Seit ich angefangen habe, meinen YouTube-Konsum um einiges zurückzuschrauben, bleibt mehr Zeit für andere Dinge. Beispielsweise zum Lesen von Webcomics und auch Filme haben es mir wieder angetan. Beim MCU bin ich schon seit dem Ende der Infinity-Saga raus (bis auf ein paar Ausnahmen), deshalb war es an der Zeit, dem ganzen Unterfangen mal wieder eine Chance zu geben. Gewiss ist, dass die Infinity-Saga auf jeden Fall enormen Unterhaltungswert hat. Von dem, was danach kommt, lasse ich mich überraschen.
In der chronologischen Reihenfolge der Veröffentlichung habe ich die Filme schon sehr lange nicht mehr geschaut. Aber so ein Unterfangen, wirklich alle Filme zu schauen, hat den Vorteil, dass man Filme sieht, denen man vielleicht schon lange keine Chance mehr gegeben hat. The Incredible Hulk und Iron Man 2 kommen mir da als Erstes in den Sinn.
Diese Filme und damit dieses tolle Film-Universum begleiten uns immerhin schon seit 16 Jahren. Das MCU war zu dieser Zeit wirklich etwas anderes. Die Akquirierung von Marvel Entertainment durch Disney stand erst noch aus. Das iPhone war gerade einmal ein Jahr alt. George W. Bush war noch US-Präsident, und Barack Obama sollte die Wahl in diesem Jahr gewinnen. Das österreichische Wort des Jahres ist »Lebensmensch«. Ich war gerade einmal 19 Jahre jung. Und Anfang Mai 2008 feiert Robert Downey Jr. seine Premiere als Tony Stark, aka Iron Man.
Den Film erkennt man fast nicht mehr wieder als Teil des MCU. Es ist erfrischend, Iron Man heute anzuschauen. Es herrscht ein ernster Unterton, es werden nicht alle paar Minuten Witze gerissen oder dumme Sprüche zum Besten gegeben, nur um die Situation aufzulockern. Iron Man ist in dieser Hinsicht großartig gemacht und steht heute vielleicht auch dafür, was manche Fans von den heutigen Filmen erwarten würden. Dass sie für sich stehen können, im Kontext des größeren MCU. Die Cameos von Agent Coulson passen perfekt und sind nicht zu aufdringlich. Die Post-Credit-Szene mit Nick Fury enthält so viel Potenzial, was als Nächstes kommen könnte, und man ist voller Erwartung und Neugierde für die Zukunft. Das fehlt mir heute ein bisschen.
Dass Iron Man anders ist, als heutige Einträge ins MCU, erkennt man allein schon an den ersten 20 Minuten: Tony Stark wird entführt, gefoltert und sein lieb gewonnener Freund Yinsen, den er während seiner Gefangenschaft kennenlernt, stirbt in seinen Armen. Dann wird er auch noch von Obadiah Stane, sein Geschäftspartner und Vertrauter, verraten. Stane hat sogar den Anschlag auf ihn initiiert, tötet ihn fast. Das alles passiert, ohne dass jemand Meta-Kommentare zum Besten gibt oder versucht die Situation durch unpassende Sprüche aufzulockern. Es ist ein sehr stimmungsvoller Film, der von Anfang bis Ende begeistert.
Das soll aber nicht heißen, dass der Film keine witzigen Momente hat. Ganz im Gegenteil. Besonders weil die ernsteren Momente für sich stehen und auf die Zuschauer*innen wirken können, passen die witzigen Momente umso besser. Die Momente zwischen Tony und Pepper sind genauso hingebungsvoll geschrieben wie die tollen Dialoge zwischen Tony und Jarvis. Das CGI sieht noch immer toll aus und sämtliche Schauspieler sind perfekt gecastet. Es ist immer noch unfassbar, dass der erste Eintrag ins MCU von dermaßen hoher Qualität war.
In Retrospektive erkennt man den größeren Plan dahinter und dass dieser später so aufgehen sollte, wie er es tut, hat den größten Respekt verdient. Viele andere Studios haben versucht, es Marvel gleichzutun und sind bravourös gescheitert. Ich freue mich auf die weiteren Filme und habe meine Begeisterung für dieses Universum neu entdeckt.