Heartstopper – Season 3

Anfang Oktober erschien endlich die dritte Staffel der großartigen Serie Heartstopper. Charlie und Nick haben ihre frische Beziehung öffentlich gemacht und gehen nun neuen Herausforderungen entgegen. Wie schon im Vorhinein zu lesen war, ist diese Staffel durchaus ernster. Sie behandelt schwierige Themen. Doch besonders, weil die Serie, wie auch die Comic-Vorlage, nicht davor zurückschreckt, diese Thematiken anzusprechen und sie mit Respekt, Feingefühl und der notwendigen Ernsthaftigkeit begleitet, feiere ich sie umso mehr. Selbstverständlich bleibt der Serie aber die Leichtigkeit und der Fokus auf Nebencharaktere ebenso erhalten.

Das Thema, das sich besonders in der Beziehung zwischen Charlie und Nick abspielt, ist Charlies Essstörung. Über die gesamte Staffel wird seine mentale Gesundheit und die Essstörung immer wieder angesprochen, bis er sich schließlich Hilfe holt. Die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller sind immer wieder überwältigend. Die gefühlvoll geschriebenen Szenen holten mich immer wieder ab. Kit Connor und Joe Lock sind perfekt gecastet und haben eine wunderbare Chemie.

Es ist auch schön zu sehen, dass die Behandlung von Charlies psychischen Problemen sehr realitätsnah umgesetzt ist. Wie im echten Leben gibt es gute und schlechte Tage. Er verbringt zwei Monate in einer Klinik, ist danach aber nicht wie durch Magie geheilt, sondern muss sich weiterhin damit auseinandersetzen. Besonders toll fand ich auch die Szenen mit seinem Therapeuten. Es ist einfach wunderbar, eine glaubwürdige Umsetzung davon zu sehen und keine romantisierte Hollywood-Interpretation.

Doch natürlich sind Charlies Probleme nicht nur für ihn belastend. Auch die Menschen um ihn herum müssen entdecken, dass es nicht an ihnen ist, Charlie zu heilen und dass sie auf sich selbst acht geben müssen. Besonders deutlich wird dies an drei Charakteren: Nick, Charlies Mutter und seiner Schwester, Tori. Manchmal tauschen Tori und Nick einfach nur Blicke aus, allerdings weiß man genau, was sie gerade denken. Sie machen sich beide Sorgen und hoffen auf die Unterstützung des jeweils anderen. Sie helfen sich schließlich immer mehr auch gegenseitig. Vor allem an Nick wird gezeigt, wie wichtig es manchmal ist, einfach nur für jemanden da zu sein. Einen besonders eindrucksvollen Moment teilen beispielsweise Tao und Nick. Diese Momente gehören für mich zu den besten Szenen der Staffel.

Apropos Freude, auch diese machen in dieser Staffel einiges an Entwicklung durch. Isaac setzt sich mit seiner Asexualität auseinander und was das für ihn bedeutet. Auch hier wird deutlich, dass die bloße Erkenntnis einen nicht automatisch glücklich macht. Zwar hat er für sich eine zutreffende Beschreibung und Einordnung gefunden, doch muss er, ob dieser Erkenntnis, erst damit zurechtkommen. Um ihn herum sind alle in Beziehungen und denken, das sei das beste auf der Welt. Doch Isaac möchte das nicht und es belastet ihn. Großartig geschrieben, großartig geschauspielert – _Heartstopper_ findet immer wieder die richtigen Töne und Worte.

Die Beziehung von Tao und Elle erreicht ebenso neue Ebenen, wie die von Tara und Darcy. Jeder Charakter findet auf ihre eigene Weise zu sich selbst und mehr über sich selbst heraus. Es ist pure Freude, den Geschehnissen zuzuschauen und mit den Charakteren mitzufiebern. Die Autorin Alice Oseman, die sich auch für die Comic-Vorlage verantwortlich zeichnet, beweist zum wiederholten Male ihr Talent und Genie. Heartstopper darf man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Besonders die Bedeutung für junge queere Menschen darf man nicht unterschätzen. Es braucht solche Serien.