80 + Mozartkino

Am Samstag war ich zum ersten Mal im Mozartkino in Salzburg. Eigentlich eine Schande, gehört es doch zu den ältesten Kinos Europas. Doch besser spät als nie, wie man so schön sagt. Passenderweise sah ich mit Freund J. einen österreichischen Film im dortigen Römersaal an. Diesen wollten wir unbedingt aufsuchen, da dort noch ein Teil einer alten römischen Mauer steht. Ich hatte mir zwar etwas mehr erwartet als einen unförmigen Stein, trotzdem ein beeindruckendes Stück Geschichte.

Der Rest des Saals ist mit römisch angehauchten Bildern und Säulen geschmückt. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir ein etwas heruntergekommenes Kino erwartet. Wie gesagt, war ich noch nie drin und habe mich auch nicht damit beschäftigt. Manchmal hat man allerdings unbegründete Vorurteile, selbst Gebäuden gegenüber. Umso positiver war ich überrascht, als ich entdeckte, dass es zwar ein kleiner, eher eng bestuhlter Saal war, in dem man sich trotzdem schnell wohl fühlte. Nur Getränkehalter fehlen leider.

Angesehen haben wir uns 80 Plus mit Christine Ostermayer (Helene), Margarethe Tiesel (Toni) in den Hauptrollen. Bei Helene ist Krebs zurückgekommen, und sie möchte sich den Torturen der Behandlungen nicht ein zweites Mal aussetzen. Deshalb will sie in die Schweiz, um Sterbehilfe zu bekommen. Ihr Neffe will sie allerdings aus Gründen nicht dorthin fahren. Im Pflege- oder Kurheim lernt sie allerdings Toni kennen, die anbietet, sie in die Schweiz zu fahren. Die beiden unternehmen also einen spontanen Roadtrip über Land und Berg.

Trotz des durchaus ernsten Grundthemas ist es ein überaus lustiger Film. Es ist eine hohe Kunst, die richtige Dosis zu finden zwischen den ernsthafteren, tiefgründigen Momenten und den lustig heiteren Augenblicken. Doch dieser Film schafft dies mit Bravour. Hollywood-Produktionen, die mehrere hundert Millionen Dollar kosten, schaffen nicht, was dieser Film mit einer scheinbaren Leichtigkeit hinbekommt. Das liegt sicherlich auch an den beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen.

Die beiden haben eine wunderbare Chemie und ergänzen sich großartig. Ihr komödiantisches Timing ist bestechend, und man bekommt nicht genug von den tollen Interaktionen zwischen Toni und Helene. Die Situationen, in die sie sich hineinmanövrieren, sind so absurd, wie die Lösungen dafür realistisch und glaubwürdig ausfallen. In dem Film steckt sehr viel drin und so wirken die 95 Minuten sehr viel länger. Es ist stets gutes Zeichen, wenn man es schade findet, dass eine filmische Reise zu Ende geht, als das man froh ist, endlich aufstehen zu können.

80 Plus ist ein großartiger Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Die emotionale Reise in die Schweiz wird mit beeindruckenden Bildern untermalt. Die Berge werden wunderbar eingefangen und dienen als perfekte Kulisse für die Abenteuer von Helene und Toni. Bei solchen Filmen ist es schwierig, ein gelungenes Ende zu finden, doch selbst das schafft 80 Plus. Der Film lädt ein, sich selbst über das Thema und die vorkommenden Diskussionen Gedanken zu machen.