ich habe, Meister Seppel. Aber man erfährt auch andere wissenswerte Dinge und den Werdegang des Buches. Überhaupt finde ich es interessant, sich mit Übersetzungen auseinanderzusetzen. Vor allem bringen mich seltsame Übersetzungen von Namen immer wieder dazu, die Originale zu lesen, so sie denn in Englisch geschrieben wurden – des Italienischen bin ich leider nicht mächtig.
Trotzdem war es interessant, weiter in die Welt von Pinocchio einzutauchen und mehr über diese fantastische, kreative Welt zu erfahren. Es strotzt nur so von Kreativität. Vielleicht zeigt sich so auch schon, welche Teile des Buches dem DLC des Spiels als Inspiration dienen könnten.