Neben Valentine und to the stars and back (und ein paar anderen, die es allerdings noch zu besprechen gilt) gehört R.U. Screwed zu meinen liebsten Webcomics. Die Geschichte dreht sich um Howie und Sooch, die gemeinsam eine Universität besuchen und die schon länger eine Freundschaft verbindet. Howie hat jedoch tiefgehendere Gefühle für Sooch, sich aber noch nie getraut, diese anzusprechen. Vor allem auch deshalb nicht, weil er sich nicht einmal sicher ist, ob Sooch überhaupt schwul oder bisexuell ist.
Doch irgendwann überwindet sich Howie und die beiden haben ein ausführliches Gespräch, wie sie mit dem Ganzen umgehen wollen. Es gibt im Laufe der Geschichte so einige Stolpersteine zu überwinden und die Freundschaft zwischen den beiden auf die Probe gestellt. Schön ist, dass diese Freundschaft und das grundlegende, was die beiden Verbindet, ins Zentrum gestellt wird. So kann sich auf dieser Basis später mehr entwickeln. Vor allem für Sooch ist es eine schwierige Zeit, da er unter anderem mit psychischen Problemen und Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Eine Identitätskrise benötigt er dann nicht auch noch.
R.U. Screwed besticht immer wieder durch gefühlvoll geschriebene Dialoge und gut pointierten Humor. Der Verzicht auf Farben und stattdessen mit Graustufen zu arbeiten, ist für diese Geschichte eine gute Wahl. So liegt der Fokus noch einmal mehr auf den Charakteren, ihrer Mimik und natürlich den Dialogen. Wenn ein Webcomic jahrelang läuft, vergisst man oft, wo die Künstler*innen dahinter herkommen und wie sie sich weiterentwickelt haben. Ich habe mir nochmal die ersten Kapitel angesehen und es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Autorin und Künstlerin verbessert hat. Ich dachte, der Stil wäre mehr oder weniger derselbe geblieben und in den Grundzügen stimmt das auch, trotzdem sind die Verbesserungen unübersehbar.
Was auffällt, an dem Format des Comics, ist, dass dieser als normale Comicseiten veröffentlicht und von rechts nach links gelesen wird. Die Veröffentlichung als normale Comicseiten hat den Vorteil, dass die Künstlerin später die vollständigen Kapitel als PDF-Datei zur Verfügung stellen kann. Ich mag es, wenn Künstler*innen ihre vergangenen Kapitel vollständig anbieten, so ist es leichter, sie nachzulesen. Dazu muss man wissen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, einen Webcomic zu präsentieren. Um genau zu sein, zwei. Zum einen eben als normale Comicseiten, mit Panels und allem, was dazu gehört.
Zum anderen mit vertikalem Bildverlauf (vertical scrolling). Vor allem auf Smartphones und kleinen Tablets ist dieses Format zu bevorzugen. Durch die vertikale Anordnung kommen die einzelnen Panels und Zeichnungen besser zur Geltung. Manche Künstler*innen entscheiden sich, beide Formate anzubieten. Erst werden die einzelnen Kapitel im vertikalen Format präsentiert und später die vollständigen Kapitel in einem PDF im üblichen Comic-Format zusammengefasst.
R.U. Screwed ist ebenso wie die anderen beiden, die ich bisher vorgestellt habe, ein Comic, den ich auf Patreon unterstütze. Da ich gerne mehrere Künstler*innen unterstütze, werfe ich meistens 1 € oder so in den Hut. Wenn einem etwas gefällt und man über Jahre eine Geschichte, die jemand zu erzählen hat, genießt, dann ist es angebracht, zumindest ein bisschen was beizusteuern. Der Vorteil ist, dass man nicht viel selbst investieren muss. Durch die Menge an Unterstützer*innen kommt aber doch etwas zusammen. Immerhin ist es aufwendig und zeitintensiv, einen Comic komplett selbst zu machen. Wenn jemand dann einen Teil seines Lebensunterhalts damit bestreiten kann, ist das eine erfreuliche Sache.
R.U. Screwed bei WebToon