Mich beschäftigt weiterhin das Thema, wie man Spiele erneut zum ersten Mal erleben kann. Ob es überhaupt etwas Gutes ist, etwas Erstrebenswertes und was das mit den Erinnerungen an die Spiele der Kindheit zu tun hat. Ich habe dazu vor ein paar Wochen bereits einen Text geschrieben und ein tolles Video zu dem Thema verlinkt (Der Zauber des ersten Mals).
Fangen wir mit den Spielen an, die wir in unserer Jugend gerne gespielt haben. Wer mehr oder weniger ein Leben lang an Videospielen interessiert ist, wird es sicherlich kennen. Man verklärt die Spiele von damals. Nehmen wir beispielsweise Driver 2 oder Fighting Force. Diese Spiele habe ich geliebt und stundenlang auf meiner PS One gesuchtet. In meiner Erinnerung sahen die Spiele toll aus, spielten sich flüssig und boten actiongeladene Unterhaltung.
Ich weiß aber, dass dies nicht der Fall ist, weil ich mir Videos und Screenshots zu den Spielen angesehen habe. Die Grafik sieht aus, wie von vor 30 Jahren (weil es eben so ist) und die Action ist alles andere als schnell oder flüssig. Trotzdem sind die Spiele in meinem Gedächtnis mit mir gealtert und wurden immer wieder modernisiert, wenn man so will. Die Grafik der Erinnerungen erneuert sich immer wieder auf den aktuellen Stand der Technik. Retro, eben.
Ein anderes Beispiel wäre Assassin’s Creed II und die beiden Fortsetzungen Brotherhood und Revelations. Für mich und viele andere der Gipfel von Assassin’s Creed Spielen. Ubisoft nahm das, was in Teil 1 funktionierte, und baute es weiter aus. Sie erzählten eine fantastische Geschichte. Ezio Auditore da Firenze begleiten wir buchstäblich von der Geburt bis zu seinem Tod. Es war großartig. Die beiden Fortsetzungen habe ich jeweils an einem Wochenende durchgespielt und jede Minute war fantastisch. Die Technik der Spiele war genial, das Parkour-System kein Problem und die Grafik sowieso top notch.
Doch war es wirklich so? Eher nicht. Ich habe vor ein paar Jahren nochmal reingespielt und die Parkour-Elemente sind nicht so ganz präzise; die Remastered-Version sieht zwar toll aus, aber die ursprüngliche Version hat nun auch schon 15 Jahre auf dem Buckel. In meiner Erinnerung jedoch verkläre ich viel, weil ich mich natürlich nur an die guten Dinge erinnern will. Wer will sich schon hauptsächlich daran erinnern, dass ich gefühlt Stunden damit zugebracht habe einen seltsamen Hindernislauf zu schaffen, aber immer an der einen Stelle runtergefallen und von vorne habe anfangen müssen.
Aber auch das gehört zu Spielen: das Scheitern und erneut versuchen. Das habe ich mit der Entdeckung von soulslike Spielen wie Elden Ring und Lies of P gelernt. Gerade das Scheitern macht es interessant. Weil man irgendwann so weit ist und vorankommt. Diese Hürde zu überwinden, macht Spiele aus. Bei Assassin’s Creed II waren es die Parkour-Einlagen, die mich manchmal wahnsinnig gemacht haben. Umso mehr habe ich mich gefreut, wenn ich es dann doch geschafft habe. Trotz allem verkläre ich die drei Teile der AC-Reihe zu den besten jemals dagewesenen. Auch wenn ich mit Odyssey sehr viel Freude hatte und unfassbar viele Stunden darin versenkte, kommt es in der Erinnerung nicht an II heran.
Und genau das ist es, was wir vielleicht damit erreichen wollen, wenn wir sagen, wir wollen Spiele noch einmal von Neuem erleben. Erneut diesen Zauber eines Spiels haben. Wir möchten uns die Erinnerungen ins Gedächtnis rufen, die epischen Schlachten, die fantastischen Kämpfe, die Sprünge über Häuserschluchten – alles, was diese tollen Spiele eben zu bieten haben. Aber will ich wirklich erneut stundenlang bei einem Gegner stecken bleiben, wie in Elden Ring oder Lies of P? Verzweifelt den Weg suchen, wie es weitergeht, bis ich frustriert danach google? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
Als ich vor ein paar Wochen Lies of P nach über zwei Monaten Pause erneut durchgespielt habe, hatte ich meine helle Freude daran. Ich sah meinen Fortschritt, wurde besser und kam flüssiger durch das Spiel. Es war fantastisch. Irgendwann, wenn genug Zeit vergangen ist, mache ich das sicher auch noch einmal mit Elden Ring. Wenn ich erneut Lust habe, mich durch die Dungeons zu prügeln und 130 Stunden investieren will.
In der Zwischenzeit will ich allerdings die tollen Erinnerungen aufrechterhalten, die ich mit dem Spiel hatte, ohne großartig viele Stunden zu investieren. Dabei helfen Videos auf YouTube, wie beispielsweise »It’s just a video game« oder »The Grace of Elden Ring«. Videos, die die besten Szenen und Sequenzen zusammenschneiden, die tollen Landschaften und Architekturen hervorheben und die besten Zitate der Bosse einblenden. Sie feiern die Höhepunkte und machen sich Mods zunutze, um diese Szenen besonders gut einfangen zu können.
Manchmal lassen sie die aus meiner Sicht besten Dinge aus, aber das ist nur verständlich, da jede*r andere Höhepunkte hat. Doch es ist eine tolle Möglichkeit, sich die Magie ins Gedächtnis zu rufen, ohne hundert Stunden hineinstecken zu müssen. Deshalb schaue ich auch gerne Let’s Plays und erfreue mich der Reaktionen der Spieler*innen.
Aber wie auch schon beim letzten Mal festgestellt, ist das beste Rezept, ein Spiel erneut zu erleben, einfach ein neues auszuprobieren. Es gibt so viele Spiele mit tollen Mechaniken und Ideen, man muss nicht immer einem alten nachtrauern. Blasphemous 2 und Prince of Persia: The Lost Crown habe ich nur gespielt, weil mir ein Let’s Play von TheRadBrad gefallen hat und ich diese spannenden Welten selbst erleben wollte. Ihnen ihre Geheimnisse entlocken. Es sind beides fantastische Spiele, mit einer jeweils eigenen Atmosphäre und tollen Boss-Kämpfen.
Nostalgie ist ganz nett, manchmal und manche Spiele, wie Lies of P bieten genug Möglichkeiten, sie immer wieder anders zu erleben, aufgrund der Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen und unterschiedlichen Enden. Aber man muss auch in die Zukunft blicken und sich auf Neues einlassen, denn Erinnerungen an sich sind trügerisch und nicht immer verlässlich.